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Schule Markt für Nachhilfeunterricht hart umkämpft

24.01.2011 ·  Ungezählte Schüler brauchen Nachhilfe - oder nehmen sie zumindest. Die Anbieter lassen sich einiges einfallen: Das Angebot in Rhein-Main reicht von „Geld-zurück-Garantie“ über „All inclusive“ bis zum ganzheitlichen Lernen. Davon abgesehen gibt es auch TÜV-Richtlinien.

Von Daniel Rudolf
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Mathematik ist nicht die Stärke von Alina: „Ich kapiere einfach nicht, wie man diese komischen Gleichungen ausrechnet.“ Die Achtklässlerin hat schon zum zweiten Mal in einer Klassenarbeit eine Fünf geschrieben. Ihre Eltern hoffen nun, dass sich die Noten der Realschülerin mit Nachhilfeunterricht verbessern. „Früher konnte ich ihr noch selbst bei Hausaufgaben helfen, aber von Gleichungen und Koordinatensystemen habe ich auch keine Ahnung“, sagt ihre Mutter. Vielen Eltern ergeht es ähnlich. Kompetente und individuelle Hilfe versprechen Nachhilfeunternehmen. Besonders groß ist die Nachfrage jetzt, da die Halbjahrszeugnisse bevorstehen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft schätzt die jährlichen Ausgaben für Nachhilfeunterricht in Deutschland auf knapp zwei Milliarden Euro. Bildungsforscher Klaus Klemm stellte in einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung fest, dass für jeden hessischen Schüler durchschnittlich 124 Euro im Jahr für Nachhilfe aufgewendet werden. Mit dieser Summe befindet sich Hessen im Ländervergleich im oberen Viertel.

Vielzahl regionaler Anbieter

Doch nicht nur der Bedarf ist groß, auf dem Nachhilfemarkt gibt es auch viele Anbieter. Allein in Frankfurt kämpfen mehr als 20 von ihnen um die Kundschaft. Neben den bundesweiten Franchiseunternehmen Schülerhilfe und Studienkreis gibt es eine Vielzahl regionaler Anbieter wie die Lernhilfe mit vier Filialen, Capito in Eschersheim und im Nordend sowie Pythagoras in Bornheim. Wer sich von der Konkurrenz abheben will, muss sich daher etwas einfallen lassen: „Geld-zurück-Garantie“ und „All inclusive“ sind zwei Slogans aus der Werbung.

„Beim nächsten Zeugnis im vereinbarten Unterrichtsfach keine Fünf mehr“, andernfalls gibt es das Geld zurück: So lautet die Garantie, die einige Filialen der Schülerhilfe geben. Solche Versprechen könnten unberechtigte Hoffnungen wecken, sagt Ingrid Tollkühn vom Studienkreis Frankfurt-Mitte. Sie weist darauf hin, dass der Lernerfolg von vielen Faktoren abhänge: „Eine Erfolgsgarantie kann es bei Nachhilfe nie geben. Entscheidend sind vor allem die Motivation des Kindes und die Fähigkeit des Nachhilfelehrers.“

Zusatz-Kontingent an Nachhilfestunden ohne Aufpreis

Die Geld-zurück-Garantie ist zudem an viele vertraglich fixierte Bedingungen geknüpft: So muss der Schüler mindestens zweimal wöchentlich am Nachhilfe-Unterricht teilnehmen, regelmäßig seine zusätzlichen Hausaufgaben erledigen und darf stets nur in dem angemeldeten Fach unterrichtet werden. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, behält sich die Schülerhilfe vor, ihre Garantie zurückzuziehen.

Die Frankfurter Filialen des Studienkreises setzen hingegen auf Flexibilität. Die „Nachhilfe all inclusive“, die seit diesem Schuljahr angeboten wird, soll ein individuell auf die Bedürfnisse der Schüler zugeschnittenes Lernprogramm ermöglichen. Ohne Aufpreis können Eltern bei Bedarf ein fächerübergreifendes Zusatz-Kontingent an Nachhilfestunden buchen. Somit sind sie nicht an starre Vertragsvereinbarungen gebunden, in denen die Stundenanzahl und das Nachhilfe-Fach für mehrere Monate festgelegt sind.

TÜV-Richtlinien zur Nachhilfe

Mit „ganzheitlicher Nachhilfe“ wirbt wiederum das Unternehmen Hauslehrer. Dazu gehört außer der Aufarbeitung fachspezifischer Schwierigkeiten auch die Förderung der Selbstorganisation der Schüler und die Vermittlung von Lernstrategien. Einzigartig in der lokalen Nachhilfebranche sind die hohen Anforderungen der Hauslehrer an ihr Personal: Wer sich als Lehrer bewirbt, muss außer einem polizeilichen Führungszeugnis und einer schriftlichen Versicherung der Nichtzugehörigkeit zu einer Sekte auch eine Einverständniserklärung abgeben, wöchentlich an Supervisionen mit Psychologen und Pädagogen teilzunehmen. Bei den meisten Konkurrenzunternehmen reicht hingegen schon eine Immatrikulationsbescheinigung als Einstellungsvoraussetzung.

Da die Wahl eines Anbieters wegen deren großer Zahl schwerfällt, hat Alinas Mutter bei drei Instituten Probestunden vereinbart. „Wichtig ist vor allem, dass sich meine Tochter dort wohl fühlt.“ Doch auch der Preis spiele für sie als Alleinerziehende eine große Rolle. Eine 90 Minuten dauernde Lerneinheit kostet im Schnitt zwischen 14 Euro für Gruppenunterricht und knapp 50 Euro für eine Einzelbetreuung. Um Eltern bei der Suche nach einer Nachhilfeschule zu unterstützen, vergibt der TÜV Rheinland seit 2006 ein Qualitätssiegel. Gemäß der TÜV-Richtlinien bemisst sich die Qualität eines Nachhilfeinstituts an der Größe der Unterrichtsgruppen, der Qualifikation der Lehrkräfte, der Interaktion der Nachhilfelehrer mit Eltern und Schulen sowie der Dokumentation von Lernfortschritten.

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