Schülerdemonstration: Mit Kochlöffel gegen Großcaterer
http://www.faz.net/-gzg-99pa1

Schülerdemonstration : Mit Kochlöffel gegen Großcaterer

  • -Aktualisiert am

Streitobjekt: Die Kantine „Buen Bario“ der IGS Nordend Frankfurt soll durch den Großcaterer Sodexo übernommen werden. Deswegen demonstrierten am Montag rund 500 Schüler vor dem Sitz des Unternehmens in Rüsselsheim. Bild: dpa

Rund 500 Schüler der IGS Nordend aus Frankfurt demonstrierten am Montag vor dem Sitz des Großcaterers Sodexo in Rüsselsheim. Ihre Forderung ist simpel: gutes Essen.

          Rüsselsheim am Montagvormittag: 500 Schüler versperren die Darmstädter Landstraße. Sie haben Trillerpfeifen im Mund und halten Plakate hoch. „IGS für gutes Essen“, ist da zu lesen.

          IGS steht für „Integrierte Gesamtschule“, diese befindet sich im Frankfurter Nordend. Die Schulgemeinde hat am vergangenen Montag einen etwas anderen „Wandertag“ anberaumt – es geht zum Sitz des Großcaterers Sodexo im Rüsselsheimer Gewerbegebiet. Schüler und Eltern protestieren dagegen, dass Sodexo ihre Kantine übernimmt. Die ist noch in der Hand des Familienbetriebs Cantina Buen Barrio. Bei einem Ausschreibungsverfahren der Stadt Frankfurt hatte Sodexo den Zuschlag erhalten.

          Individuelle Zubereitung der Speisen

          Nach einer halben Stunde Fußmarsch ist das Firmengelände in Sichtweite. „Sodexo buh, leck meinen Schuh“, rufen einige. Eine Schülerin hat sich als Köchin verkleidet, schlägt mit einem Kochlöffel auf einen Deckel. Andere zeigen den Stinkefinger in Richtung des Gebäudes.

          Auch Schulleiter Uwe Gehrmann ist mittendrin. Er steht auf einer Mauer, scharrt die Schüler um sich und ruft durch ein Megafon: „Uns ist egal, ob Sodexo gut kochen kann oder nicht. Wir sind hier, weil Sodexo uns etwas kaputtmacht!“ Die Menge johlt. Die Schüler wünschen sich vor allem, dass das Kantinenpersonal, das seit 2009 die Schule bekocht, bleibt. „Sie gehen auf die Schüler ein und bereiten das Essen auch individuell zu“, sagt Mutter Stephanie Dietmann. Sodexo übernehme zwar die Mitarbeiter, Dietmann befürchtet aber, dass sie für kleine Extrawünsche „keinen Spielraum mehr bekommen“.

          Klare Forderung: Uwe Gehrmann, Schulleiter der IGS Nordend, spricht auf der Demo vor dem Sitz des Verpflegungskonzerns Sodexo. Das Unternehmen mache „etwas kaputt“.

          Einer der Schüler, es ist der 15 Jahre alte Joaquin Celino Rio Antas, kämpft sich durch die Schülermassen den Weg zur Eingangstür des Gebäudes frei. In der Hand hält er eine Mappe mit Briefen, in denen die Schüler den Konzern auffordern, auf die Übernahme der Kantine zu verzichten. Der junge Mann klopft auffordernd an die Eingangstür. Erst als er lauter, drängender, unnachgiebiger klopft, darf er hinein.

          Ein Sicherheits-Angestellter bittet ihn zum Empfang. Man habe ihm zugesichert, die Briefe weiterzureichen, erzählt er wenig später den Wartenden. Joaquin Celino Rio Antas ist zu einer kleinen Berühmtheit unter den Schülern geworden. Er war es, der ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht angestrengt hat, weil die Schüler nicht in die Entscheidung eingebunden worden seien. Jetzt gehe es darum, so Rio Antas, die Vertragsunterzeichnung weiter hinauszuzögern. Sodexo-Direktor Dieter Gitzen sagte gegenüber dieser Zeitung, dass er „noch keinen rechtsverbindlichen Zuschlag erhalten habe“


           

          Weitere Themen

          Bildung geht durch den Magen

          FAZ Plus Artikel: Kantinenkonflikt : Bildung geht durch den Magen

          Was bringt eine Schule in Frankfurt dazu, gegen einen Großcaterer ins Feld zu ziehen? Warum wird so erbittert um einen veganen Kindergarten gestritten? Die Auseinandersetzung um das, was Kinder essen, wirft ein Licht auf die Bruchstellen einer Stadtgesellschaft.

          Abermals brennen Autos in Frankfurt

          Ursache ungeklärt : Abermals brennen Autos in Frankfurt

          In der Nacht zum Montag sind in Frankfurt-Praunheim drei geparkte Autos in Flammen aufgegangen - die Ursache konnte die Polizei noch nicht nennen. Schon in den vergangenen Monaten hatten Autos in Frankfurt gebrannt.

          Topmeldungen

          Eng verbunden: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird in Peking vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping begrüßt.

          Merkel in Peking : In Chinas Arme

          Im neuen großen Spiel der Mächte steht Europa ungewohnt einsam da. Gewicht bekommt seine Außenpolitik nur durch Einigkeit. Ein Kommentar.

          Absage an Kim Jong-Un : Spannung und Ungewissheit

          Die Absage des Treffens in Singapur hat auch etwas Gutes: Der Realismus kehrt zurück. Das Regime in Nordkorea hat es nicht auf den Friedensnobelpreis abgesehen, und die Regierung Trump kann noch einmal in sich gehen. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.