Fußballfans sprechen oft ungefiltert aus, was sie denken: „Das war der größte Mist überhaupt“, sagt der 18 Jahre alte Marc auf die Frage, ob er in den vergangenen drei Wochen von der Sperrung des S-Bahn-Tunnels unter der Innenstadt betroffen war. Doch die Zeit des Umsteigens ist nun zu Ende, und so kann Marc, mit Flagge und Eintracht-Trikot ausgestattet, an diesem Samstag bequem mit der S-Bahn von der Hauptwache zum Stadion fahren. „Alles andere wäre auch totales Chaos geworden.“
Ein bißchen chaotisch sieht es zwar immer noch aus, wenn sich unzählige Fans in die Bahn zwängen und „Wer nicht hüpft, ist Offenbacher“ singen, aber Marc hat recht: Die S-Bahn fährt wieder - und deshalb fließt der Verkehr an diesem Samstag wieder so wie vor den aufwendigen Bauarbeiten im Tunnel.
Auch wer noch nüchtern ist und kein Trikot trägt, freut sich, daß die Fahrt zwischen Hauptbahnhof und Konstablerwache nun nicht mehr unterbrochen werden muß. „Während der Sperrung hab' ich eine Dreiviertelstunde für den Weg zur Arbeit gebraucht“, sagt Tobias Neldler, der an der Galluswarte auf seine S-Bahn wartet; jetzt dauere es wieder nur 15 Minuten. „Wir haben Glück, daß die S-Bahn heute wieder fährt“, finden Maria und Iva. Die jungen Studentinnen aus Bulgarien wollen verreisen. Und wenn die Tunnelstrecke noch gesperrt wäre, müßten sie mit ihrem schweren Gepäck auf dem Weg zum Hauptbahnhof mehrmals umsteigen.
„Es rappelt immer noch genauso“
Doch die Bahn war pünktlich: Von den Bauarbeiten ist fast nichts mehr zu sehen. Die an Lindwürmer erinnernden Lüftungsrohre sind verschwunden, die Menschenmassen strömen wie zuvor zu den S-Bahn-Stationen und zum Hauptbahnhof, auch von Terrorangst ist nichts zu spüren. Nur noch ein paar Hinweisschilder erinnern an die Baustelle.
15 Millionen Euro waren investiert worden, 30 Weichen entlang der 1,4 Kilometer langen Strecke erneuert sowie 5000 Tonnen Schotter und die darunterliegenden Dämmschichten ausgetauscht: Nach Angaben der Bahn lief alles nach Plan. Leiser soll die Fahrt durch den Tunnel nun sein, auch wenn der zehn Jahre alte Jonathan in der S3 meint, es rappele immer noch genauso. Andere Passagiere berichten, die Fahrt sei nun tatsächlich angenehmer.
Allerdings hat sich es noch nicht überall herumgesprochen, daß die Bauarbeiten wirklich zu Ende sind, vielleicht aus allgemeinem Mißtrauen in die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn. „Tunnel geht wieder?“ fragt Omar Kahhoodi ungläubig an der Konstablerwache. Er möchte mit seiner Familie zum Flughafen, um dann nach Marokko zu reisen, und hat sich schon auf lange U-Bahn-Fahrten und häufiges Umsteigen eingestellt. Aber alles kein Problem: „Endlich Urlaub“ - und das auch noch auf direktem Wege. So schlimm sei das mit der Sperrung allerdings auch wieder nicht gewesen, sagt ein Rentner. „Man muß eben Zeit haben.“ Und zu seiner Überraschung seien die Ersatzverbindungen pünktlich und nicht überfüllt gewesen. Jetzt also nur noch mit U-Bahn und Straßenbahn? „Nee“, sagt er, „so toll war's dann auch wieder nicht.“

