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„Schädel-Affäre“ Uni will Fall Protsch "rückhaltlos" aufklären

18.08.2004 ·  Mit der Affäre um den Anthropologen Reiner Protsch von Zieten beschäftigt sich jetzt auch die Kommission der Goethe-Universität zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten. Wie berichtet, beschuldigen ...

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Mit der Affäre um den Anthropologen Reiner Protsch von Zieten beschäftigt sich jetzt auch die Kommission der Goethe-Universität zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten. Wie berichtet, beschuldigen Fachkollegen den Wissenschaftler, grob fehlerhafte Datierungen von Schädel- und Skelettfunden veröffentlicht zu haben. Vier Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe teilte die Universität mit, das Präsidium nehme die Anschuldigungen "ernst" und habe sie an die Kommission sowie den für solche Fälle zuständigen Ombudsmann weitergeleitet.

Sache des Gremiums sei es nun, die Angelegenheit zu prüfen und der Hochschulleitung anschließend einen Bericht sowie Ratschläge für das weitere Vorgehen vorzulegen. Das Verfahren sei in einer Empfehlung der Hochschulrektorenkonferenz zum Umgang mit Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis festgelegt. Die Frankfurter Universität habe 1998 als eine der ersten in Deutschland diesen Verhaltenskodex als verbindlich anerkannt.

Gegen Protsch, der seit April vorläufig seines Dienstes enthoben ist, läuft zurzeit ein Disziplinarverfahren. Auch die Staatsanwaltschaft befaßt sich mit dem 65 Jahre alten Professor, der im Verdacht steht, er habe Instituts-Eigentum unterschlagen wollen. Universitätskanzler Hans Georg Mockel äußerte hierzu, die Hochschulleitung arbeite den beteiligten Behörden "schnell und rückhaltlos" zu und dringe sehr auf eine Klärung der Vorgänge. Weitere Auskünfte zum Gang der Untersuchungen würden vorerst nicht gegeben.

Die Ermittlungen gegen den Forscher wirken sich auch auf die geplanten anthropologischen Grabungen auf dem Frankfurter Peterskirchhof aus. Dort wollen städtisches Denkmalamt und Historisches Museum bis zu 5000 Skelette von Leichnamen freilegen lassen, die in einem Zeitraum von 450 Jahren auf dem Friedhof beigesetzt worden waren. Ursprünglich sollten die Knochen im Anthropologischen Institut unter Protschs Leitung untersucht werden. Wie die amtierende Leiterin des städtischen Denkmalamtes, Andrea Hampel, auf Anfrage bestätigte, wurden die Grabungen zunächst auf März nächsten Jahres verschoben. Ob die Messungen an den Skeletten im Institut der Universität vorgenommen würden, hänge auch davon ab, welche wissenschaftlichen Schwerpunkte ein möglicher Nachfolger Protschs setze. (zos.)

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