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Öffentlicher Nahverkehr : Die S-Bahn hat Verspätung

Geduldsprobe: Zu viele S-Bahnen sind nicht pünktlich. Bild: Jonas Wresch

Die S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet ist viel zu oft unpünktlich. Die Bahn kennt das Problem, doch einfache Lösungen gibt es nicht.

          Die S8 ist pünktlich in Wiesbaden losgefahren. Doch schon in Rüsselsheim hat sie sieben Minuten Verspätung. Der Zug habe bei Mainz-Bischofsheim, wo verschiedene Strecken ineinander übergingen, vermutlich warten und Fernzügen die Vorfahrt geben müssen, erläutert Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in Hessen. In seinem Büro in den früheren Adler-Werken in Frankfurt beobachtet er auf seinem Tabletcomputer den Fahrverlauf der S8 und anderer Bahnen. Am Frankfurter Hauptbahnhof ist die Verspätung der S8 schon auf 14 Minuten angewachsen. Das neue Problem sei in der Nähe des Frankfurter Stadions entstanden, wo mehrere Bahnlinien zusammenträfen, erklärt Vornhusen: „Einer muss immer warten.“ In Offenbach beträgt die Verspätung dann 18 Minuten. Auch hier konnte die S8 nicht unverzüglich auf das Gleis in Richtung Hanau einfädeln. Am Ende kommt der Zug etwa 20 Minuten später, als im Fahrplan vorgesehen war. Die eingleisige Strecke von Offenbach nach Hanau ist Vornhausen zufolge einer der schlimmsten Engpässe im S-Bahn-Netz.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwar plant die Bahn eine Entschärfung des Problems durch den Bau eines Überholungsabschnitts mit zwei Gleisen bei Steinheim, doch das Vorhaben ist 25 Millionen Euro teuer und wird noch auf sich warten lassen. Es würde zu einer Verbesserung der Pünktlichkeit im S-Bahn-Netz führen. Die ist zurzeit nicht berauschend. Mit einer Pünktlichkeitsrate von 91 Prozent im Juni steht die S-Bahn schlechter da als 2013, als noch 95 Prozent der Züge pünktlich waren. Wobei eine Bahn in der Statistik noch als pünktlich gilt, wenn sie sich nicht mehr als fünf Minuten verspätet. Für die Deutsche Bahn AG, die im Auftrag des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) die S-Bahn im Ballungsraum Frankfurt betreibt, sind die vielen Verspätungen auf zweierlei Weise fatal: Sie erhält als Strafe weniger Geld vom RMV, und sie verliert Vertrauen bei den Kunden. Die Verbesserung der Pünktlichkeit ist laut Vornhusen deshalb derzeit eines der wichtigsten Ziele der Bahn. Man strebe bei der S-Bahn eine Pünktlichkeitsrate von 94 Prozent in diesem Jahr an, sagt der Manager.

          Nordmainische S-Bahn würde für Entlastung sorgen

          Einfach dürfte das nicht werden, denn der Bahnverkehr leidet im Rhein-Gebiet unter einem strukturellen Problem: Das Schienennetz hat seine Kapazitätsgrenze erreicht. Vor allem in den Hauptverkehrszeiten. Am Wochenende dagegen, wenn weniger Züge fahren, steigt die Pünktlichkeit, weil das System weniger belastet ist und Verzögerungen besser ausgleichen kann. Weil sich im Knoten Frankfurt der Fernverkehr, der Güterverkehr und der Regionalverkehr mit S-Bahnen und Regionalzügen dauernd in die Quere kommen, sind Wartezeiten nicht zu vermeiden. Vor allem die S-Bahn leidet darunter, dass sie sich häufig Gleise mit dem Fernverkehr teilen muss und dabei immer die Fernzüge Vorrang haben. Dieses strukturelle Problem ist nur durch einen Ausbau des Schienennetzes wirklich zu lösen. Doch der lässt auf sich warten. Immerhin beginnt im Herbst der viergleisige Ausbau der Strecke von Frankfurt nach Bad Vilbel und Friedberg.

          Dadurch bekommt die S6 eigene Gleise, was die Pünktlichkeit deutlich verbessern dürfte. Auch der Bau der Nordmainischen S-Bahn von Frankfurt nach Hanau, für die die Planfeststellung läuft, wird für mehr Stabilität im System sorgen. Weil die Nachfrage unter den Fahrgästen hoch ist und durch die Bevölkerungszunahme stetig wächst, lässt der RMV in der Hauptverkehrszeit so viele Züge wie nur irgendwie möglich fahren. Die Abfolge der Bahnen ist deshalb eng getaktet, vor allem bei der Fahrt durch den Frankfurter S-Bahn-Tunnel unter der Innenstadt, durch den mit Ausnahme der S7 alle S-Bahnen ihren Weg nehmen müssen. Schon eine kleine Verzögerung bringt das System durcheinander, die Verspätung einer Bahn überträgt sich auf die nächste.

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