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Rosel Arnsberg : Gala der fleißigen Sammlerin

  • Aktualisiert am

Rosel Arnsberg ist ein Phänomen. Mit ihren 95 Jahren bewegt sie sich munter durch den Festsaal des Frankfurter Hofs, hat auf alles ein Auge und findet dennoch für jeden Zeit, um ein paar persönliche Worte zu wechseln.

          Rosel Arnsberg ist ein Phänomen. Mit ihren 95 Jahren bewegt sie sich munter durch den Festsaal des Frankfurter Hofs, hat auf alles ein Auge und findet dennoch für jeden Zeit, um ein paar persönliche Worte zu wechseln. Wenn es um die krebskranken Kinder in Israel geht, kennt die große alte Dame der Jüdischen Gemeinde Frankfurt keine Müdigkeit. Sie ackert, plant, organisiert schon Wochen, nein, Monate im voraus für das wichtigste Ereignis ihres Arbeitsjahres: die Gala der "Frankfurter Gesellschaft der Freunde und Förderer der Krebsbekämpfung in Israel". Vor zwanzig Jahren hat Rosel Arnsberg die Frankfurter Gruppe dieser weltweit für Israel tätigen Wohltätigkeitsorganisation mitbegründet. Sie hat - und darauf ist sie heute noch stolz - den damaligen Stadtkämmerer Ernst Gerhardt mit Charme davon überzeugt, das Ehrenamt des Schirmherrn anzunehmen. Sie hat Freunde, Bekannte und auch viele zunächst Desinteressierte von der guten Sache überzeugt.

          An diesem Samstag abend ist wieder der große Tag der Rosel Arnsberg, die Gala der Krebsbekämpfer oder besser: die Gala der Krebsbekämpferinnen. Denn es sind fast ausschließlich Frauen, die in Frankfurt für die Sache der kranken Kinder in Tel Aviv und Jerusalem streiten, Petra Kaffeesieder als derzeitige Vorsitzende und noch ein gutes halbes Dutzend anderer Damen. Aber Rosel Arnsberg ist doch die Seele von allem. Sie hat den Vorschlag gemacht, dieses Mal in den Frankfurter Hof zum Festmahl und zum Tanz zu bitten, sie hat sogar Josef Buchmann zur Teilnahme überredet, den Immobilienbesitzer, der bekanntermaßen häufig und viel spendet, vor allem für Projekte in Israel, und von dem Rosel Arnsberg sich - warum soll sie es nicht sagen? - eine stattliche Spende erhofft.

          Doch soweit ist es noch nicht. Zuerst trägt die Vorsitzende Petra Kaffeesieder den Gästen das Anliegen vor: "Unsere schwer kranken Kinder sind in Not." Jedes Jahr werden in Israel etwa 500 Kinder und ihre Familien mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Viele dieser Mädchen und Jungen können mittlerweile geheilt werden, doch der Gesundungsprozeß ist langwierig, der normale Schulunterricht leidet unter den Therapien, die Kinder versäumen viele Stunden. Die Frankfurter Gesellschaft der Krebsbekämpfer finanziert über ihr Programm "Hope für Life" Hausunterricht für krebserkrankte Kinder. Dafür wird an diesem Abend Geld gesammelt.

          Damit die potentiellen Spender auch reichlich geben, haben die Damen um Rosel Arnsberg und Petra Kaffeesieder eine Kapazität als Fürsprecher aufgeboten: Simon Slavia, einen der erfolgreichsten Krebsforscher Israels. Der trägt ein überzeugendes Argument vor, warum die Unterstützung der Krebsforschung sinnvoll ist. Wer spende, sagt der Professor, unterstütze immer auch sich selbst. Denn jedermann könne Krebs bekommen. Und dank neuer Therapien sei die Chance, im Falle einer Erkrankung geheilt zu werden, in den vergangenen Jahren immer größer geworden.

          Vor Jahren hat Slavia zum ersten Mal einen unter Blutkrebs leidenden Jungen geheilt - mit einer Therapie, bei der das Immunsystem des Patienten durch die Übertragung von Immunkörpern seiner Schwester so angeregt und gestärkt wurde, daß es den Krebs tötete. Mittlerweile wird diese Therapie bei vielen Krebsarten erfolgreich angewendet. Doch Slavia hat sich längst ein neues Ziel gesetzt: eine schonende und zielgenaue Stärkung des Immunsystems durch Impfstoffe. Die vorliegenden Ergebnisse sehen ihm zufolge erfolgversprechend aus. Doch Forschung und klinische Tests sind teuer, der Appell an die Gala-Gäste deutlich: Spenden sind erwünscht.

          So ähnlich formuliert es auch Gerhardt: "Wir sorgen uns um Israel. Wir sorgen uns um die kranken Kinder. Lassen Sie sich ansprechen." Josef Buchmann hat die Worte wohl gehört - und auf der Stelle reagiert. Die schulische Betreuung von 15 krebskranken Kindern werde er übernehmen, 15mal 1500 Dollar. Großer Applaus. Dann prasseln die Erfolgsmeldungen nur so auf die Gala-Gäste herunter. 5000 Euro von dieser, 5000 Euro von jener Familie. Am Ende ist eine erkleckliche Summe zusammengekommen. Besonders erfolgreich war natürlich Rosel Arnsberg selbst. Nicht an diesem Abend, sondern schon ein paar Monate zuvor, bei ihrem 95. Geburtstag. Sie wollte keine Geschenke, erbat sich aber dafür Spenden, selbstverständlich für die Krebshilfe. 9000 Euro sind insgesamt eingegangen. Viel Geld - aber natürlich immer noch zu wenig.

          HANS RIEBSAMEN

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