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Rollenspiel : Ritter für einen Nachmittag

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Attacke: Wegelagerer greifen die Truppe des angehenden Ritters Yezariael an. Bild: Florian Manz

Schwerter aus Schaumstoff und Fiberglas, Hemden aus Metall und eine neue Identität: Beim Rollenspiel leben Menschen ihre Träume.

          Ein Schrei zerteilt die Luft. Die Maid mit dem roten Baumwollkleid, dem schweren Pelzmantel und dem braunroten Fuchsfell um den Schultern kann sich nicht wehren. Binnen Sekunden packen sie Banditen und verschleppen sie in die Tiefen des Frankfurter Stadtwaldes. Die Wege sind matschig, die Bäume noch kahl, unter den Schritten knacken leblose Äste und am Himmel bringen die Winde die Wolken durcheinander.

          An diesem Februartag laufen rund 30 Rollenspieler durch den Stadtwald, um für einige Stunden zu vergessen, wer sie sind. Viele von ihnen nehmen zum ersten Mal an einem „Life Action Role Play“ (Larp) teil. Sie flüchten sich in andere Zeiten und fiktive Welten, aus Bankangestellten werden Magier, aus Schülern Knappen und aus Managern Vagabunden. Mal spielt die Handlung eines Rollenspiels im Mittelalter, mal in ferner Zukunft – aber immer in der Phantasie.

          „Larp ist für mich eine Möglichkeit, meine Träume auszuleben“

          Die ersten Live-Rollenspiele sind vor rund zwanzig Jahren aus Amerika nach Deutschland gekommen. Ihren Ursprung fand die Bewegung, als Laienschauspieler die Schlachten des amerikanischen Bürgerkriegs nachahmten. Wie im Improvisationstheater geben die Veranstalter bestimmte Szenarien vor, in denen sich die Teilnehmer bewegen und mit neuen Identitäten miteinander interagieren. Sogenannte Nicht-Spieler, steuern dabei die Handlung, indem sie die Spieler überfallen oder Fährten legen. Die Improvisation der Akteure entscheidet darüber, wie der Tag verläuft. Die Teilnehmer tragen Konflikte aus, lösen Rätsel und kämpfen gegen Tagediebe, Zolleintreiber oder dunkle Magier.

          Im Stadtwald macht sich Yezariael mit seinen Knappen, Kriegern und Heilkundigen auf die Suche nach der entführten Maid. Yezariael ist in der Welt des Larp ein angehender Ritter. In der Wirklichkeit heißt der Zwanzigjährige David Clemens und leistet seinen Grundwehrdienst. „Larp ist für mich eine Möglichkeit, meine Träume auszuleben“, sagt er. Für Fantasy und Mittelalter konnte er sich schon immer begeistern. Ihm gefällt es, fiktive Geschichten am eigenen Körper zu erleben. Clemens hat einen wachen Blick, ist hilfsbereit und gibt sich dem Rollenspiel mit großer Leidenschaft hin. „Ich bin ein ganz normaler Junge“, sagt er. In seiner Rolle als Yezariael sei es ihm möglich, als „rechtschaffen-dämlicher Schildknappe“ das Böse zu bekämpfen und dem Guten zum Sieg zu verhelfen.

          Männer in Kettenhemden

          Jeder Spieler sucht sich einen Charakter aus, den er über mehrere Jahre beibehält und der sich weiter entwickelt. Meist organisieren sich Larper in Gruppen, die in einem fiktiven Land leben. Yezariael stammt etwa aus dem „Fürstentum Lodrien nahe der Mittellande“. Stimmungsvolle Schauplätze verleihen den Rollenspielen die gewünschte Atmosphäre. Yezariael und seine Mitstreiter treffen sich nicht nur zum Kämpfen im Wald, sondern auch zur Hofhaltung auf alten Burgen und Schlössern. Dort kommen Ritter und Knappen zur Minne zusammen und betören die edlen Damen mit Lyrik und Gesang. Für die Hofhaltungen hat David Clemens im wahren Leben sogar begonnen, Harfe zu lernen.

          Die Frauen in Yezariaels Truppe tragen Leinenhosen, Tunikas, Wildlederstiefel, Lederbeutel und weite Umhänge mit Kapuzen. Die Männer haben sich in Kettenhemden gehüllt, einige von ihnen haben darüber dicke, schwere Wolljacken an. Eine komplette Bekleidung kann bis zu zwanzig Kilogramm wiegen. Bewaffnet sind die Rollenspieler mit Schwertern, Schlagkeilen, Streitäxten und Schilden, die innen aus Fiberglas und Schaumstoff bestehen und außen mit Latex überzogen sind. Die Illusion soll perfekt sein: Gegenstände aus der heutigen Zeit wie Uhren oder Handys sind während der Treffen verpönt.

          Rot und Gelb stünden für Ehre, Treue und Schutz

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