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Rhein-Main Vom Studenten zum Unternehmer

 ·  Universitäten im Rhein-Main-Gebiet unterstützen junge Gründer aus ihren Reihen. „Sensibilisieren für die Selbständigkeit“, lautet die Aufgabe.

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Heiko Störkel und Sascha Heising wollen endlich richtig loslegen. Vor einem Jahr, noch während des Studiums, haben sie sich entschieden, das Unternehmen GeoMon zu gründen. Mit Hilfe von Drohnen wollen sie hochauflösende Geodaten, beispielsweise Luftbilder, produzieren und auswerten und sie an Ämter, in der Umweltplanung tätige Ingenieurbüros und Versicherungen verkaufen. Dafür haben sie Existenzgründerseminare besucht, auf Konferenzen mit möglichen Kunden gesprochen, einen Business-Plan geschrieben und Fördermittel beantragt. Jetzt, endlich, seien sie kurz vor dem Ziel, sagt Störkel.

Auf ihrem Weg vom Studenten zum Unternehmer hat das Gründerzentrum der Goethe-Universität, der „Unibator“, die beiden Geographen begleitet. Es stellt Gründern Büros zur Verfügung, hilft ihnen beim Beantragen von Fördergeld und ermöglicht ihnen, mit Experten aus Forschung und Industrie zu sprechen. „Wir unterstützen die Studenten in der Zeit, in der aus ihrer Idee eine Business-Idee wird“, sagt Projektleiterin Natascha Hoebel. Dabei hilft auch ein Mentor, den sich jedes Team suchen und mit einem schlüssigen Konzept überzeugen muss. „Ein richtiger Gründer ist sehr selbständig“, sagt Hoebel. „Das erwarten wir von unseren Studenten auch.“

„Das lief alles sehr unbürokratisch“

Der Goethe-Unibator ist nur eines von vielen Gründerzentren, mit denen Universitäten Studenten bei der Unternehmensgründung unterstützen. Seit im Jahr 1997 an der European Business School in Wiesbaden die erste Professur für Entrepreneurship eingerichtet worden sei, habe sich an deutschen Hochschulen kontinuierlich eine regelrechte Gründungskultur entwickelt, sagt Jürgen Schmude, Professor für Wirtschaftsgeographie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der regelmäßig ein Gründer-Ranking der Hochschulen vorlegt. In sieben Bundesländern, darunter auch Hessen, steht explizit in den Landeshochschulgesetzen, dass die Universitäten Studenten bei der Unternehmensgründung unterstützen sollen. Die Technische Universität Darmstadt etwa hat gerade beschlossen, ihre Gründungsberatung auszubauen. Auch die Uni Mainz hat ein solches Angebot.

Als Sylvia Wojczewski und Hüseyin Aygün im Jahr 1999 ihr eigenes Unternehmen Biospring gründeten, gab es diese strukturelle Unterstützung noch nicht. Biospring stellt Gen-Schnipsel her, die in der klinischen Entwicklung von Arzneimitteln, in der Diagnostik und in der Forschung verwendet werden. Schon während ihrer Doktorarbeit in Chemie habe sie eine Marktlücke auf diesem Gebiet gesehen, sagt Wojczewski. Gemeinsam mit Aygün und vier Kommilitonen kratzte sie 60 000 Mark als Startkapital zusammen und kaufte ein Synthesegerät, um die Gen-Schnipsel herzustellen. Im Labor ihres Doktorvaters machten sich die jungen Gründer an die Produktion. So konnten sie sich nicht nur die Miete für ein eigenes Labor einsparen, sondern mussten sich auch nicht um die chemikalischen Abfälle kümmern, für deren Entsorgung es hohe gesetzliche Auflagen gibt. „Das lief alles sehr unbürokratisch“, berichtet Wojczewski, „und hat die Anfangshürden für uns enorm gesenkt.“

Gefragt: Eine Idee, für die man brennt

Von dem Geld, das sie einnahmen, kauften sie weitere Geräte und bauten Schritt für Schritt ihr Unternehmen auf. Heute hat Biospring 30 Mitarbeiter - und Wojczewski und Aygün haben bereits ihr zweites Unternehmen gegründet. Es heißt Adiutide und ist auf die Forschung ausgerichtet. Dort werden keine Gen-Schnipsel für andere hergestellt, sondern es wird ein Stoff entwickelt, um Krankheiten wie Krebs oder Diabetes zu behandeln. Um ein Unternehmen zu gründen, brauche man „eine Idee, für die man brennt“, sagt Wojczewski. „Man wird doch nicht kurzfristig zum Unternehmer, nur weil man einmal eine Vorlesung über Business-Pläne hört.“

Auch Geographie-Professor Schmude ist überzeugt: Die wichtigste Aufgabe der Universitäten sei es, ihre Studenten für die Möglichkeit zu sensibilisieren, sich selbständig zu machen. „Vor allem in der Betriebswirtschaftslehre war das sehr lange überhaupt nicht in den Köpfen.“ Erst in einem zweiten Schritt sollten die Universitäten versuchen, Studenten konkret bei einer Unternehmensgründung zu unterstützen. Laut einer aktuellen Umfrage der Universität Kassel unter 4200 Studenten tendieren 25 Prozent dazu, sich nach ihrem Abschluss selbständig zu machen.

Internetplattform für Fahrschüler

David Stuck geht diesen Schritt schon jetzt. Der Vierundzwanzigjährige studiert im dritten Semester Betriebswirtschaft an der Frankfurt School of Finance and Management und hat vor kurzem das Startup „fahrkalender.de“ gegründet. Über die Internetplattform können Fahrschüler deutschlandweit ihre Fahrstunden selbst buchen. Zudem wertet das Unternehmen allerhand Daten aus, beispielsweise die Auslastung - so kann eine Fahrschule Rabatte zu jenen Zeiten einführen, die selten gebucht werden.

Vor eineinhalb Jahren hatten Stuck und Nicolai Schummel, heute technischer Leiter des Unternehmens, die Idee für diesen Kalender. Seitdem haben sie mit Fahrlehrern gesprochen, die Finanzierung geplant und Gespräche mit Investoren geführt. Vor sechs Wochen haben sie ihr Unternehmen gegründet. „Wir sind froh, dass wir uns jetzt endlich um unser eigentliches Geschäft kümmern können“, sagt Stuck. Und das sogar ohne große finanzielle Sorgen, denn die FS VenCube, eine Initiative zur Förderung studentischer Unternehmensgründungen an der Frankfurt School, beteiligt sich an dem Unternehmen. „Unser Ziel ist es, dass die Gründer in den ersten ein, eineinhalb Jahren beruhigt wirtschaften können“, sagt Christoph Kauter, Geschäftsführer von FS VenCube und selbst Absolvent. Zwischen 10.000 und 100.000 Euro investiert die Initiative in ein Unternehmen.

Eine solche Basis würden sich auch die Geographen Störkel und Heising wünschen. Für die technische Entwicklung, etwa der App, mit der sie ihren Kunden Geodaten bereitstellen wollen, bekommen sie Fördergelder der Europäischen Weltraumbehörde Esa - ihren Lebensunterhalt sichert das noch nicht. „Wir haben mit einer Durststrecke gerechnet, aber dass es finanziell so hart wird, hätten wir nicht gedacht“, sagt Heising. Gerade schreiben sie eine Bewerbung für ein Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums, das sie maximal ein Jahr lang unterstützen würde. „Bis zum Jahresende werden wir wissen, ob wir endlich Vollgas geben können.“

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