23.09.2009 · Nach der jüngsten Videobotschaft des aus Bonn stammenden Islamisten Bekkay Harrach wächst bei den Sicherheitsbehörden die Sorge, dass vor allem im Rhein-Main-Gebiet Anschläge geplant sein könnten. Dabei konzentrieren sich die Szenarien auf Frankfurt.
Von Katharina IskandarNach der jüngsten Videobotschaft des aus Bonn stammenden Islamisten Bekkay Harrach wächst bei den Sicherheitsbehörden die Sorge, dass vor allem im Rhein-Main-Gebiet Anschläge geplant sein könnten. Wie aus Polizeikreisen zu hören ist, gab es enge Verbindungen zwischen Islamisten im Köln-Bonner Raum, zu denen auch Harrach gehört, und der Langener Terrorzelle. Mitglieder beider Gruppen sollen sich in der Vergangenheit bevorzugt in Moscheen getroffen haben, um ihre Bereitschaft zum Dschihad, dem „heiligen Krieg“, zu bekräftigen.
Derzeit werden offenbar Szenarien durchgespielt, um im Ernstfall, der den jüngsten Ankündigungen zufolge nach der Bundeswahl eintreten könnte, vorbereitet zu sein. Dabei konzentrieren sich die Szenarien auf Frankfurt. Es sei „kein Geheimnis“, dass gerade die Finanzmetropole mit ihren symbolträchtigen Türmen und derzeit auch der IAA ein Ziel von Terroristen sein könnte, heißt es. Ordnungsämter und der Katastrophenschutz seien über die verschärfte Lage informiert worden. Die Bundespolizei patrouilliert schon seit Ende vergangener Woche mit Maschinenpistolen am Flughafen, am Hauptbahnhof und größeren S-Bahn-Stationen.
Abwehrstrategie entwickelt
Innenminister Volker Bouffier (CDU) bestätigt, dass die terroristischen Aktivitäten in Hessen mit der Zerschlagung der Langener Terrorzelle keineswegs beendet worden seien. „Wir nehmen die jüngsten Drohungen sehr ernst. In Hessen gibt es Menschen, die nichts anderes machen, als andere darüber zu informieren, wann, wo und wie viele Bomben hochgehen müssten, damit viele Menschen sterben.“
Gleichzeitig warnt Bouffier aber vor Panik. Die Sicherheitsbehörden recherchierten seit langem intensiv. Schon im Januar 2000, vor den Anschlägen in New York, habe man eine Abwehrstrategie entwickelt, die nun lediglich verschärft worden sei. Verbindungs- und Kommunikationswege, wie etwa das Internet, würden mit den zur Verfügung stehenden Mitteln untersucht und bewertet. Auch der Präsident des Landeskriminalamts, Peter Raisch, sagte, man habe „die terroristische Klientel im Griff“.
Sicherheitsbehörden beobachteten genau
Unberechenbar ist aus Sicht der Sicherheitsbehörden allerdings das Potential der Islamisten – zumal es in der Vergangenheit gelungen ist, zwei junge Männer aus Langen derart zu radikalisieren, dass sie ihre Bereitschaft zum Dschihad nicht nur bekundet, sondern bei Kämpfen und Anschlägen in Pakistan auch unter Beweis gestellt haben. Die Sicherheitsbehörden beobachteten genau, wer sich rekrutieren lasse, sagte Raisch. So könne man die Gefahr zwar nicht bannen, aber kontrollieren.