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Religion Heftige Debatte um Moschee-Bau

29.08.2007 ·  Moscheen in Frankfurt haben seit fast 50 Jahren Tradition. Die älteste Moschee wurde 1959 in Sachsenhausen eröffnet. Zu den jüngsten gehört die 2006 eröffnete Omar-Moschee in Preungesheim.

Von Stefan Toepfer
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Der geplante Bau einer Moschee im Frankfurter Stadtteil Hausen sorgt weiter für heftigen Protest. Jüngstes Beispiel ist die Sitzung des zuständigen Ortsbeirats am Dienstag gewesen, an der rund 200 Bürger teilnahmen. Dort meldeten sich aber auch Befürworter des Bauvorhabens einer Gemeinde aus türkischen und pakistanischen Schiiten zu Wort.

Protest dürfte auch am Sonntag wieder laut werden, wenn der Verein der Hazrat-Fatima-Moschee ein Gespräch über das Bauvorhaben veranstaltet. Die nächste Gelegenheit, um über das Für und Wider des Projekts zu reden, ist eine Sondersitzung des Ortsbeirats am 12. September, auf die sich die Stadtteilpolitiker am Dienstag geeinigt hatten.

Moschee im Gutleutviertel in Planung

Dem Frankfurter Amt für multikulturelle Angelegenheiten sind derzeit 36 muslimische Gemeinschaften bekannt. Sie konzentrieren sich in den innenstadtnahen Bezirken sowie in Griesheim und Höchst im Westen beziehungsweise Seckbach und Fechenheim im Osten (siehe Karte). Der letzte heftige Konflikt um einen Moscheebau, der dem im Hausen ähnelt, hat es Amtsleiterin Helga Nagel zufolge 2002/2003 um ein Projekt an der Breitlacher Straße in Rödelheim gegeben; damals war das muslimische Zentrum nicht gebaut worden.

Über andere Bauten wie eine recht neue Moschee eines pakistanischen Vereins in Sachsenhausen hingegen wurde in der Öffentlichkeit kaum debattiert – vielleicht auch, weil sie nicht als solche erkennbar ist. Das trifft für viele muslimische Gebetshäuser in der Stadt zu. In Hausen soll das anders werden: Der Moscheeverein, der nun von Griesheim in jenen Stadtteil umziehen und dort ein neues Gebetshaus errichten will, möchte gerne eine repräsentative Moschee bauen, die auch Minarette hat.

Ein weiteres größeres Bauprojekt könnte verwirklicht werden, wenn die Gemeinde der Taqwa-Moschee im Gutleutviertel das nötige Geld hätte. Sie plant an ihrem jetzigen Standort einen Neubau. Die Genehmigung dafür liegt nach Angaben der Gemeinde schon vor. Geplant sei ein „Kulturhaus mit Gebetsräumen“, aber ohne Minarette, so ein Sprecher.

Türken sind die größte muslimische Gruppe

Die meisten muslimischen Gemeinden in Frankfurt sind sunnitischer Prägung. Daneben gibt es vier schiitische Gruppen, eine alevitische Gemeinde und eine Ahmadiyya-Gemeinde. Sunniten und Schiiten unterscheiden sich in ihrer Interpretation der rechtmäßigen Nachfolge des Propheten Mohammed nach dessen Tod im Jahr 632 nach Christus. Die Richtung der Aleviten entstand in der Türkei, die Ahmadiyya-Bewegung hat ihre Wurzeln in Indien. Beide unterscheiden sich vom orthodoxen Islam sunnitischer Prägung,

Die älteste Moschee in Frankfurt ist die der Ahmadiyya-Gemeinde: Sie wurde 1959 an der Babenhäuser Landstraße in Sachsenhausen eröffnet. Zu den jüngsten gehört die 2006 eröffnete Omar-Moschee in Preungesheim, genutzt wird sie vor allem von Muslimen aus Marokko und anderen nordafrikanischen Ländern. Ein größeres Zentrum für Marokkaner ist auch die Taqwa-Moschee.

Die größte Gruppe der Muslime in Frankfurt bilden aber die Türken beziehungsweise die türkischstämmigen Deutschen. Als den wichtigsten Vertreter jener Gruppe sieht sich die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion; nach deren türkischem Namen wird sie „Ditib“ abgekürzt. Sie hat einen Gebetsraum (und weitere Räume) an der Münchner Straße im Bahnhofsviertel, aber auch eine Niederlassung in Höchst. Zu Ditib, die der Religionsbehörde in Ankara verbunden ist, gehört nach Angaben des Amts für multikulturelle Angelegenheiten auch der „Gebets- und Kulturverein türkischer Arbeitnehmer in Frankfurt und Umgebung“ in Bonames. Ditib hat unter den muslimischen Vereinigungen insofern eine vergleichsweise starke Stellung, weil die türkische Religionsbehörde an der Universität einen Stiftungslehrstuhl unterhält und somit ein Kooperationspartner des Landes Hessen ist.

Hassprediger in Riederwald

Eine Sorge von Bürgern in Hausen ist offenbar, dass die dritte Moschee in ihrem Stadtteil die Bildung einer „Parallelgesellschaft“ fördern könnte. Das sieht Integrationsdezernent Jean Claude Diallo (Die Grünen) anders: Gerade wenn sich Gemeinden zeigten und „Hinterhöfe“ verließen, könnte die Bildung von „Parallelgesellschaften“ vermieden werden. Von der Gefahr der Abschottung Jugendlicher von der sie umgebenden Gesellschaft hatte Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) im April 2005 gewarnt, als ihr Ministerium ein zu der Niederlassung des Vereins für Islamische Kulturzentren gehörendes, nicht genehmigtes Schülerwohnheim im Gallusviertel schloss. Vorfälle wie dieser waren in den vergangenen Jahren aber selten.

Für Aufsehen sorgte im Sommer 2005 der Fall eines vermeintlichen Hasspredigers in einer Moschee im Stadtteil Riederwald. Das hessische Innenministerium hat seine Abschiebung betrieben, noch immer aber ist der Aufenthalt des aus Afghanistan stammenden Mannes geduldet. Am 17.Oktober gibt es einen nächsten Gerichtstermin. Die Vorwürfe hatte er stets bestritten. Und im Juli 2004 war die Taqwa-Moschee durchsucht worden, weil dort angeblich Material vermutet wurde, in dem zum „Heiligen Krieg“ aufgerufen werde. Der Verdacht erhärtete sich aber nicht, im Januar 2005 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Der damalige Integrationsdezernent Albrecht Magen zeigte sich „erleichtert“ darüber, zumal die Gefahr zunehme, den Islam unter einen Generalverdacht zu stellen.

Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten kennt die Taqwa-Moschee und andere Gemeinschaften gut, auch zu Kaymakci hält es Kontakt. Gleichwohl dürfte es außer den 36 bekannten Gemeinden kleinere Vereinigungen geben, die das Amt nicht kennt. Wie viele das sind, möchte das Amt nicht schätzen.

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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