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Montag, 13. Februar 2012
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Region Umland will nicht für den Zoo zahlen

11.09.2003 ·  Hans-Bernhard Nordhoff verliert nicht den ihm eigenen Humor. "Der Plan ist wohl erwogen, der Plan ist gut, der Plan ist unbezahlbar", zitiert der Frankfurter Kultur- und Zoodezernent munter Bertolt Brecht.

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Hans-Bernhard Nordhoff verliert nicht den ihm eigenen Humor. "Der Plan ist wohl erwogen, der Plan ist gut, der Plan ist unbezahlbar", zitiert der Frankfurter Kultur- und Zoodezernent munter Bertolt Brecht. Dabei weiß der SPD-Mann wohl, daß der Rat der Region heute genau dies zu seinem Konzept sagen wird, den Frankfurter Zoo zu einem regionalen Tierpark weiterzuentwickeln. "Ein regionales Zooprojekt ist derzeit nicht finanzierbar", heißt es in der Vorlage zur heutigen Sitzung. Damit scheitert Frankfurt mit seiner Absicht, das Umland für die Finanzierung des Zoos, der die Stadt jährlich rund zehn Millionen Euro Zuschuß kostet, aber nur zu einem Drittel von Frankfurtern besucht wird, mit in die Pflicht zu nehmen. Es scheitert aber auch - wieder einmal - der Versuch, die Region ein finanziell nennenswertes Vorhaben gemeinsam schultern zu lassen.

Vor einem Jahr war die Arbeitsgruppe "Sport-, Freizeit- und Erholungsanlagen von überörtlicher Bedeutung" des Rates der Region gebildet worden, hatten sich rund ein Dutzend Kommunalpolitiker der Region mehrfach zusammengesetzt, um über die unterschiedlichsten Konzepte zu beraten. Das Frankfurter Anliegen ist dabei das eindeutigste: Die Stadt hat gerade in den vergangenen Tagen zum zweiten Mal vom hessischen Innenminister die Auflage bekommen, "die Zuschüsse für den Zoo in seiner gegenwärtigen Form deutlich weiter zu reduzieren" und "ernsthafte Initiativen zur Aufgabe der Trägerschaft" nachzuweisen. Ansonsten, so der Innenminister, "ist die Genehmigung des Haushalts 2004 ausgeschlossen".

Den Frankfurter Zoo, der zweitälteste Tierpark in Deutschland, der insbesondere durch den früheren Direktor Bernhard Grzimek überregional bekannt wurde, drücken aber noch andere Sorgen: Es gibt dringenden Sanierungsbedarf, insbesondere beim Menschenaffenhaus, das nicht mehr den europäischen Richtlinien für den Artenschutz entspricht und in der derzeitigen Form nur noch bis zum Frühjahr 2005 genehmigt ist.

Unter diesem Druck ist Frankfurt während der Beratungen in der Arbeitsgruppe in den vergangenen zwölf Monaten zu vielem bereit gewesen, bis hin zur Aufgabe des Zoos am Alfred-Brehm-Platz zugunsten eines über Autobahnen gut erreichbaren regionalen Tierparks außerhalb Frankfurts. Am liebsten wäre der Stadt natürlich der Verbleib des Zoos am derzeitigen Standort, bei gleichzeitiger Beteiligung des Umlands an den Kosten. Nach Worten von Kämmerer Horst Hemzal (CDU) würde schon ein Betrag von ein bis zwei Millionen Euro helfen. Als Gegenleistung wäre Frankfurt bereit, die Trägerschaft aufzugeben, um gemeinsam mit der Region etwa eine GmbH zu bilden. Diese Träume haben insbesondere der Offenbacher Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD) und der Landrat des Hochtaunuskreises Jürgen Banzer (CDU) schnell platzen lassen: Sie seien nicht bereit, eine für Frankfurt typische Einrichtung von der Region mitfinanzieren zu lassen, argumentierten sie und kamen zu dem Schluß: "Der Betrieb des gegenwärtigen Zoos ist eine typische Großstadtangelegenheit." Tatsächlich hat der Frankfurter Zoo den Malus, räumlich sehr begrenzt zu sein - er erstreckt sich auf elf Hektar - und kann deshalb nicht einmal große Tiere wie Elefanten präsentieren. Auch in Frankfurt war deshalb bereits vor mehr als zehn Jahren erwogen worden, als Ergänzung am Niederurseler Hang einen Außenzoo zu bauen. Die Finanznöte der Stadt Anfang der neunziger Jahre ließen die Pläne hinfällig werden. Auch die Oberbürgermeister und Landräte der Region wollen mehr als die vorhandenen Tiergehege im Frankfurter Ostend und forderten, ein sogenanntes Leuchtturmprojekt in der Region zu installieren, mit dem über die Grenzen des Rhein-Main-Gebiets hinaus ein Anziehungspunkt geschaffen werden könne. Vielleicht fände sich dazu sogar ein privater Betreiber, phantasierten sie.

Überlegungen, den Frankfurter Tierpark und den privat geführten Opel-Zoo in Kronberg in einen regionalen Projektverbund zusammenzuführen - schließlich haben beide Einrichtungen zusammen jährlich 1,3 Millionen Besucher -, möglicherweise noch ergänzt durch einen dritten, neuen Standort, eine "Perle", fanden ebenfalls nicht die Zustimmung der Politiker in der Region. Auch diese Variante wäre kein "Leuchtturm", hieß es.

So entstand im Sommer die Idee, zwischen Frankfurt und Oberursel, jenseits der Autobahn5 auf einer zirka 120 Hektar großen Fläche einen Regionalzoo entstehen zu lassen, mit guter Anbindung an die Autobahn sowie mit S- und U-Bahn-Anschluß. Dieser Zoo sollte entweder durch die Präsentation einer großen Wasserlandschaft oder durch die Gegenüberstellung von fossilen Vorfahren - etwa in Gestalt von Dinosaurier-Skulpturen - und heutigen Tierarten in einem "Zeitzoo" eine Attraktion werden. Das Konzept entsprach den Vorstellungen der Arbeitsgruppe, nur die geschätzten Kosten von 200 bis 350 Millionen Euro übertrafen offenbar alle Erwartungen. Mit dem Vermerk, daß es derzeit finanziell nicht machbar sei, soll dieses Projekt heute nach der Sitzung des Rats der Region in die Schubladen wandern.

Damit ist die Zukunft des Frankfurter Zoos weiter unklar. Stadtrat Nordhoff setzt auf die Landesregierung. "Das Land muß jetzt handeln", fordert er; es könne der Stadt Frankfurt nicht einfach Auflagen machen, die diese nicht erfüllen könne. Und etwas trotzig mit Blick auf die Nachbarkommunen ergänzt er: Frankfurt habe zu Zeiten des Umlandverbands auch die überörtlichen Freizeiteinrichtungen andernorts mitfinanziert und auf diese Weise allein vier Millionen Mark in den Ausbau des Langener Waldsees investiert: "Wir waren immer die Zahlmeister." Mechthild Harting

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