Home
http://www.faz.net/-gzh-10xx1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Raum für 1000 Mitarbeiter Stadt Frankfurt plant Behördenzentrum

12.11.2008 ·  Frankfurt plant ein neues, großes Zentrum für verschiedene Behörden in der Nähe der Innenstadt. Es soll voraussichtlich im Passivhausstil errichtet werden. 1000 Mitarbeiter sollen darin arbeiten.

Von Rainer Schulze
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Stadt sucht nach geeigneten Flächen für ein rund 45.000 Quadratmeter großes Behördenzentrum, in dem mehrere Ämter zusammengefasst werden sollen. Von dem Umzug sollen mehr als 1000 Mitarbeiter betroffen sein, darunter das Personal von Hochbauamt, Schulamt, Umweltamt und Straßenbauamt. Außerdem wird überlegt, auch das Grünflächenamt in dem Neubau anzusiedeln. Wie der Leiter des Liegenschaftsamts, Alfred Gangel, auf Anfrage bestätigte, ist er derzeit auf der Suche nach geeigneten Arealen für einen Neubau: „Ich lasse am Markt erkunden, welche Flächen zur Verfügung stehen.“

Das Behördenzentrum soll 2011 oder 2012 verfügbar sein, da dann die Mietverträge der betroffenen Ämter auslaufen. Gangel erwartet, dass ein dreistelliger Millionenbetrag für einen Neubau im Passivhausstandard investiert werden müsse. Die Pläne seien bisher nicht mit den Koalitionsfraktionen abgesprochen.

Degussa-Areal als „Wunschlösung“

Die Suche konzentriert sich auf Flächen, die innerhalb weniger Minuten vom Römer zu erreichen sind. Die Fahrtzeit zu Besprechungen dürfe „keine Tagesreise“ beanspruchen, sagte Gangel. In Frage kommen demnach der Campus Bockenheim, den die Universität bis 2014 geräumt haben wird, das ehemalige Polizeipräsidium zwischen Hauptbahnhof und Messe, das Degussa-Areal am nördlichen Mainufer zwischen den Städtischen Bühnen und dem Karmeliterkloster, zwei Grundstücke am Ostbahnhof sowie der Parkplatz südlich des Hauptbahnhofs, der vom Hochhausprojekt „Campanile“ her bekannt ist. Eine Aufteilung auf zwei Standorte ist laut Gangel möglich. In diesem Fall käme auch das Quartier rund um das Kino Turmpalast am Eschenheimer Turm in Frage. Diese Lösung werde allerdings nicht favorisiert.

Von den genannten Flächen befindet sich keine im städtischen Eigentum. Gangel sagte, die Stadt könne sich auch ein Leasingmodell vorstellen, also eine Anmietung des Behördenzentrums mit der Option, die Immobilie später zu erwerben. Auf den Campus Bockenheim, der über die U-Bahnlinie 4 direkt mit dem Römer verbunden ist, hätte die Stadt zumindest mittelbar Zugriff: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG will gemeinsam mit der OFB Projektentwicklungsgesellschaft das Areal vom Land erwerben und dort ein Wohn- und Gewerbeviertel erschließen, wenn die Uni das Gelände geräumt hat. Allerdings käme das für Gangels Zeitplan zu spät. Das Geschäft verzögert sich schon seit Jahren. Es ist nicht damit zu rechnen, dass es vor der Landtagswahl zu einer Entscheidung kommt.

Das Degussa-Areal bezeichnete Gangel als „Wunschlösung“, da es in wenigen Gehminuten vom Rathaus zu erreichen ist. Der Eigentümer, die Deutsche Immobilien Chancen, will das Gelände bis 2014 in ein Wohn- und Büroquartier umgestalten. Ein Mieter ist noch nicht gefunden. Allerdings ist zu erwarten, dass die Miete, die der Eigentümer in der attraktiven Lage erzielen will, die finanziellen Möglichkeiten der Stadt übersteigt. Ebenso erscheint es aufgrund der hohen Baukosten unwahrscheinlich, dass die Stadt auf dem „Campanile“-Areal ein Hochhaus für ihre Behörden bauen lassen könnte. An diesem Standort hatte zuletzt vor zwei Monaten die Bahn Interesse bekundet.

Die Zeit drängt

Für das verkehrsgünstig gelegene ehemalige Polizeipräsidium am Platz der Republik sucht das Land seit langem nach einem Investor, der Standort ist im Hochhausrahmenplan eingetragen. Wohl an den hohen Preisvorstellungen des Landes ist bisher eine Entwicklung gescheitert.

Rund um den Ostbahnhof kommen zwei Grundstücke in Frage, die vermutlich recht günstig zu haben wären: Das Schwedler-Carrée an der Ferdinand- Happ-Straße, das vom Immobilienunternehmen Max Baum entwickelt wird, war schon einmal als Standort für das Technische Rathaus im Gespräch. Bei der zweiten Fläche handelt es sich um ein Grundstück am Danziger Platz, das der Projektentwickler Groß & Partner besitzt.

Die Zeit drängt: Die Mietverträge für das Stadtschulamt an der Seehofstraße und für das Hochbauamt in der Gerbermühlstraße enden am 30. September 2012. Der Mietvertrag für das an der Galvanistraße untergebrachte Umweltamt läuft nur bis zum 31. Juli 2010. Der Vertrag für das Grünflächenamt an der Mörfelder Landstraße wurde bis zum 31. Dezember 2012 verlängert. Gangel strebt daher eine Entscheidung im Laufe des nächsten Jahres an. Mit dem Neubauprojekt könnte die Stadt zudem in Krisenzeiten ein Signal setzen: „Wenn wir antizyklisch auf den Markt kommen, wäre mir das lieb. Wer, wenn nicht wir, muss jetzt bauen?“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr