20.08.2008 · Die Pläne für einen „Rat der Religionen“ gab es schon seit einigen Jahren. Doch wie notwendig ein solches Gremium ist, wurde vielen erst durch die Proteste gegen den Moscheebau in Hausen deutlich.
Von Thomas JansenWenn die Pläne, die am Dienstag von Vertretern der in Frankfurt ansässigen Religionsgemeinschaften vorgestellt wurden, Wirklichkeit werden, dann bekommt die Stadt Ende des Jahres einen der ersten „Räte der Religionen“ in Deutschland. In Köln, Stuttgart und Dormagen bestehen solche Gremien schon seit einiger Zeit, in Großbritannien, das für die Idee Pate stand, kennt man solche Räte bereits seit Jahrzehnten.
Die Planungen für einen „Rat der Religionen“ sind das Ergebnis eines längeren Beratungsprozesses. Ilona Klemens, Pfarrerin für interreligiösen Dialog in Frankfurt, rief im Jahr 2004 einen Initiativkreis ins Leben. Ihm gehörten Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche sowie des Judentums, der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen und der Bahá`i an. Sie beschäftigten sich mit Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Religionsgemeinschaften. Für die katholische Seite haben schließlich die Proteste gegen den Moscheebau in Hausen die Unterstützung für die Idee erheblich befördert. „Als Gegner des Moscheebaus Flugblätter verteilten, die das Recht auf öffentliche Gottesdienste infrage stellten, haben wir gemerkt, dass das ein Problem ist, das nicht nur die Muslime betrifft“, sagt Stadtdekan und Dompfarrer Raban Tilmann. Es sei unübersehbar geworden, dass bisherige Formen der Zusammenarbeit zwischen den Religionsgemeinschaften nicht ausreichten, um auf derartige Situationen angemessen zu reagieren.
Wie feiern katholische Kindergärten den Ramadan?
Um den interreligiösen Dialog zu fördern, habe die Stadt zunächst ein Integrationsabkommen nach dem Vorbild Wiesbadens favorisiert. Dies hätte der Initiativkreis aber als ungenügend abgelehnt, so Tilmann. Und auch mit dem Vorschlag eines runden Tisches der Religionsgemeinschaften unter Vorsitz von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) habe man sich nicht anfreunden können. Auch nach Ansicht von Pfarrerin Klemens haben die Proteste gegen den Moscheebau dem Beratungsprozess „sehr geholfen“. Sie hätten deutlich gemacht, wie sinnvoll ein „Rat der Religionen“ wäre.
Der Initiativkreis hat sich eingehend mit den Vorbildern in Deutschland und Großbritannien beschäftigt. Doch in Frankfurt will man nach den Worten Tilmanns nicht einfach eine Kopie der schon bestehenden Räte schaffen, sondern selbst „kreativ“ werden. Vor allem Fragen des täglichen Zusammenlebens sollen nach Tilmanns Vorstellungen auf der Tagesordnung stehen. Etwa Fragen wie: Wie feiern katholische Kindergärten in Frankfurt den Ramadan? Wie ist in gemischtreligiösen Ehen zu verfahren, wenn die Religion der Kinder bestimmt wird? Wie steht es um den Schwimmunterricht für muslimische Mädchen? Dabei wolle man sich „auf die lokale Ebene“ beschränken, sagt der Stadtdekan. Die Themen seien aber oftmals auch von deutschlandweiter Bedeutung. Klemens hebt hingegen hervor, dass man sich noch „Mitten im Prozess“ befinde und deshalb noch nicht genau absehbar sei, welchen konkreten Aufgaben sich der Rat zuwenden werde. Sie sieht den Rat nicht nur als Forum für den interreligiösen Dialog, sondern auch als Beitrag für die Stadtgesellschaft.
Keine Mehrheitsentscheidungen, sondern einvernehmliche Kompromisse
Die Meinungsbildung in dem Gremium dürfte auf jeden Fall schwierig werden. Mehrentscheidungen soll es allerdings nicht geben, nur einvernehmliche Kompromisse sind vorgesehen. Hierbei sollen auch die unterschiedlichen Standpunkte der Religionsgemeinschaften in vielen Fragen keineswegs verschwiegen werden. „Wir werden lernen müssen, wie wir das aushalten“, sagt Tilmann.
Dass die Stadt durch die Dezernentin für Integration, Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen), und nicht durch Kirchendezernent und Kämmerer Uwe Becker (CDU) vertreten sein wird, erklärt sich nach Angaben der Dezernentin aus der großen integrationspolitischen Bedeutung des Rates. „Man kann keine Integration betreiben, ohne dass die Religionen sich in organisierter Form näher kommen.“ Die Rolle der Stadt bestehe allerdings lediglich in einer Unterstützung der Initiative. Aus Sicht von Eskandari-Grünberg liegt ein großer Vorteil des „Rates der Religionen“ auch darin, dass die Stadt durch ihn einen kompetenten Ansprechpartner in religiösen Fragen bekommen.
Dieser alberne Laberverein
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 21.08.2008, 04:05 Uhr
Wie feiern katholische Kindergärten den Ramadan?
egon sunsamu (sunsamu)
- 22.08.2008, 12:33 Uhr
Rat der Religionen - zu was rät er uns wohl??
REINHOLD MÜLLER (Reinholdwerner)
- 22.08.2008, 13:40 Uhr