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Radfahrer in Frankfurt „Wenn es an den Geldbeutel geht, werden viele aggressiv“

29.04.2009 ·  Der Mann mit der Ledertasche auf dem Gepäckträger hat es eilig an diesem Morgen. Obwohl die Ampel Rot zeigt, fährt er los - direkt in die Kontrolle der Frankfurter Polizei hinein. Die Polizei verschärft die Fahrradkontrollen an Ampeln - doch viele Verkehrssünder wollen ihren Fehler nicht einsehen.

Von Katharina Iskandar
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Der Mann mit der Ledertasche auf dem Gepäckträger hat es eilig an diesem Morgen. Sichtlich genervt steht er an der Ampel Ecke Eschersheimer Landstraße / Miquelallee. Obwohl die Ampel Rot zeigt, fährt er los - direkt in die Polizeikontrolle hinein. Die Ampel sei grün gewesen, behauptet er. Vier Beamte, die dort postiert waren, haben das Gegenteil beobachtet. Der Mann bekommt einen Bußgeldbescheid. 100 Euro muss er zahlen, zudem wird ein Punkt in Flensburg registriert. „Das ist schon ärgerlich“, sagt er. Aber auf dem Fahrrad nehme man rote Ampeln „wohl nicht so genau“.

Der Geschäftsmann ist nicht der einzige Radler, der an diesem Montagmorgen zahlen muss. Um 7.30 Uhr sind schon einige unterwegs. Banker sind auf dem Weg zur Arbeit, Hausfrauen fahren zum Einkaufen, Jugendliche hetzen in die Schule. Dass die Polizei gemeinsam mit dem Ordnungsamt in einer großangelegten Aktion gezielt Radfahrer kontrolliert, ist neu. „Aber es muss sein“, sagt Polizeisprecher André Sturmeit. Denn immer wieder fielen Radler durch Verstöße auf und zeigten sich dann auch noch uneinsichtig.

„Wegen so einer Lappalie stellen Sie sich so an“

Das gilt auch für einen Mann, der zwar bei Grün die Straße überquert, aber verbotenerweise auf dem Fußgängerweg - während die Ampel für Autofahrer, die auch für Radler gilt, noch Rot gezeigt hat. Er will partout nicht verstehen, warum er deswegen angehalten wird. Wieso man als Radfahrer nicht die Fußgängerampel benutzen dürfe, sei ihm schleierhaft, schimpft er. Er wolle jetzt endlich weiterfahren, er habe einen dringenden Termin. Doch so schnell lassen ihn die Beamten nicht ziehen, denn wie sich herausstellt, hat der Mann auch keinen Personalausweis dabei. Bevor der Bußgeldbescheid ausgestellt werden kann, müssen erst die Personalien ermittelt werden - und das dauert. Als der Mann dann erfährt, dass er 100 Euro zahlen muss, empört er sich, das sei eine Frechheit. „Wegen so einer Lappalie stellen Sie sich so an.“

Ein Lappalie sind die Verstöße aus Sicht der Polizei aber nicht. Denn die Statistik zeigt, dass es oft die Radler sind, die Unfälle verursachen. Entweder fahren sie bei Rot, nutzen den Radweg falsch oder beachten die Vorfahrt nicht. 967 Unfälle mit Radfahrern hat die Polizei im vergangenen Jahr registriert - an jedem zweiten war der Zweiradfahrer schuld. „Diese Entwicklung müssen wir ernst nehmen“, sagt Polizeikommissarin Anke Wielpütz. Es gehe darum, den Radlern deutlich zu machen, dass sie sich ebenso wie die Autofahrer an Regeln halten müssten - auch zu ihrem eigenen Schutz.

Nach gut zwei Stunden 13 Radfahrer verwarnt

Dass viele Radfahrer an diesem Morgen verärgert auf die Kontrollen reagieren, überrascht Wielpütz nicht. „Vergangene Woche haben wir die Radler lediglich über Verstöße und damit verbundene Gefahren für den Straßenverkehr informiert. Das fanden noch alle gut. Aber sobald es ihnen an den Geldbeutel geht, sehen viele ihre Fehler nicht mehr ein und versuchen sich herauszureden oder werden aggressiv. Damit muss man dann umgehen.“ So bleiben die Beamten ruhig, als ein Mann kurz nach acht angehalten wird und einen Polizisten anraunzt, er solle doch lieber Verbrecher jagen, statt harmlose Radfahrer anzuhalten. „Da machen Sie nichts, und hier stehen Sie rum.“ Dass auch er auf der vielbefahrenen Kreuzung das Rotlicht missachtet hat und dabei leicht einen Unfall hätte verursachen können, ist ihm offenbar nicht bewusst.

Ebenso wenig wie einem anderen Radfahrer, der gegen neun Uhr mit seinem Mountainbike auf dem Weg zur Arbeit ist. Er gibt noch nicht einmal zu, bei Rot gefahren zu sein, und behauptet, die Polizei lüge, obwohl auch dieser Verstoß von mehreren Zeugen beobachtet worden ist. Am Ende nimmt er den Bußgeldbescheid grimmig entgegen und kündigt an, Einspruch einzulegen, mit den Worten: „Das lasse ich mir nicht bieten. Ich fahre diese Strecke schließlich jeden Tag.“

Nach gut zwei Stunden haben die Beamten 13 Radfahrer verwarnt - fast alle zehn Minuten einen. Wielpütz meint, diese Kontrollen würden sich bald ebenso etablieren wie im Autoverkehr. Und dann seien die Radler hoffentlich einsichtiger.

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