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Prozess nach Messerattacke Gericht: Angriff auf Rabbi möglicherweise Mordversuch

11.04.2008 ·  Die Messerattacke gegen einen Rabbiner in Frankfurt könnte als Mordversuch bewertet werden. Einen entsprechenden rechtlichen Hinweis hat das Landgericht Frankfurt den Prozessbeteiligten gegeben. Der Prozess beginnt nächsten Donnerstag.

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Die Messerattacke eines jungen Deutsch-Afghanen gegen einen Rabbiner in Frankfurt könnte nach Ansicht des verhandelnden Gerichts möglicherweise als Mordversuch bewertet werden. Einen entsprechenden rechtlichen Hinweis hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Frankfurt den Prozessbeteiligten gegeben, wie die Justiz auf Anfrage mitteilte. Bislang war der zur Tatzeit 22 Jahre alte Messerstecher nur wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung angeklagt. Bei einer Verurteilung wegen versuchten Mordes drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Der Prozess beginnt am Donnerstag.

Der wegen Gewalttaten vorbestrafte Mann hatte am 7. September 2007 auf offener Straße den Geistlichen angegriffen, der wegen seines Äußeren eindeutig als Jude zu identifizieren war. Der orthodoxe Rabbi Zalman Gurevich überlebte den Messerstich in seinen Unterleib mit einer Notoperation. Nach Angaben seines Anwalts musste der 42-Jährige sich einer zweiten Operation unterziehen und leidet nach wie vor an den traumatischen Folgen des Angriffs. Er will an der Verhandlung teilnehmen.

„Ich stech dich ab, du Scheiß-Jude“

„Ich meine, dass es ein Mordversuch war“, sagte der Nebenklägeranwalt Rolf J. Döring am Freitag. Bei der Beweisführung werde es sehr auf die subjektive Seite der Tat ankommen. An Mordmerkmalen kämen Heimtücke und niedrige Beweggründe infrage: Der Messerstich sei verborgen und mit großer Wucht geführt worden. Außerdem habe der Täter mit den Worten „Ich stech dich ab, du Scheiß-Jude“ versucht, einen zweiten Stich zu setzen.

Der Vorsitzende Richter Klaus Drescher wies darauf hin, dass es sich um einen vorsorglichen rechtlichen Hinweis handele. Er sei gegeben worden, um eine Aussetzung der Hauptverhandlung zu verhindern. Diese hätte nach der Strafprozessordnung im Raume gestanden, wenn das Gericht den Hinweis erst später gegeben hätte.

Rabbiner geht seit Dezember wieder Arbeit nach

Der Vorfall hatte eine Debatte um die Sicherheit von Juden in Deutschland ausgelöst. Der aus dem Frankfurter Vorort Hattersheim stammende Beschuldigte hat einen antisemitischen Hintergrund seiner Attacke wie auch jede Tötungsabsicht abgestritten. Auf die Spur des deutschen Staatsbürgers afghanischer Abstammung waren die Ermittler nach Hinweisen in einem Internet-Forum für Fußballfans gekommen.

Die Tat hat Zalman Gurevitch in dessen fröhlicher Gläubigkeit nicht erschüttern können. Der Rabbiner steht wieder jeden Morgen früh auf, eilt nach einer kleinen Tasse Kaffee zum Gebet in die Synagoge und beginnt dann sein Tagwerk. Dieses besteht zu einem nicht geringen Teil daraus, die von ihm gegründete Jeschiwa - eine Talmudschule - in der Westend-Synagoge zu verwalten und Geld für sie zu sammeln. Sein erster großer Auftritt nach der Attacke war im Dezember, als er an der Alten Oper Kerzen an einem Chanukka-Leuchter anzündete.

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