07.07.2010 · Eine ehemalige Sicherheitsbeauftragte der Helaba muss sich in Frankfurt vor Gericht verantworten. Der Frau, die sich zwischenzeitlich auch diskret um die persönlichen Belangen eines Bankvorstands gekümmert hatte, werden umfangreiche Drogendelikte vorgeworfen.
Von Thomas KirnGanz in schwarz wie die Blues Brothers in weiblicher Ausgabe sind am Mittwoch zwei sonnenbebrillte Langhaarperücken in den übergroßen Gerichtssaal 165 C gestöckelt. Die angeklagten Damen hatten sich verkleidet, weil sie fürchteten, womit eine von ihnen früher schon selbst gedroht haben soll: Veröffentlichung. Aber der Reihe nach.
Nadja A., heute 35 Jahre alt, war bei einem privaten Sicherheitsunternehmen angestellt und in der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in Frankfurt zuletzt für die Vorstandsetage zuständig. Neben ihrer zur allgemeinen Zufriedenheit ausgeübten Tätigkeit der diskreten Kontrolle widmete sie sich noch diskreter persönlichen Belangen eines für den Finanzmarkt zuständigen Vorstandsmitgliedes der Landesbank. Und zunächst völlig unbeobachtet gelang es der Diskretionsspezialistin, auch noch einen Drogenhandel für Mitarbeiter ihrer Security-Firma aufzuziehen.
Topmanager im Fokus
Es kam, wie es kommen musste, nämlich alles raus. Donner entlud sich zuerst auf Vorstandsmitglied Stefan Bungarten. Die Bank entließ den Topmanager fristlos, eine Entscheidung, die das Landgericht, wie berichtet, letzte Woche aufgehoben hat. Die 4. Kammer für Handelssachen nörgelte zwar ein wenig herum, der Vorstand habe der Bank über ihm bekannte Probleme mit kriminellen Neigungen seiner Bekannten Mitteilung machen müssen, aber ein ausreichender Grund für den fristlosen Hinauswurf sei das Schweigen nicht.
Die Frau steht unter Anklage wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, aber auch wegen versuchter Nötigung oder gar Erpressung. Nach dem Ermittlungsergebnis hat sie damit gedroht, eine auf internen Kenntnissen beruhende Skandalgeschichte über den „gesamten Scheißvorstand der Helaba“ an das Boulevardblatt „Bild“ zu verkaufen. Grund für die Wut der Vorstands-Freundin: ihr Partner hatte das Verhältnis für beendet erklärt. Als dritten Punkt legt die Staatsanwaltschaft der Angeklagten Betrug zur Last. Sie habe bei ihrer Einstellung wahrheitswidrige Angaben über Vorstrafen gemacht.
Ein eher trockenes Justizbrötchen
Die andere Frau in Schwarz soll wie zwei vor einem Schöffengericht des Frankfurter Amtsgerichts mitangeklagte Männer Kokain und Haschisch an die Sicherheitsbeauftragte geliefert haben. In der Wohnung eines wegen Drogendelikten vorbestraften Mannes fand die Polizei im Februar 2009 mehr als neun Kilogramm Haschisch.
Sehr zum Leidwesen einer auf einen süffigen Vormittag voller Sex and Crime gespannten Publizistik entwickelte sich der Prozess nach Verlesung der Anklage rasch zu einem eher trockenen Justizbrötchen. Rund neunzig Minuten, die Dauer eines guten Krimis, verhandelten Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger nicht-öffentlich über Modalitäten, wie sich der ein wenig umständliche Stoff straffen und die Hauptverhandlung verkürzen lasse.
Eine Verständigung steht aus
Den Deal zum Dealerprozess teilte Richter Werner Gröschel öffentlich mit: im Gegenzug für umfassende Geständnisse peilt das Gericht beim Angeklagten mit dem Haschisch in der Wohnung nicht mehr als zwei Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe an, für den zweiten Mann zehn Monate, für die zweite Frau ein Jahr drei Monate mit Bewährung. Bei Frau A. sind die Verhandlungen zur Verständigung im Strafprozess noch zu keinem Ergebnis gekommen. Am Mittwoch geht es weiter.
"New Deal" der StPO
Martin Overath (Hau26Hau)
- 08.07.2010, 19:56 Uhr