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Projekt "Cave Waters" Wassermelonen für Namibia

05.12.2009 ·  Das Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung ist 20 Jahre alt geworden. Es untersucht Ökologie im Alltag und engagiert sich für eine bessere Wasserversorgung in Namibia.

Von Maximilian Weingartner, Frankfurt
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Emerita Lipinge hat in ihrem Leben schon viel mitgemacht. Sie ist die Tochter des Chefs des Dorfes Epyeshona im Norden Namibias, das regelmäßig von extremen Dürren und Überflutungen geplagt wird. „Die Heimat von Emerita ist besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen“, sagt Jenny Eisold, Mitarbeiterin des Projektes „Cave Waters“. Dessen Ziel ist es, regionale Lösungen zu entwickeln, um die Menschen nachhaltig mit Wasser zu versorgen. „Wir wollen unsere eigenen Wassermelonen und Kürbisse anpflanzen können. Unser Dorf wird dann in Namibia berühmt sein“, sagt Lipinge. Seit diesem Sommer bauen deutsche Ingenieure und die Dorfbewohner an Wasserauffangbecken und Entsalzungsanlagen.

Organisiert wird das Projekt vom Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung. Seit 20 Jahren gibt es die Einrichtung, die jetzt in einem Festakt für ihre Forschung im Dienste der Nachhaltigkeit geehrt wurde. „Sozial-ökologische Erforschung der Nachhaltigkeit muss fachübergreifend sein, die Wertehierarchie der Forschungslandschaft durchbrechen, praxis- und politiknah sein“, sagte der Naturwissenschaftler und SPD-Politiker Ernst-Ulrich von Weizsäcker in seiner Laudatio.

Ökologische Themen mit sozialen Aspekten verknüpfen

„Zwei Jahrzehnte haben wir dazu beigetragen, die Soziale Ökologie als Wissenschaft zu etablieren“, sagt der Direktor des Instituts, Thomas Jahn. Dabei geht es den Frankfurter Forschern vor allem um die Verknüpfung von ökologischen Themen wie der Auswirkung des Klimawandels mit sozialen Aspekten wie der Beratung von Sozialhilfe-Haushalten beim Energiesparen. „Die Idee zur Gründung des Instituts entstand in den achtziger Jahren im Zusammenhang mit der aufkommenden Klimaschutzbewegung“, sagt Jahn. Verstärkt wurde der Drang, sich selbständig zu machen, auch durch die Atom-Katastrophe von Tschernobyl im Jahre 1986.

Seit der Gründung 1989 hat das Institut mehrere Forschungsschwerpunkte entwickelt: Energie und Konsum, Mobilität und Lebensstilanalysen, Bevölkerungsentwicklung und Versorgung sowie Alltagsökologie. „Mehr als ein Viertel ihres Energiebedarfs verbrauchen die Deutschen für ihre Heizung und warmes Wasser“, sagt der Institutsleiter. Dabei könne der Energieverbrauch um bis zu 80 Prozent gesenkt werden, wenn die Gebäude energieeffizient modernisiert wären. Die Forscher wollten deshalb besser verstehen, warum manche Menschen in die Modernisierung ihrer Häuser investieren und andere nicht. Ein klassisches Beispiel für die Verbindung von Ökologie und Sozialem, sagt Jahn.

Institut gut in der Rhein-Main-Region verwurzelt

Diese transdisziplinäre Forschung ist die Grundlage aller Projekte des Instituts. Das gilt für den theoretischen Ansatz, für die praktische Umsetzung und auch für die 27 Mitarbeiter, die alle einen unterschiedlichen akademischen Hintergrund haben. Im Team von Thomas Jahn arbeiten Ökonomen, Soziologen, Naturwissenschaftler und Geologen. Seine Mitarbeiter hat das Institut anfangs vor allem von der hiesigen Universität bekommen. Auch die Gründer haben dort alle ihren Abschluss gemacht. „Die Universität hat das Thema Soziale Ökologie aber dann für einige Zeit vernachlässigt, so dass es weniger Bewerbungen aus Frankfurt gab“, berichtet Jahn.

Da das Institut jetzt selbst die Lehre der Universität unterstützt, hofft Jahn wieder auf mehr Bewerber aus Frankfurt. Das Modul „Soziale Ökologie“ des naturwissenschaftlichen Master-Studiengangs „Umweltwissenschaften“ wird von seinem Institut getragen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Senckenberg der Goethe-Universität zeige, dass das Institut gut in der Rhein-Main-Region verankert sei, sagt Jahn. Die beiden Institute haben kürzlich ein Zentrum für Biodiversität und Klimaforschung gegründet.

Je nach Sauberkeit sollte man das Wasser trinken oder die Toilette damit spülen

Als unabhängige und gemeinnützige Forschungseinrichtung finanziert sich das Institut hauptsächlich aus öffentlichen Projektmitteln, die im Wettbewerb vergeben werden. Darüber hinaus erhält es eine institutionelle Förderung durch das Land Hessen und wird von der Stadt Frankfurt unterstützt. „Dieses Geld versetzt uns überhaupt in die Lage, an Forschungswettbewerben teilzunehmen, da immer auch ein gewisser finanzieller Eigenbeitrag verlangt wird“, sagt Jahn.

Auch für das Projekt in Namibia waren Eigenmittel nötig, obwohl es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. „Cave Waters“ gehört zum Forschungsschwerpunkt „Wasser und nachhaltige Umweltplanung“. Im südlichen Afrika leben etwa 288 Millionen Menschen ohne sauberes Trinkwasser. Jenny Eisold und ihr Kollege Thomas Kluge möchten die geringen Wasservorkommen besser nutzbar machen. Das bedeutet, dass lokales Wasser in unterschiedlicher Qualität für verschiedene Zwecke verwendet wird. Zum Beispiel in hoher Qualität als Trinkwasser, in niedriger, um Gärten und Plantagen zu bewässern. „Dies wäre auch in Deutschland sinnvoll, wo sauberes, hochwertiges Wasser für die Toilettenspülung benutzt wird“, sagt Eisold. Und denkt dabei vielleicht an ein neues Projekt, das nicht mehr so weit entfernt ist von Frankfurt.

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