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Professorenbesoldung Das W-Prinzip: Geld gegen Leistung

Sie untersucht, wie sich Erdwärme in nutzbare Energie verwandeln lässt. In der Industrie könnte sie gut verdienen, deutlich besser als an der Hochschule, wo sie jetzt arbeitet: Geizig oder gerecht? Die neue Professorenbesoldung bleibt umstritten.

© dpa Vergrößern Frankfurts Uni-Präsident Steinberg (r.): „Es ist absolut falsch, zu sagen, dass die W-Besoldung abschreckend wirkt”

Sie ist Expertin für Geothermie und untersucht, wie sich Erdwärme in nutzbare Energie verwandeln lässt. Noch sind in Deutschland nicht viele Wissenschaftler auf diesem Gebiet tätig. In der Industrie könnte sie gut verdienen, deutlich besser als dort, wo sie jetzt arbeitet. Die 37 Jahre alte Geologin ist Juniorprofessorin an der Universität Mainz. Sie bekommt das Grundgehalt der Besoldungsstufe W1: 3405,34 Euro brutto im Monat.

Er ist Geisteswissenschaftler, forscht und lehrt in einem Fach, das selten in die Schlagzeilen kommt und kaum finanzstarke Förderer anlockt. Aber er ist eine Kapazität, eine Universität im Rhein-Main-Gebiet wollte ihn haben und war bereit, dafür ordentlich zu zahlen. Der W3-Professor, 44 Jahre alt, unverheiratet und kinderlos, erhält zusätzlich zur Basisvergütung sogenannte Leistungsbezüge. Im Monat kommt er auf 5953,44 Euro brutto. Und damit zählt er an seiner Hochschule noch nicht einmal zu den Spitzenverdienern.

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Ein „Prof.“ vor dem Namen kann auf ein hohes Einkommen hindeuten, muss aber nicht - das gilt umso mehr seit der Einführung der W-Besoldung im Jahr 2005. Noch sind die Professoren, die nach diesem System entlohnt werden, in der Minderheit: An der Universität Mainz zum Beispiel gelten für 326 von 445 Hochschullehrern weiterhin die Regeln der alten C-Besoldung, und niemand ist gezwungen, ins neue System zu wechseln, solange er sich nicht auf eine andere Stelle bewirbt. Die Lust, dies zu tun, wird nach Ansicht von Kritikern jedoch durch die niedrigen W-Grundgehälter stark gedämpft. Wissenschaftler mit jahrzehntelanger Ausbildung bekämen mitunter weniger Geld als ein Realschullehrer, heißt es. „Absolut idiotisch“ sei das W-Modell, schimpft der emeritierte Frankfurter Historiker Lothar Gall. Die Umstellung erscheint ihm als „glatte, begründungslose Gehaltsabsenkung“. Sie trage dazu bei, dass das Ansehen des Professorenberufs weiter schwinde und begabter Nachwuchs von der akademischen Laufbahn abgehalten werde.

In den Hochschulpräsidien sieht man das nicht so düster. „Es ist absolut falsch, zu sagen, dass die W-Besoldung abschreckend wirkt“, meint der Frankfurter Uni-Präsident Rudolf Steinberg. „Die Leute, die das behaupten, schauen immer nur auf die Grundgehälter. Wir haben bisher nahezu allen mehr als das Grundgehalt gezahlt.“ Auch Steinbergs Mainzer Amtskollege Georg Krausch weist den Vorwurf der pauschalen Schlechterstellung zurück: „Die Universität versucht immer, angemessene Gehälter zu zahlen. Ich kann schließlich keinen Hochschullehrer für das Gehalt eines Hauptschullehrers einstellen.“ Der Spielraum, den er bei Verhandlungen hat, reicht Krausch offenbar aus. „In den letzten Monaten ist nur selten eine Berufung am Geld gescheitert.“

Zuschlag von 400 Euro im Monat

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