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Polizeihelfer Hinschauen, ermahnen, wegräumen

05.03.2007 ·  Sie melden illegale Müllkippen, notieren Falschparker und ermahnen Jugendliche: Die freiwilligen Polizeihelfer haben viel zu tun. Und noch weiß längst nicht jeder, wer die Frauen und Männer in den blauen Jacken sind.

Von Katharina Iskandar
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Die Jacke fällt auf. Königsblau heißt diese Farbe wohl. Jene, die sie sehen, rätseln, wer der Mann mit dieser ungewöhnlich blauen Jacke wohl ist. Er steht an der Eschersheimer Landstraße, in der Nähe der Haltestelle Dornbusch. Dort, wo an diesem Samstagvormittag die Passanten vorbeieilen, mit Schirmen in der Hand. Es regnet, seit dem frühen Morgen schon. Doch das stört den Mann nicht; zur Jacke trägt er eine Baseballkappe in der gleichen Farbe.

Drei Stunden lang wird er durch das Viertel laufen. Er wird in die Läden gehen, sich mit den Menschen unterhalten und sein kleines Notizbuch zücken, in das er seine Beobachtungen schreibt. Vor allem aber wird er sich vorstellen. Er wird sagen: „Guten Tag, mein Name ist Daniel Schmidt. Ich bin hier seit kurzem als freiwilliger Polizeihelfer unterwegs.“ Denn die meisten Menschen, die hier wohnen, kennen den Mann und seine Kollegen mit den auffälligen blauen Jacken noch nicht.

Sperrmüllhaufen - „der Klassiker“

Wo immer der Vierundzwanzigjährige auch hinkommt – die Menschen schauen ihn an. Plötzlich werden Hunde angeleint, der Müll wird aufgehoben. Einige Passanten lächeln, andere staunen. Schmidt ist eigentlich Bodensteward bei der Deutschen Lufthansa und das Gespräch mit fremden Menschen gewohnt. Acht Stunden ist er täglich am Flughafen im Einsatz, mal tagsüber, mal nachts. Es sei nicht einfach, nebenbei noch ein Ehrenamt zu haben, sagt er. Früher war er mal bei der Jugendfeuerwehr und der Johanniter-Unfallhilfe, später Stadionsprecher beim FFC Frankfurt. Dann habe er aus anderen Gemeinden vom Freiwilligen Polizeidienst gehört – „und gewartet, bis es dieses Ehrenamt endlich auch in Frankfurt gibt“.

Am Lindenbaum entdecken Schmidt und seine Kollegin Regina Harloff einen Sperrmüllhaufen. „Der Klassiker“, sagt Schmidt. Schäbige Regalbretter, eine durchnässte Hundedecke, mehrere Umzugskartons und Verpackungen stapeln sich auf fünf Quadratmeter Rasen. Schmidt zieht sich einen Handschuh über und inspiziert das Gerümpel in der Hoffnung, dass irgendwo ein Name steht – ohne Erfolg. Er benachrichtigt die FES, die haben für die Wochenenden eine Notrufnummer. „Der Sperrmüll muss weg“, sagt Schmidt. Am Montag soll er abgeholt werden.

Schmidt hat sich im vergangenen Herbst für das Ehrenamt beworben. Nach einem dreistufigen Bewerbungsverfahren teilte ihm das Polizeipräsidium mit, dass er „geeignet“ sei. Anschließend wurde er in einem Kursus mit Paragraphen vertraut gemacht – Straf-, Verfahrens- und Straßenverkehrsrecht, „was man eben so braucht“. Er wolle aber kein Hilfssheriff sein, wie viele Bürger den Freiwilligen immer unterstellten, sagt Schmidt. Lieber bezeichnet er sich als Ansprechpartner. „Jemand, der sich die Nöte der Menschen anhört und versucht, zu helfen.“ Wenn er etwas beobachte, das „heikler“ sei als eine normale Ordnungswidrigkeit, rufe er die Polizei an. „Das“, sagt der Freiwillige, „ist dann deren Job.“

„Das Viertel im Auge behalten“

Den nächsten Fund machen sie am Marbachweg. Dort steht ein grüner BMW. Das Nummernschild ist aus dem Rahmen gesprungen und könnte abfallen. Schmidt macht den Halter ausfindig. Er wohnt im Haus gegenüber, ist aber nicht da. Die Polizeihelfer hinterlassen einen Zettel. Fünf Minuten später fällt ihnen ein anderes Auto auf. Ein Mercedes diesmal, dessen Plakette im Dezember 2006 abgelaufen ist. Wieder schreiben sie einen Zettel, diesmal jedoch ist es ein offizielles Formular mit der Aufforderung, innerhalb von fünf Werktagen das Auto überprüfen zu lassen – ansonsten drohen bis zu 75 Euro Bußgeld.

Eschersheim gehört nicht zu den sogenannten sozialen Brennpunkten der Stadt. Dort, etwa im Bahnhofsviertel, werden keine freiwilligen Polizeihelfer eingesetzt. Lange hat es gedauert, bis Regina Harloff ihre Familie überzeugt hatte, dass der Freiwillige Polizeidienst „nichts Gefährliches“ ist und dass es nur darum geht, „das Viertel im Auge zu behalten“, wie die Einundvierzigjährige sagt. Bis vor kurzem habe sie selbst in Eschersheim gewohnt, zwölf Jahre lang. Damals habe sie sich immer gewünscht, es würde eine solche Fußstreife gegeben. „Jetzt will ich es sein, die den Anwohnern beiseite steht.“

Außer mit Müllsündern und Falschparkern gibt es den meisten Ärger mit Jugendlichen, die die Schule schwänzen, ältere Menschen belästigen, randalieren. Wenn Schmidt und Harloff Streife gehen, machen sie immer auch einen Abstecher in den Sinai-Park. Einmal hat die Helferin vier Jungen erwischt, die mitten am Tag dort saßen und Bier tranken. Drei seien weggelaufen, den vierten habe sie dazu gebracht, wenigstens den Müll aufzusammeln. „Die loten dann ihre Grenzen aus“, sagt Harloff, „wahrscheinlich, weil sie mit uns noch nichts anfangen können.“

Beschwerden über Jugendliche

Klagen über Jugendliche hören die Polizeihelfer auch an diesem Vormittag oft. Der Filialleiter eines Supermarkts berichtet, dass eine Gruppe Halbwüchsiger regelmäßig den Markt verwüste und Senioren ausraube, die dort einkaufen gingen. Er und seine Mitarbeiter könnten nur wenig gegen diese Jungkriminellen tun. Nur kurze Zeit später beschwert sich eine ältere Frau über eine Gruppe junger Männer, die sich regelmäßig am alten Wasserturm treffe, Drogen nehme und randaliere. Vor kurzem sei dort ein Spielplatz errichtet worden, sagt die Frau. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der zerstört sein wird.“

Nach drei Stunden ist das Notizbuch von Daniel Schmidt fast voll. Außer um abgelaufene TÜV-Plaketten und illegale Sperrmüllhaufen haben sich die Polizeihelfer um einen leinenlosen Hund und herumliegende Glasscherben gekümmert. Die Berichte über die Jugendlichen werden sie an die Beamten vom zuständigen Polizeirevier weitergeben. Noch immer wird Schmidt von den Menschen angestarrt. Einige fragen auch, was er denn sei: ein privater Wachmann, ein Polizist oder ein Mitarbeiter des Ordnungsamts? Wenn sie dann die Worte „Freiwilliger Polizeidienst“ hören, wollen sie mehr wissen. Eine Weile brauche es wohl noch, bis die Helfer bekannt seien, meint Schmidt.

Manchmal, sagt er, fragten die Menschen auch einfach nach dem Weg oder der Uhrzeit oder nach irgendetwas, was ihnen gerade einfalle – als wüssten Uniformierte immer alles. „Wahrscheinlich würden sie uns auch als Telefonjoker nehmen“, meint Schmidt und lacht. Aber wenigstens sprächen die Bürger überhaupt mit ihnen. Das sei das Ziel. „Und wenn das so bleibt, ist es gut.“

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