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Podiumsdiskussion : „Die Frankfurter Altstadt ist ein Trump-Projekt“

Im Gespräch: Planungsdezernent Mike Josef, Architektin Claudia Meixner, Matthias Alexander (F.A.Z.), Daniel Libeskind und Unternehmer Bernd Lechner (von links). Bild: Helmut Fricke

Bei einer Podiumsdiskussion auf dem Campus Riedberg sprach der Architekt Daniel Libeskind über seine Haltung zur Architektur. Vom Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt hält er nicht viel.

          Jemanden wie ihn nennt man wohl ein Multitalent. Daniel Libeskind hat nicht nur als „Stararchitekt“ reüssiert, er ist auch ein begabter Pianist und hat schon als Kind Konzerte gegeben. Als praktizierender Architekt war der Amerikaner ein Spätberufener: Erst im Alter von 53 Jahren hat Libeskind sein erstes Projekt verwirklicht. Es war das Jüdische Museum in Berlin, das mit seiner gezackten Formensprache 1999 für Furore sorgte. Dann ging es Schlag auf Schlag. Einige Stationen seines Schaffens hat Libeskind am Dienstagabend auf dem Uni-Campus Riedberg Revue passieren lassen. Der Hörsaal im Otto-Stern-Zentrum ist mit etwa 400 Zuhörern voll besetzt, als Libeskind auf Einladung dieser Zeitung und der Lechner-Gruppe ans Mikrofon tritt. Der Ort ist nicht zufällig gewählt, denn nach Entwürfen von Libeskind werden auf dem Riedberg acht Stadtvillen entstehen, die Lechner unter dem Namen „The Verve“ errichten will. Libeskind beschreibt die Häuser als „joyful to live in“, als freudenreiche Wohnstätte.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Architekt zeigt unter anderem seine Pläne für die Neugestaltung des „Ground Zero“ in New York nach dem Terrorangriff auf das World Trade Centre. Libeskind beschreibt seine Intention, an dieser sensiblen Stelle „das Leben im Angesicht des Todes zu bejahen“. Dabei habe er großes Gewicht auf die Gestaltung des öffentlichen Raums gelegt. „Ich wollte die Erinnerung bewahren, ohne New York zu einer traurigen Stadt zu machen“, sagt er. Um den öffentlichen Raum geht es auch in der Podiumsdiskussion, an der außer dem berühmten Gast unter der Moderation von F.A.Z.-Ressortleiter Matthias Alexander auch die Frankfurter Architektin Claudia Meixner, Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und Bernd Lechner, Geschäftsführer der Lechner Gruppe, teilnehmen. Meixner schildert, dass sie sich beim Entwerfen zunächst am städtebaulichen Kontext orientiert, um ihn dann mit der eigenen Entwurfshaltung und der Bauaufgabe in Einklang zu bringen. „Wir denken immer vom Stadtraum aus.“ Libeskind nimmt trotz seiner expressiven Bauten für sich in Anspruch, „Gemeinschaften zu schaffen“.

          „Architektur und gute Raumqualität müssen nicht mehr kosten“

          Immer wieder kommt die Runde auf die Gestaltung des Riedbergs zu sprechen. Lechner, der rund 700 Wohnungen in dem Neubaugebiet gebaut hat, hält die grünen Achsen und Alleen für gelungen. „Die ersten Jahre waren schwer, der Riedberg wurde erst spät zum Selbstläufer.“ Den Bewohnern des Stadtteils seien die Freiräume wichtig. „Sie wollen nicht dicht aufeinandersitzen.“ Auch Josef meint, dass der Riedberg eine andere Klientel anspreche als beispielsweise das Nordend. Dicht bebaute Stadtteile seien jedoch bei vielen Menschen beliebt.

          Um die Kosten im Wohnungsbau zu senken, schlägt Lechner für bestimmte Projekte eine modulare Bauweise vor. Wie bei einem Auto die Karosserie könnten die Räume in einer Fertigungsstraße vormontiert werden. „In der Autoindustrie macht man es seit Jahrzehnten. Warum nicht im Wohnungsbau?“ Meixner findet den Vorschlag „spannend“, geht aber vorsichtig auf Distanz. „Architektur und gute Raumqualität müssen nicht mehr kosten“, meint sie. Die vielen Bauvorschriften seien das Problem. Für den Wiederaufbau der Altstadt hat Libeskind übrigens wenig übrig. „Ich bin kein Fan einer Simulation der Vergangenheit“, sagt er. Die Rekonstruktion der Altstadt sei eine gefährliche Sache. „Das ist ein Donald-Trump-Projekt.“

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