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Pfleger auf Umwegen Neue Pfleger braucht das Land

 ·  In der Sorge um alte Menschen fehlt es an Kräften, Zeit und Geld. Helfen könnten jene, die auf Umwegen in diese Tätigkeit kommen. Zwei Beispiele.

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Dumpf und abgehackt klingt dieses Husten. Schnell folgt es aufeinander. Fast wie ein Röcheln, dazwischen ein kurzes Atmen, das nach Aufmerksamkeit verlangt. Es heißt: Ich bin wach, bitte komm. Manchmal ertönt es um drei, manchmal um zwei, und wenn sie gar nicht zur Ruhe kommt, schon eine Stunde vor Mitternacht. Heidi Koch schlägt dann die Bettdecke zurück, schlüpft in ihre Hausschuhe, geht in das Nebenzimmer, wo auf der Kommode die kleine Lampe brennt, hebt die Decke leicht an und zieht sie langsam über Arme und Beine. Sie beugt sich über das Bett und legt ganz vorsichtig ihre Wange an die Wange ihrer Patientin. Sie spürt den Atem, das Alter. Sie bewegt die Hand zu ihrem Gesicht und streichelt über die Haut. „Frau Mamet“, sagt sie, während ihre Finger behutsam auf und ab gleiten, „Frau Mamet, ich wollte doch mal sehen, wie es Ihnen geht.“ Frau Mamets Augen sind geschlossen, ihr Kopf bewegt sich nicht. „Frau Mamet“, wiederholt sie noch einmal, „Sie sind doch meine Beste, ja, das sind Sie, meine Beste.“

Heidi Koch wartet, auch wenn sie weiß, dass es, wenn überhaupt, nur eine kurze Antwort geben wird. Sie kennt jede Regung, jedes Stöhnen, jeden Schrei, sie weiß, wann ihre Patientin sich freut und wie sie lacht. Es ist nicht zu hören, dieses Lachen, aber Heidi Koch sieht es. An der Bettdecke. Wie sie sich sachte bewegt. Manchmal auch nachts. Wenn Frau Mamet aufwacht und sie ihr ein Stück Praline abbricht. Zartbitter, ihre Lieblingssorte. Danach schläft Frau Mamet wieder ein. Oft nicht länger als bis vier, wenn es Zeit ist für die warme Milch. Und ein wenig später, wenn sie munter ist, auch für ein kleines Gespräch.

Sie wohnt mit ihrer Patientin in einer Wohnung

„Frau Mamet“, sagt Heidi Koch dann, „wie sieht es aus mit Frühstück?“ „Immer zu haben.“ „Dann bereite ich es mal vor.“ „Ich komm’ aber nicht mit.“ „Aber nein, Frau Mamet, Sie bleiben schön liegen, und ich serviere Ihnen das Frühstück am Bett.“ „O ja.“

So verbringt Heidi Koch ihre Nächte, zwei Wochen lang. Dann fährt sie 14 Tage nach Hause und kommt 14 Tage wieder. Sie wohnt mit ihrer Patientin in einer Wohnung, betreut sie, begleitet sie, 24 Stunden am Tag. „Präsenzkraft“ nennt die Pflegebranche sie und meint damit die, die ohne eine gesetzlich geregelte Ausbildung Alte und Kranke umsorgen. Im Sommer 2005 kam Heidi Koch das erste Mal zu Elli Mamet. Als sie in das alte Schlafzimmer mit dem Ehebett einzog, lag Frau Mamet schon im Wohnzimmer, in einem Bett, in das sie gehoben wurde. Gesprochen hatte sie damals schon nicht mehr viel. Mehrmals am Tag setzt Heidi Koch sie in einen Pflegerollstuhl mit Kopfstütze und schiebt sie in die Küche, wenn sie kocht, oder in den Flur, wenn sie bügelt.

Die Politik sucht nach Lösungen

Es sind Griffe, die sie erst in der Drei-Zimmer-Wohnung von Frau Mamet gelernt hat, während das Land mit aller Kraft nach neuen Pflegern sucht. Hessen altert, und überall fehlen Geld und Kräfte: in den Städten derzeit noch mehr als auf dem Land. Am größten ist der Mangel im Arbeitsagenturbezirk Frankfurt, wie das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur erhoben hat.

Die Politik sucht nach Lösungen, nach neuen Modellen und nach neuen Gruppen von Menschen, denen dieser Beruf schmackhaft gemacht werden könnte. Sie bewirbt den Job, wünscht sich eine neue Generation von Pflegern, will Migranten und Arbeitslose gewinnen oder die Älteren länger halten. Die, die schon viel eigene Berufserfahrung haben, und auch die, die Erfahrung aus anderen Berufen mitbringen.

Auf dem Stundenplan steht: Wie man das Essen anreicht

So wie Andreas Hüttemann, Jahrgang 1963. Jeden Tag steht er um fünf Uhr auf, guckt Nachrichten, macht Frühstück, und wenn für seine 15 Jahre alte Tochter der Unterricht beginnt, sitzt auch er im Klassenzimmer. Als Schüler. In der Altenpflegeschule im Hufelandhaus in Seckbach.

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