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Pferdesport Rennbahn Niederrad vor der Insolvenz

27.09.2008 ·  Die Galopprennbahn im Frankfurter Stadtteil Niederrad steht nach Informationen der F.A.Z. vor der Insolvenz. Unterdessen lehnt die Stadt weitere finanzielle Hilfe ab. Das Interesse der Bevölkerung am Galoppsport sei einfach zu gering.

Von Matthias Alexander und Tobias Rösmann
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Die Galopprennbahn im Frankfurter Stadtteil Niederrad steht vor der Insolvenz. Nach Informationen der F.A.Z. kann der Renn-Klub, der die Bahn betreibt, seine laufenden Ausgaben nicht mehr decken. Der Präsident des Klubs, Günter Paul, ist dem Vernehmen nach in den vergangenen Wochen mehrmals beim Magistrat vorstellig geworden, um zusätzliches Geld von der Stadt zu erbitten. Kämmerer Uwe Becker (CDU) soll daraufhin einen Brief an Paul geschrieben haben, in dem er unmissverständlich darlegt, dass es kein weiteres Geld aus der Stadtkasse geben werde. Dem Vernehmen nach hat die Stadt Paul sogar nahegelegt, für den Klub Insolvenz anzumelden.

Paul, ehemaliger Präsident des Hessischen Staatsgerichtshofs, wollte sich auf Anfrage nicht zu Details der Verhandlungen äußern. Er bestätigte aber, dass der Renn-Klub seit längerem Gespräche mit der Stadt führe, weil der Verein in finanziellen Schwierigkeiten stecke. Paul, der seit knapp zehn Jahren Präsident des Vereins ist, sagte, mit dem im August begonnen Bau eines Hotels an der Rennbahn seien die Schwierigkeiten für den Klub „nicht gelöst“. Bisher hatte der Verein den Eindruck erweckt, mit dem Hotelprojekt werde er saniert sein. Wenn sich im Gespräch mit der Stadt keine Lösung finden lasse, „dann müssten wir zumachen. Wir sind liquiditäts- und schuldenmäßig marode“, sagte Paul.

Schulden wegen des Tribünenbaus

Der Vereinspräsident führte weiter aus, dass es in den Verhandlungen nicht um Geld gehe, das die Stadt geben solle, sondern um den Umgang mit dem Investor, mit dem der Klub eine eigene Vereinbarung treffen wolle. Paul bezog sich dabei auf die Huarong Group Deutschland, die als Tochtergesellschaft eines chinesischen Immobilienkonzerns auf dem Gelände der Galopprennbahn ein Fünf-Sterne-Hotel baut.

Der Klub hat wegen einer selbst finanzierten Tribüne seit Anfang der achtziger Jahre hohe Schulden, die erhebliche Kreditzinsen nach sich ziehen. Die Galopprennbahn steht auf städtischem Grund und ist in Erbpacht an den Renn-Klub vergeben. Gemäß dem Sanierungskonzept wurde dem Hotelinvestor eine Fläche von rund 8200 Quadratmetern entlang der Schwarzwaldstraße, südlich der Haupttribüne, für den Bau zur Verfügung gestellt – in Form einer „kapitalisierten Erbpacht“.

Die dafür fälligen rund sieben Millionen Euro, die in mehreren Raten zu zahlen sind, sollen dem Renn-Klub auf zweierlei Weise zugutekommen. Vier Millionen Euro sind zur Tilgung von Schulden vorgesehen, die die Stadt übernommen hat, drei Millionen Euro soll der Investor direkt für eine Aufwertung der Rennbahn ausgeben, etwa für eine Sandbahn und eine Flutlichtanlage. Denkbar ist, dass Paul bei der Stadt nun dafür geworben hat, dass ein Teil jener drei Millionen Euro, die für Investitionen in die Anlage vorgesehen sind, auch zur Deckung des laufenden Betriebs verwendet werden dürften.

Immer weniger Pferdewetten werden plaziert

Derzeit steht im städtischen Haushalt ein Zuschuss von 37.000 Euro, die laut Paul für Renn-Preisgelder verwendet wurden. Außerdem begünstigt die Stadt Frankfurt den Renn-Klub finanziell erheblich bei Pacht und Gebühren. Vom Land bekommt der Verein inzwischen kein Geld mehr.

Die Situation des Renn-Klubs wird auch dadurch erschwert, dass in den vergangenen Jahren immer weniger Pferdewetten auf der einzigen hessischen Galoppbahn plaziert wurden: Am Umsatz ist der Renn-Klub je nach Wettart zu zehn bis 20 Prozent beteiligt. Wegen der sinkenden Einnahmen war der Verein für eine Ausrichtung von Rennen immer stärker auf Sponsoren angewiesen, deren Engagement offenbar ebenfalls zurückgeht: Während es früher rund 20 gesponserte Renntage im Jahr gab, waren es in diesem Jahr noch neun. Mit ähnlichen Schwierigkeiten kämpfen auch andere Rennbahnbetreiber in Deutschland, etwa in Berlin und Köln.

Ein Mitglied des Vorstands, das nicht namentlich genannt werden will, wollte im Gespräch mit der F.A.Z. nicht von Missmanagement der Vereinsführung reden, „aber ein paar Sachen hätte man anders machen können“. Als Beispiel nannte das Vorstandsmitglied eine „unglückliche Informationspolitik“ des Präsidiums und einen Gerichtsstreit mit den Betreibern einer Neun-Loch-Golfanlage um die Finanzierung eines gemeinsamen Vereinshauses. Diese Golfanlage steht seit 1996 auf dem Gelände des Renn-Klubs, der Betreiberverein zahlte über lange Zeit dafür Pacht. „All das hat zu erheblicher Unruhe geführt“, berichtete das Vorstandsmitglied weiter. Auch deshalb habe im vergangenen Jahr eine Oppositionsgruppe des rund 120 Mitglieder umfassenden Vereins versucht, Paul und die drei Vizepräsidenten abwählen zu lassen, sei aber knapp gescheitert.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Jahrgang 1977, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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