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Persönliches Fähige Repräsentanten des deutschen Judentums

 ·  Sowohl Salomon Korn als auch Dieter Graumann hätten vermutlich Präsident des Zentralrats der Juden werden können. Die Vizepräsidenten zählen zu den fähigsten Köpfen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.

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Zwei Vizepräsidenten aus Frankfurt - eigentlich verstößt das gegen den Proporz. Doch Salomon Korn und Dieter Graumann zählen nun einmal unbestritten zu den fähigsten Köpfen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Beide hätten sie vermutlich Präsident des Zentralrats der Juden werden können, wären sie denn angetreten. Beide sind sie zu einer Kandidatur aufgefordert worden, beide haben sie verzichtet.

Korn, den viele als geborenen Nachfolger von Paul Spiegel ansahen, hat lange hin und her überlegt. Konnte er seiner Familie zumuten, noch mehr in amtliche Pflichten eingespannt zu sein? Sollte er, als dann höchster politischer Vertreter der deutschen Judenschaft von Neonazis und Islamisten bedroht, das Leben eines Gefangenen führen, der keinen Schritt mehr ohne Leibwächter tun, keinen Theaterbesuch mehr unternehmen könnte, ohne ihn vorher beim Landeskriminalamt anzumelden?

Durfte er sich andererseits verweigern, sich aus der Pflicht begeben, die ihm sein Können und Ansehen auferlegen? Dieselben Fragen hat sich Graumann gestellt, und er ist zu derselben Entscheidung gekommen wie Korn, nämlich nicht anzutreten, sondern die Präsidentschaft Charlotte Knobloch, der Vorsitzenden der Münchner Gemeinde, zu überlassen.

Hoffnungsträger der deutschen Juden

Dennoch sind die beiden Neins von verschiedener Natur. Im Falle Korns dürfte es ein endgültiges Nein sein, denn am offiziellen Ende der Amtszeit von Frau Knobloch im November 2010 wird er 67 Jahre alt sein. Theoretisch könnte er dann immer noch Präsident werden - Knobloch wurde es mit 73 Jahren -, doch ist das unwahrscheinlich. Graumann hingegen wird dann 59 Jahre alt sein, also genau im richtigen Alter für eine solche herausgehobene Position. In der Öffentlichkeit ist Graumann wenig bekannt, wiewohl er im Zentralrat als Finanzdezernent, der die Bilanzen in Ordnung brachte, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Der Frankfurter Immobilienkaufmann gilt als ein Hoffnungsträger der deutschen Juden, die - das wird oft übersehen - mit 110.000 Mitgliedern eine verschwindend kleine Minderheit darstellen. Seine Wahl zum Vizepräsidenten des Zentralrats hat Eingeweihte denn auch nicht überrascht; auf einen Mann mit seinen Talenten kann man nicht verzichten.

Graumann ist ein guter Redner, der engagiert sein Anliegen vor großem Publikum vortragen kann, wie neulich beim Israel-Tag, als er Mahmud Ahmadineschad mit Verve einen heißen Empfang ankündigte, sollte der iranische Präsident während der Fußballweltmeisterschaft zu einem Spiel anreisen. Er verfügt darüber hinaus über diplomatische Fähigkeiten. Als Beauftragter des Zentralrats hat er mit Otto Schily, Günther Beckstein und den anderen deutschen Innenministern über eine Zuzugsregelung für Juden aus der ehemaligen Sowjetunion verhandelt.

Und er hat sie alle überzeugt, daß die Tür, die einst Helmut Kohl nach dem Zusammenbruch des Kommunismus weit geöffnet hatte, weiterhin zumindest einen breiten Spalt weit offenbleiben müsse.

Geschickter Vermittler

Es ist Graumanns Verdienst, daß der seit Anfang 2005 geltende faktische Zuzugsstopp am 1. Juli wiederaufgehoben wird, daß von da an Juden aus Rußland und anderen früheren Sowjetstaaten wieder nach Deutschland kommen können, allerdings nach einer deutlich schärferen Prüfung als in früheren Jahren. Dem verbindlichen Graumann ist es gelungen, den angeblich so scharfen Beckstein aus Bayern als Verbündeten zu gewinnen, der sich dem Argument öffnete, die jüdischen Gemeinden in Deutschland brauchten zur demographischen Stabilisierung weiterhin Neuankömmlinge aus dem Osten.

Wäre Graumann kein derart geschickter Vermittler, es gäbe womöglich heute zwei Zentralräte: den bestehenden und einen liberalen. Denn im Streit um Unterstützungsgelder von der Bundesregierung und den Bundesländern drohte den jüdischen Gemeinden eine Spaltung. Graumann hat im Auftrag des Zentralrats mit den Liberalen verhandelt und einen Kompromiß zustande gebracht, der dazu geführt hat, daß jetzt zwei liberale Landesverbände Mitglied des Zentralrats geworden sind und die Union der Liberalen mit ihm kooperiert. Derartige Vermittlungsfähigkeiten dürften in den nächsten Jahren sehr gefragt sein, wenn es darum geht, die jüdischen Einwanderer stärker in die Gemeinden zu integrieren. Graumann trauen viele zu, diese schwierige Aufgabe zu meistern.

Vorerst wird er indes weiter im Hintergrund wirken, als Vizepräsident etwas weniger der Öffentlichkeit verborgen als bisher. Doch dürfte Graumann - nicht weniger als der Vizepräsident Korn - eine starke Stütze für Knobloch sein, ein Mann, der ihr mit Rat und Tat loyal zur Seite steht. Dieses Wirken sozusagen am Rande des Rampenlichts erlaubt Graumann, weiterhin ein einigermaßen normales Leben zu führen, etwa jeden Morgen zu joggen oder mit dem Fahrrad zu seinem Büro in der Frankfurter Innenstadt zu fahren. Und seinem Hobby, der Literatur, zu frönen. Als Kulturdezernent der hiesigen Jüdischen Gemeinde besitzt er das Privileg, seine Lieblingsschriftsteller zu Lesungen ins Gemeindezentrum zu holen. Mag man Graumann wegen seiner vielen Ehrenamtspflichten manchmal etwas bedauern, in diesem Punkt ist er zu beneiden.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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