14.03.2005 · Draußen Demonstranten, drinnen Befürworter: Begleitet von Kritik hat der Schöpfer des Klon-Schafs „Dolly“, Ian Wilmut, am Montag in Frankfurt einen der bundesweit angesehensten Wissenschaftspreise bekommen.
Draußen Demonstranten, drinnen Befürworter: Begleitet von Kritik hat der Schöpfer des Klon-Schafs „Dolly“, Ian Wilmut, am Montag in Frankfurt einen der bundesweit angesehensten Wissenschaftspreise bekommen.
Während vor der Paulskirche rund zwei Dutzend Klon-Gegner mit Schafsmasken und weißen Laboranzügen protestierten, wurde der britische Genforscher im kreisrunden Innenraum des Gebäudes von mehreren Rednern mit Lob überhäuft. Wilmut erhielt den mit 100.000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis für seine Experimente, die nach jahrzehntelanger Grundlagenforschung - auch gegen vorherrschende Lehrmeinungen - zum ersten Klonen eines Säugetieres geführt hatten. Sie machten ihn weltberühmt.
Keine Klonversuche mit menschlichen Embryonen
Erst vor kurzem war dem 60 Jahre alten Wilmut eine britische Lizenz für das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken zugeteilt worden. Dabei geht es nicht etwa um die Herstellung von Klonbabys, die auch Wilmut entschieden ablehnt. Doch in Deutschland ist auch das Forschungsklonen verboten, schon Wochen vor der Preisverleihung gab es daher bundesweit Kritik. Erzürnt waren die Gegner vor allem darüber, daß knapp die Hälfte des Preisgeldes vom Bundesgesundheitsministerium stammt. Der Ärzteverband Marburger Bund kritisierte es als „befremdlich“, daß ein Forscher deutsche Steuergelder erhalte, dessen Klonvorhaben hier zu Lande mit Strafe bedroht seien.
Wilmut hatte allerdings bereits betont, das Preisgeld nicht für Klonversuche mit menschlichen Embryonen verwenden zu wollen. Statt dessen solle es in die Forschung an Mäusen fließen. Er habe Respekt vor den deutschen Gesetzen, sagte der Forscher der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montag), obwohl es ihm bei der Verplanung des Geldes darum nicht gegangen sei. Ausgewählt worden war Wilmut allein von der Paul Ehrlich-Stiftung der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Frankfurt.
„Wende in nie zuvor gekanntem Tempo“
Der am Roslin-Institut im schottischen Edinburgh angestellte Wissenschaftler kündigte an, mit dem so genannten therapeutischen Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken in diesem Sommer beginnen zu wollen. Sein Ziel seien unter anderem neue Behandlungsmethoden für bislang tödlich verlaufende Krankheiten. Nach Worten des Virologie-Professors und Laudators Bernhard Fleckenstein waren Wilmuts Forschungen von dem jahrzehntelangen Leiden seines Vaters ausgelöst worden. Dieser war an Diabetes erkrankt - er erblindete, verlor bei einer Amputation ein Bein, konnte schließlich beide Hände nicht mehr bewegen und starb 1994.
Wilmut sagte, für die geplanten Klon-Versuche würden nur etwa eine Woche alte menschliche Embryos verwendet, die kleiner als ein Sandkorn seien und noch kein Bewußtsein besäßen. Beim therapeutischen Klonen wird der Embryo zerstört. Deswegen hatte sich kürzlich auch die UN-Vollversammlung dagegen ausgesprochen - allerdings ohne daß dies völkerrechtlich bindend wäre. Wie auch immer: „Ein Zurück gibt es nicht“, sagte der Vorsitzende des Paul Ehrlich-Stiftungsrates, Hilmar Kopper, in der Paulskirche. „Die epochale Wende durch die Gentechnik vollzieht sich in nie zuvor gekanntem Tempo.“