10.10.2003 · Eine Zwergziege? Olaf Klein nickt heftig und lacht dabei laut. Vergangenen Sommer war er in Norddeutschland auf einem Bauernhof in den Ferien. Eine der Ziegen auf dem Hof sei ausgebüxt - er, Olaf, habe ...
Eine Zwergziege? Olaf Klein nickt heftig und lacht dabei laut. Vergangenen Sommer war er in Norddeutschland auf einem Bauernhof in den Ferien. Eine der Ziegen auf dem Hof sei ausgebüxt - er, Olaf, habe sie kurzerhand an den Hörnern gepackt und wieder dorthin gebracht, von wo sie Reißaus genommen habe. Und wie hängt das jetzt damit zusammen, daß er Patenonkel einer Zwergziege geworden ist? Bei der Einfang-Aktion sei ihm der Spitzname "Ziegenpeter" verpaßt worden, und seither fühle er sich den meckernden Vierbeinern verbunden. Außerdem sei er ein großer Fan des Zoos, gesteht er.
777 Paten seien es in diesem Jahr, die den Zoo unterstützten, berichtet Zoodirektor Christian Schmidt. Fast die Hälfte von ihnen, 300 Patenonkel und -tanten, sind am Donnerstag abend zum Tierpatentag in den Zoo gekommen. "Solche Teilnahmequoten erreicht man nicht einmal bei den Nationalratswahlen", stellt der gebürtige Schweizer Schmidt erfreut fest.
Warum heißt der Eselspinguin Esels-pinguin? Gisela und Michael Treffert wissen es auch nicht. Seit vier Jahren zahlen sie jährlich 200 Euro für ein Exemplar dieser Spezies, weil "der Zoo unterstützt werden muß, gerade in Zeiten, in denen gespart wird". Damit bestätigen sie gleich zwei Einschätzungen von Schmidt. Erstens: Neben der monetären kann der Zoo auch auf die ideelle Unterstützung der Tierpaten zählen. Außerdem beenden viele Paten ihr Engagement nicht nach einem Jahr, sondern bleiben den Tieren über lange Zeit treu. Nicht so Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Im vergangenen Jahr hatte war er Pate des Löwen "Hessi" geworden - doch die Partnerschaft wurde nicht verlängert.
Wem das nötige Kleingeld - 10000 Euro - für die Protektion des Nashorns fehlt, kann für 25 Euro auf ungleich kostengünstigere Tiere wie die Schwimmwühle oder die "Wandelnde Geige" ausweichen. In den höheren Preiskategorien angesiedelt ist wiederum die Patenschaft für einen Orang-Utan. Der Clanchef dieser rothaarigen Menschenaffen sitzt an diesem Abend in den Ästen und döst, neben ihm schwingt seine sechs Monate alte Tochter "Jahe" an den Seilen herum. Soeben hat sie klettern gelernt. Ihr Papa kann schon auf 54 Lebensjahre zurückblicken. In menschliche Verhältnisse umgerechnet, wäre er ein alter Mann von 90 und damit, so Schmidt, "bei der Geburt seines letzten Nachwuchses sogar älter, als es Charlie Chaplin gewesen war, der mit 80 noch einmal Vater wurde".
Dringend benötigt werden die Spendengelder, um das zweite Okapi-Pärchen unterzubringen. Diese Urwaldgiraffen aus Kongo pflanzten sich viel besser fort, wenn mehrere Paare zusammenlebten.
Faul liegen die Pinguine am Rand des Bassins, das Ehepaar Treffert schaut ihnen dabei zu. Nun geben die Tiere doch noch das Geheimnis ihres Namens preis: Durch die dicke Glasscheibe hört man sie "Iaah, Iaah" rufen. bame.