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Palmengarten Wasserdrachen im Monsunwald und Piranhas im Karpfenteich

05.09.2010 ·  Immer wieder werden im Palmengarten exotische Tiere ausgesetzt. Doch viele von ihnen können dort nicht für längere Zeit überleben.

Von Isabell Ziegler, Frankfurt
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Mit einem Mal war der kleine grüne Drache da. Den Monsunwald eroberte er sich ganz unspektakulär, ohne Fauchen und Feuerspucken. Freiwillig hat sich die Wasseragame ihr neues Revier im Palmengarten allerdings nicht ausgesucht: In eine Sporttasche gepackt und darin an der Kasse vorbeigeschmuggelt, hat man sie einfach im Tropicarium ausgesetzt. Das zumindest vermutet Gärtnerin Ursula Bromm, die die kleine Echse mit dem drachenartigen Rückenkamm irgendwann beim Ausputzen zwischen den Bäumen entdeckte. Gerade als sie innehielt, um sich den Schweiß abzuwischen, linste das hübsche Tier scheu durch das Gewirr grüner Blätter.

Zuerst sorgte man sich, ob die Agame überleben würde, so ganz ohne künstliche Wärmequelle und ohne das Jagen gelernt zu haben. Sie schien sich jedoch an den im Monsunwald lebenden Käfern und Würmern und dem ausgelegten Futter satt zu fressen. Jetzt brauchte das Reptil nur noch etwas Gesellschaft. „Willi“, wie Bromm die Echse taufte, blieb nicht lange allein. Die Gärtner siedelten weitere Wasseragamen an, „Emil“ ist eine von ihnen.

„Wie kleine Aliens“

„Emils“ Lieblingsplatz im Monsunwald ist ein schmaler Holzstamm. Er ragt schräg über einen kleinen dunklen Teich, in den sich ein Wasserfall ergießt und an dessen Grund sich Goldfische tummeln. Zu bestimmten Zeiten blinzelt die Sonne durch die Scheiben des Tropicariums, ihre Strahlen bahnen sich einen Weg zwischen den Blättern hindurch und fallen auf „Emils“ Lieblingsplatz. Aber nicht nur deshalb gehört der Stamm am Teich zu den bevorzugten Beobachtungsposten der Wasseragamen: Bei Gefahr fliehen sie ins Wasser und machen sich blitzschnell schwimmend davon. Dabei legen sie die Beine eng an den schmalen Körper und nutzen den seitlich abgeflachten Schwanz als Paddel. Lustig sähen sie dann aus, sagt Bromm, „wie kleine Aliens“.

Das was die Gärtnerin über die sogenannten Wasserdrachen weiß – mittlerweile eine ganze Menge –, hat sie sich angelesen. So wie ihre Kollegen, die bei ihrer Gärtnerarbeit ebenfalls immer wieder auf exotische Tiere treffen. Denn die sind Palmengarten gar nicht so selten. Einen großen Baumleguan, Geckos, Guppys und Gespenstheuschrecken haben die Mitarbeiter schon gesichtet. Ehemals als Haustiere angeschafft, hätten sie den Besitzern möglicherweise zu viel Arbeit gemacht oder seien in der Urlaubszeit hinderlich geworden, meint Bromm. „Dann liegt vielleicht der Gedanke nahe: So schön, wie es im Palmengarten ist, kann es dem Tier da doch nur gut ergehen.“ Weil sie aber an Käfige, Aquarien oder Terrarien und natürlich an das regelmäßige Füttern gewohnt seien, überlebten viele der Ausgesetzten nicht lange.

Piranhas dem Temperaturschock erlegen

So wie die Piranhas. Ein „Tierfreund“, ihrer überdrüssig geworden, ließ sie im Koi-Karpfenbecken des Palmenhauses frei. Bedacht hatte er dabei wohl nicht, dass es den Warmwasserfischen dort zu kalt sein könnte. Dem Temperaturschock erlegen, trieben sie morgens mit dem Bauch nach oben im Becken.

Die Rotwangenschildkröten dagegen überleben im Palmengarten sehr gut – und vermehren sich ordentlich. Wer um den großen Weiher schlendert, kann dort eine riesige Schildkröten-Kolonie beobachten, die sich bei passendem Wetter stundenlang sonnt. Ihre einstigen Besitzer wollten sie offenbar loswerden, nachdem aus den possierlichen Baby-Schildkröten erwachsene Tiere geworden waren. In jungen Jahren fast so klein wie ein Zwei-Euro-Stück, können sie so groß wie ein DIN-A4-Blatt werden. Im Palmengarten ärgern sie die Gärtner: Sie knabbern zum Beispiel die sommers farbenprächtig blühenden Seerosen an.

Mitarbeitern oder Besuchern wurden die ausgesetzten Tiere bisher nicht gefährlich. Jedoch rechne sie mittlerweile mit allem, sagt Bromm. „Wenn hier jemand ein Tier aussetzt, meldet er das bei mir natürlich nicht an. Theoretisch könnte ich beim Arbeiten plötzlich einer Vogelspinne oder einem Skorpion gegenübersitzen.“ Sie warne davor, Haustiere im Palmengarten freizulassen. Man tue den Tieren keinen Gefallen, denn „so schön, wie es hier auch aussehen mag, wir können ihre Bedürfnisse nicht erfüllen“.

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