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Omid Nouripour : Bekenntnis zu Europa und mehr Polizei

Will mit seiner Partei bei der Bundestagswahl zulegen: Omid Nouripour, Frankfurter Abgeordneter der Grünen Bild: dpa

Panik angesichts der vielen Krisen sei keine Lösung, meint Omid Nouripour. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen muss derzeit häufig die Welt erklären.

          Omid Nouripour hat immer viel zu sagen. Doch seit in den vergangenen Wochen der Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien wieder in den Fokus der weltpolitischen Aufmerksamkeit gerückt ist, wird der Bundestagsabgeordnete aus Frankfurt, der iranischer Abstammung ist, besonders oft gefragt. Da allenthalben von einer bedrohlichen Eskalation in der Golfregion die Rede ist, spürt der 42 Jahre alte Grünen-Politiker die „riesige Unsicherheit“ in der Bevölkerung und findet es selbstverständlich, sein Wissen um die muslimisch-arabische Welt zu vermitteln. Erst dieser Tage hat er auf Einladung der Grünen im Nordend über die „Welt in Aufruhr“ geredet. Eine große Zuhörerschaft ist ihm sicher.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nouripour wäre nicht Politiker, würde er in solchen Augenblicken nicht auf die in seinen Augen falschen Rüstungsexporte der Bundesrepublik nach Saudi-Arabien hinweisen. Vor allem treibt ihn aber die Haltung Europas zu den Konflikten im Nahen Osten um. Statt das „Modell der demokratischen Integration“ in die Welt zu tragen, ergehe sich Europa in Kleinstaaterei: Großbritannien etwa unterstütze die Freie Syrische Armee, Tschechien dagegen den syrischen Staatspräsidenten Assad.

          „Ich bin in einem Unrechtsstaat aufgewachsen“

          Dass dies viele beunruhige, versteht der außenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag. Panik sei jedoch keine Lösung, sagt Nouripour und ist besorgt, dass derzeit „so vielen wie noch nie“ die Zuversicht fehle, sich auf die europäischen Werte zu besinnen und diese auch durchsetzen zu können. Die Europäer müssten verstehen und akzeptieren, dass man sich derzeit in einem globalen Wettbewerb um das richtige Lebensmodell befinde. Da konkurriere das „Effizienzmodell“ der Chinesen gegen die „Testosteron-Modelle“ von Putin, Trump und Erdogan und das „zerstörerische Modell“ der Dschihadisten. Denen stünde das europäische Modell entgegen, das auf Wissen beruhe und darauf, dass Menschen der freie Zugang zu Wissen gewährt werde, das auf Demokratie, auf Frieden und Freiheit setze. Es sei wichtig, dafür zu kämpfen.

          „Ich bin in einem Unrechtsstaat aufgewachsen“, sagt Nouripour, der in Teheran geboren wurde, „ich weiß, wie es ist, ohne Freiheit zu leben.“ Er war 13 Jahre alt, als er mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Frankfurt kam, weil die Eltern wollten, dass er und seine Schwester „eine Zukunft haben sollten“.

          Drei Monate vor der Bundestagswahl hofft Nouripour, die Wähler mit seinem klaren Bekenntnis zu Europa mitreißen zu können. Der französische Präsident Macron habe es vorgemacht. „Wir sollten es auch tun und auf einen proeuropäischen Wahlkampf setzen“, sagt Nouripour, schließlich hätten die Grünen „das Europäische in den Genen“. Einen Aufwind könnte die Partei gut brauchen: Umfragen sehen die Grünen derzeit bei sieben bis acht Prozent. Nouripour gibt sich zuversichtlich, dass diese „selbstverschuldete Delle“ in den nächsten Wochen noch ausgebeult werden kann. Die Grünen zeigten jetzt wieder Geschlossenheit. „Wir wollen zweistellig und drittstärkste Kraft werden.“ Bei der Bundestagswahl 2013 erzielten die Grünen 8,4 Prozent, drittstärkste Kraft waren damals die Linken. Dieses Mal wetteifern die Grünen mit einer neu erstarkten FDP um die Gunst der Wähler. Demoskopen sehen die Liberalen vor den Grünen.

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