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Öffentliche Toiletten : Aus für stille Örtchen

  • -Aktualisiert am

Wenig einladend: Toiletten in der B-Ebene der Hauptwache Bild: Daniel Pilar

Die öffentlichen Toiletten, ihr Zustand und die dringend notwendige Sanierung sind seit Jahren Thema. Ein vom Liegenschaftsamt in Auftrag gegebenes Gutachten empfiehlt nun, mehr als ein Drittel der Klos einfach zu schließen – die meisten in den Stadtteilen.

          Die Stadt Bonn hat schon vor Jahren fast die Hälfte ihrer 26 öffentlichen Toiletten schließen lassen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden machte aus Kostengründen sogar 17 von 19 Klos dicht. Selbst in der stets auf Sauberkeit bedachten Schweiz müssen sich die Bürger auf weniger stille Örtchen einstellen. Die Stadt Luzern plant das Aus für 16 von 40 „Geschäftsstellen“, die Schweizer Bundesbahn hat an 90 Bahnhöfen die Türen zu den Wasserklosetts endgültig verriegelt. Sie werden knapp, die öffentlichen Orte zur Verrichtung der Notdurft, auch in Frankfurt.

          Denn das seit einem Jahr für Unterhalt und Sanierung der öffentlichen Klos zuständige Liegenschaftsamt hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, wonach mindestens 18 von 48 städtischen Toiletten aufgegeben werden sollen. Acht – die meisten in Stadtteilen – hat das Amt schon geschlossen. Offenbar wollte man sehen, wie die Bürger auf eine solche Entscheidung reagieren. Weitere elf Anlagen stehen zur Disposition.

          48 Stadt-Klos

          „Wir kommen nicht umhin, uns angesichts steigender Kosten für Unterhalt und Reparaturen Gedanken über das Nutzungskonzept zu machen“, teilte Alfred Gangel mit, Leiter des Liegenschaftsamtes. Zwar hätten er und die für das „Sanitärmanagement“ zuständige Mitarbeiterin Claudia Kranz auch ohne Gutachten gewusst, dass sich viele öffentliche Toiletten in Frankfurt in einem schlechten Zustand befänden. Doch erst die Expertise der Frankfurter Kokon GmbH habe die „ganze Misere“ offenbart.

          Das Gutachten habe nicht das Ziel, möglichst viele Standorte zu schließen, um Geld zu sparen, hob Gangel hervor. Vielmehr empfehle es, den vorhandenen Etat von 2,2 Millionen Euro, den die Stadt jährlich in die 48 Stadt-Klos für Reinigung, Wasser, Strom und Reparatur investiert, effektiver einzusetzen: „Wir müssen dort investieren, wo Nachfrage ist und Sanierungsbedarf besteht.“ Derzeit werde das Geld nicht „bedarfsorientiert“ eingesetzt, heißt es im Gutachten.

          Höchste Frequenz

          Um Sinn und Nutzen der 48 Anlagen zu kennen, sei erstmals der bauliche und hygienische Zustand jeder Anlage bewertet worden, man habe die Benutzer gezählt und mit 400 von ihnen Interviews geführt. Darüber hinaus seien alle Fachleute, die mit den Anlagen zu tun hätten, befragt worden: die für Betrieb und Sauberkeit zuständige Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES), die Verkehrsgesellschaft Frankfurt, die Stadtkämmerei, die Stadtpolizei und das Stadtplanungsamt. Für jede Anlage sei daraus ein Steckbrief mit Schulnoten von 1 bis 6 mit entsprechenden Empfehlungen verfasst worden.

          „30 Prozent aller Standorte haben zusammen weniger als ein Prozent aller Nutzer“, sagte Gangel, sie verschlängen aber fast ein Viertel des Etats. Andererseits würden zehn bis zwölf der Anlagen von rund 70 Prozent aller Nutzer aufgesucht. Das ist das Ergebnis von zwei Zählungen, die jeweils zwei Stunden dauerten. Die höchste Frequenz haben erwartungsgemäß die Toiletten in der Innenstadt: Die Anlage an der Konstablerwache wurde binnen vier Stunden von 1.048 Besuchern aufgesucht, die an der Hauptwache von 777. Bei den Toiletten am Paulsplatz registrierte man 238 Nutzer, an der Bockenheimer Warte 97. Gut besucht wurden auch die Toiletten im Nordwest-Zentrum und am Südbahnhof.

          Kaum Klo-Nutzer

          Auffallend ist für die Fachleute im Liegenschaftsamt, dass diese häufig aufgesuchten Anlagen die wenigsten mutwilligen Zerstörungen und Verschmutzungen aufweisen, selten als Unterschlupf für Obdachlose oder als Treffpunkt für Homosexuelle genutzt werden. „Wenig Besucher und damit keine soziale Kontrolle heißt Vandalismus“, resümiert Kranz. Oder im Umkehrschluss: „Hohe Frequenz ist der beste Schutz für eine Toilette.“

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