http://www.faz.net/-gzg-8xbcy

Oberbürgermeisterwahl 2018 : Große Mehrheit für Weyland

Bild: Marcus Kaufhold

Die Frankfurter CDU macht Bernadette Weyland zur Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl 2018. Sie wolle ein Stadtoberhaupt sein, das „regiert und nicht demonstriert“.

          Die Frankfurter CDU hat Staatssekretärin Bernadette Weyland als Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl 2018 nominiert. Die 59 Jahre alte Juristin bekam 215 Ja-Stimmen von den 223 Delegierten des Kreisparteitags, bei vier Nein-Stimmen und vier Enthaltungen. Boris Rhein, Weylands Vorgänger als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl, hatte bei seiner Nominierung im Dezember 2011 von 287 Delegierten 271 Ja-Stimmen erhalten – bei zehn Nein-Stimmen und sechs Enthaltungen. Nachdem Weylands Wahl feststand, liefen Unterstützer in orangefarbenen T-Shirts in den Saal, auf der Vorderseite stand „Bernadette“. Währenddessen lief unter viel Applaus der rundum stehenden Delegierten aus den Boxen die Melodie des Pop-Songs „Simply the best“.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Parteitag fand auf Wunsch Weylands in einem neuen Format statt. So standen die Stühle der Delegierten in drei Blöcken um den Tisch des Präsidiums herum, der kaum erhöht war. Weyland saß im rechten Block auf dem ersten Platz in der ersten Reihe. Das Licht in dieser Art von Arena war gedimmt, auf einer großen Leinwand wurde ein Kurzfilm gezeigt, der ganz auf Weyland zugeschnitten war. Er zeigt sie unter anderem als Motorradfahrerin in Lederkluft, die durch die Straßen der Stadt fährt. Als Fußgängerin begegnet sie in dem Film unter anderem einem älteren Paar, einer jungen Mutter mit Baby und zwei Hunden. Am Ende des Clips steht der Slogan „Aufbruch in Frankfurt“. Der Kreisverband, so war zu hören, sei in die Planung des Parteitags kaum eingebunden worden.

          „Es hilft nichts, wenn wir aufeinander schimpfen“

          Weyland hielt ihre etwa zwanzigminütige Bewerbungsrede in der Mitte der Arena. Sie dankte dem Parteivorsitzenden Uwe Becker, der im Februar überraschend auf eine eigene Kandidatur verzichtet hatte. Auch die ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth und den Generalsekretär der hessischen CDU, Manfred Pentz, begrüßte sie namentlich. Ein Aufbruch gelinge nur gemeinsam. Das Oberbürgermeisteramt sei für sie „nicht irgendein Amt“, sagte die im westfälischen Münster geborene Politikerin, die sich als „Eingeplackte“ beschrieb, die Frankfurt in den vergangenen 30 Jahren lieben gelernt habe. Sie sei der Meinung: „Frankfurter ist, wer Frankfurter sein will.“ Mehrmals bezog sich Weyland auch auf die Arbeit Roths.

          Sie wolle eine Oberbürgermeisterin sein, „die integriert und nicht die Gesellschaft spaltet“, ein Stadtoberhaupt, das „regiert und nicht demonstriert“. Sich selbst beschrieb die vierfache Mutter, deren Familie im Saal war, als „sachlich, zielorientiert, manchmal auch etwa emotional“. Sie sei stets authentisch, gehe auf die Leute zu und möge weder „Mief“ noch „Unsinn“. An der Spitze einer Stadt müssten Leute stehen, die „mit Schwung Ziele umsetzen“. Das sei ihre Vision, sagte Weyland, die Politik als Handwerk bezeichnete, als das „Bohren dicker Bretter“.

          Thematisch blieb Weyland vage. Dringend nötig sei ein neues Sicherheitskonzept, sagte sie. Außerdem müsse die Stadt die Drogenpolitik überarbeiten. Auch der Wirtschaftsstandort Frankfurt sei ausbaufähig. In der Wohnungspolitik müssten Stadt und Land eng zusammenarbeiten. „Es hilft nichts, wenn wir aufeinander schimpfen.“ Frankfurter brauche attraktive Schul- und Betreuungsangebote. Zum Ende der Rede hin sagte sie: „Liebe Freunde, ich brauche jeden Einzelnen von Euch.“ Die Delegierten applaudierten ihr daraufhin gut drei Minuten stehend.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Der Parteivorsitzende Uwe Becker hatte Weyland zu Beginn als „künftige Oberbürgermeisterin für Frankfurt“ angekündigt. Er schlage sie vor, weil sie die Kandidatin mit den bestmöglichen Chancen sei. Die Partei werde gemeinsam dafür kämpfen, dass die Stadt „endlich wieder eine gute, eine richtige Oberbürgermeisterin bekommt“. In der Anwesenheit von CDU-Generalsekretär Pentz sah Becker den Beleg, dass auch die hessische Union hinter der Kandidatin stehe.

          Weitere Themen

          Das Duell um den CDU-Vorsitz

          Chronologie eines Rücktritts : Das Duell um den CDU-Vorsitz

          Die Kanzlerin wusste seit Wochen, dass Friedrich Merz sie herausfordern könnte. Sie zog zurück – und gab die Bühne frei für Annegret Kramp-Karrenbauer. Merz hatte auf diesen Moment gewartet – und bekam Unterstützung von einem, der die Seiten wechselte.

          So stimmt die Stimme Video-Seite öffnen

          Eine Sprechtrainerin erklärt : So stimmt die Stimme

          Heidi Puffer ist auf der Suche. Das, was sie zu finden erhofft, ist nicht zu sehen, wohl aber zu hören. Denn immer dann, wenn Puffer eingeschaltet wird, droht auch der hörbare Rest in monotonem Einklang zu verschwinden.

          Topmeldungen

          Warum Italien stur bleibt : Vier Gründe für den Trotz

          Rom bleibt stur und will, dass der Haushaltsentwurf bleibt, wie er ist. Für die trotzige Haltung gibt es vier Gründe. Doch auch die EU hat wenig Anlass, ihre Position zu ändern.

          Personalkrise im Weißen Haus : Feuert Trump die nächste Ministerin?

          Donald Trump hat gerade erst Justizminister Sessions rausgeworfen. Nun soll angeblich auch Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen gehen. Das könnte jedoch zu einem Showdown im Weißen Haus führen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.