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Veröffentlicht: 10.03.2017, 14:46 Uhr

Oberbürgermeisterwahl 2018 Eskandari will die Stadt „diskussionsfähiger“ machen

Die frühere Integrationsdezernentin möchte Oberbürgermeister Peter Feldmann herausfordern. Ein konkretes Programm hat die Wunschkandidatin der Grünen noch nicht.

von , Frankfurt
© Helmut Fricke Mit der früheren Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg wollen die Grünen in die Frankfurter Oberbürgermeisterwahl im März nächsten Jahres gehen.

Der Vorstand der Grünen hat gestern die frühere Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg als seine „Wunschkandidatin“ für die Oberbürgermeisterwahl im März 2018 vorgestellt. Mit der 52 Jahre alten promovierten Psychotherapeutin, die aus Iran stammt und seit mehr als 30 Jahren in Frankfurt lebt, wollen die Grünen nicht nur auf eine Frau setzen, sondern auch auf eine „Ankommerin“, wie Vorstandssprecher Bastian Bergerhoff sagte. Eskandari-Grünberg mache Mut, sie stehe für Offenheit, Toleranz und Vielfalt. Frankfurt sei eine „Integrationsmaschine“; „bei uns funktioniert es“, so Bergerhoff. Deshalb sei es an der Zeit zu zeigen, dass auch an die Spitze der Stadt jemand mit Migrationshintergrund gehöre. In Paris und London sei das schon Wirklichkeit geworden.

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Eskandari-Grünberg hatte sich als Ort für ihre Vorstellung den Hauptbahnhof ausgesucht und später die Fotografen zu Gleis 7 geführt. Dort war sie vor gut 31 Jahren, am 24. Dezember 1985, in Frankfurt angekommen. Ihre zwei Jahre alte Tochter hatte sie auf dem Arm, in der anderen Hand einen Koffer, in dem auch ein Lyrikband des persischen Dichters Hafis steckte. Das 800 Seiten starke Werk war ein Geschenk ihres Vaters aus dem Jahr 1979. Auch dieses Buch, das Eskandari-Grünberg auf ihrer gesamten Flucht begleitet hat, hatte sie gestern dabei.

Wohnungsbau und Verkehrspolitik seien „enorm wichtig“

Ein ausführliches inhaltliches Programm könne sie noch nicht vorlegen, sagte die Grünen-Politikerin. Eines ihrer Themen sei die soziale Gerechtigkeit. Der Stadt gehe es gut, doch das gelte nicht für alle Frankfurter. „Enorm wichtig“ seien auch Wohnungsbau und Verkehrspolitik. Hier seien Fortschritte nur gemeinsam mit den Nachbarstädten zu erreichen. Verkehrslärm und Luftverschmutzung seien nicht nur ökologische, sondern auch soziale Probleme. Auch die Ärmeren, die oft an vielbefahrenen Straßen wohnten, hätten das Recht, nachts ruhig zu schlafen. Bei solchen Themen könnten sie sich auf die Frankfurter Grünen verlassen.

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Auf die Frage, was sie denn anders machen wolle als Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), sagte Eskandari-Grünberg, dass sie für gesellschaftlichen Diskurs stehe. Es gehe darum, die „Diskussionsfähigkeit der Stadt“ zu fördern. Die ehrenamtliche Stadträtin wies darauf hin, dass sie die Nöte der Frankfurter kenne. Sie wisse etwa, wie es alleinerziehenden Müttern gehe und welche Schwierigkeiten Migranten bei der Wohnungssuche hätten. Solche Schwierigkeiten wolle sie gemeinsam mit den Bürgern lösen. Das unterscheide sie von ihren Gegenkandidaten.

Ein großes Potential, das noch stärker genutzt werden müsse, sieht Eskandari-Grünberg in der Tatsache, dass Frankfurt eine Universitätsstadt mit rund 60 000 Studenten und vielen hochqualifizierten Wissenschaftlern sei. Frankfurt müsse auch ein starker Wirtschaftsstandort bleiben. Nur so nehme die Stadt genug Geld ein, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Eskandari-Grünberg selbst sieht sich fest im Frankfurter Bürgertum und in dieser „weltoffenen und internationalen Stadt“ verankert: „Frankfurt hat mich immer getragen.“

„Keinen Platz für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“

Grünen-Vorstandssprecherin Marina Ploghaus nennt die Kandidatur von Eskandari-Grünberg eine „klare Absage an populistische Denkmuster“. Die langjährige Integrationsdezernentin, die dieses Amt infolge der hohen Verluste der Grünen bei der Kommunalwahl 2016 hatte aufgeben müssen, sagte, es gebe in dieser Stadt „keinen Platz für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“.

Wie gestern zu hören war, haben die Grünen auch jenseits der Stadtgrenzen und unter Frauen, die kein Grünen-Parteibuch haben, nach einer Kandidatin Ausschau gehalten. Ob Eskandari-Grünberg antreten kann, entscheidet die Parteibasis, die am 29. März zusammenkommt. In den Grünen-Stadtteilgruppen sei die Nominierung mit großer Euphorie aufgenommen worden. Bei der Oberbürgermeisterwahl 2012 hatte die damalige Grünen-Oberbürgermeisterkandidatin Rosemarie Heilig 14 Prozent der Stimmen bekommen, was für Frankfurter Verhältnisse ein beachtliches Ergebnis war.

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