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NS-Gedenken Unterschriften für Umbenennung des Grüneburgplatzes

"Grüneburgplatz" - kennt der Taxifahrer am Hauptbahnhof nicht. Grüneburgweg, Grüneburgpark, ja, diese Bezeichnungen sind ihm vertraut. Aber Grüneburgplatz? Grüneburgplatz1 ist die offizielle Anschrift ...

"Grüneburgplatz" - kennt der Taxifahrer am Hauptbahnhof nicht. Grüneburgweg, Grüneburgpark, ja, diese Bezeichnungen sind ihm vertraut. Aber Grüneburgplatz? Grüneburgplatz1 ist die offizielle Anschrift des Campus Westend, der Bevölkerung besser bekannt als neue Universität im IG-Farben-Haus am Grüneburgpark, wo früher die Amerikaner saßen. Geht es nach der Holocaust-Überlebenden Trude Simonsohn und nach Micha Brumlik, dem Direktor des Fritz-Bauer-Instituts, soll die Adresse demnächst "Norbert-Wollheim-Platz" lauten. Der Vorschlag stammt vom verstorbenen Karl Brozik, lange Jahre Repräsentant der Claims Conference in Deutschland und einer der Väter der Zwangsarbeiter-Entschädigung. Durch eine Unterschriftenaktion wird die Idee nun neu belebt.

Zum ersten Mal in die Öffentlichkeit gebracht hat die Idee Brumlik bei der Enthüllung einer Gedenktafel vor dem IG-Farben-Gebäude, mittlerweile häufig nach seinem Architekten Poelzig-Bau genannt. Man könne nicht aller 25000 Ermordeten namentlich gedenken, sagte an jenem 26.Oktober 2001 Brumlik am Schluß seiner Ansprache: "Aber vielleicht kann unsere Stadt Frankfurt am Main, die diese Universität und dieses Gebäude beherbergt, ein Zeichen setzen und sich dazu entschließen, den ermordeten Buna-Monowitz-Arbeitern im Namen eines von ihnen, nämlich von Norbert Wollheim, stellvertretend die Ehre zu erweisen."

Warum Norbert Wollheim? Er war Häftling im Lager Monowitz und hat die Zwangsarbeit bei der IG Farben überlebt. In die Nachkriegsgeschichte ist er nicht nur als Mitbegründer des Zentralrats der Juden in Deutschland eingegangen, sondern auch als der Mann, der 1952 vor dem Landgericht Frankfurt einen Musterprozeß gegen die "IG Farbenindustrie AG in Abwicklung" angestrengt hat. Wollheim, 1998 in New York gestorben, verklagte den Konzern damals auf Erstattung nichtgezahlten Lohns und bekam in einem aufsehenerregenden Prozeß recht. In der Revisionsverhandlung riet das Oberlandesgericht den Streitparteien zu einer außergerichtlichen Einigung. Es kam zu einem Vergleich, die IG Farben zahlte 30 Millionen Mark an die Claims Conference, die das Geld unter Holocaust-Überlebenden verteilte. Aufgrund dieser Übereinkunft erklärten sich in der Folge auch Volkswagen und Krupp zu Zahlungen an ihre früheren Sklavenarbeiter bereit. Der Wollheim-Prozeß hat damit in gewisser Weise der heutigen Zwangsarbeiter-Entschädigung den Weg bereitet.

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat zweimal von den Bemühungen erfahren, den Grüneburgplatz in "Norbert-Wollheim-Platz" umzubenennen. Im November 2001 schickte ihr der mittlerweile verstorbene Alfred Jachmann, lange Jahre Leiter des jüdischen Altersheimes, einen Brief, in dem er Roth um Unterstützung bat. Drei Jahre später appellierte der Auschwitz-Überlebende Dawid Salz im Kaisersaal bei der Eröffnung einer Ausstellung zum Auschwitz-Prozeß an das Stadtoberhaupt, in Erinnerung an die Leiden der IG-Farben-Zwangsarbeiter, dem Platz vor dem IG-Farben-Haus den Namen "Norbert-Wollheim-Platz" zu geben.

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