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Neue Verkehrsführung : Hauptwache wird zur autofreien Zone

Bild: F.A.Z.

Von morgen an ist die Süd-Nord-Achse durch die Frankfurter Innenstadt für Autos gesperrt. Auch Befürworter des Vorhabens rechnen für die ersten Tage mit Staus rund um die Hauptwache.

          Die Hauptwache wird morgen um 10 Uhr für den motorisierten Verkehr geschlossen. Schon am Dienstag sind die Vorboten zu sehen gewesen: nicht nur Schilder und Infotafeln, sondern auch ein neuer Fahrweg für die Autofahrer. Die Große Gallusstraße ist in westlicher Richtung für den Verkehr geöffnet worden. Jetzt können Autofahrer und andere motorisierte Verkehrsteilnehmer am Roßmarkt von der Kaiserstraße links in Richtung Große Gallusstraße abbiegen. Diese Regelung ist Teil der neuen Verkehrsführung in der Innenstadt. Bestehen bleiben die Abfahrten nach rechts am Salzhaus und an der Katharinenpforte, von wo man weiterhin auf die Berliner Straße gelangen kann.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die wichtigste Änderung besteht darin, dass die Durchfahrt von der Hauptwache zum Eschenheimer Turm von Donnerstag an nicht mehr möglich sein wird. Durch diese Sperrung entsteht in der Innenstadt eine durchgehende Fußgängerzone von der Zeil über die Hauptwache bis zum Rathenauplatz. Die Große Eschenheimer Straße ist künftig nur noch über das Eschenheimer Tor zu erreichen. Autofahrer aus Richtung Untermainbrücke/Untermainkai und Schauspiel können zum Eschenheimer Tor nur über die Neue Mainzer Straße und die Hochstraße gelangen.

          Alle Parkhäuser in der Innenstadt können auf gewohntem Weg erreicht werden. Die Großgarage Hauptwache kann von Süden her über die Berliner Straße angefahren werden. Die schon bisher verbotene Zufahrt über die Hauptwache wird seit einigen Tagen mittels einer aus sogenannten Bischofsmützen bestehenden Absperrung verhindert. Am Donnerstag in einer Woche eröffnet das neue Parkhaus „Palais Quartier“ unter dem früheren Telekom-Gelände. Es ist nur über das Eschenheimer Tor zu erreichen.

          Infotafeln und Schilder am Straßenrand

          Die Änderungen werden schon seit mehreren Tagen auf Infotafeln und Schildern am Straßenrand sowie über Handzettel und im Internet (www.mainziel.de) angekündigt. Dennoch rechnet das Verkehrsdezernat für den Anfang mit Problemen. Am Donnerstag und in den folgenden Tagen dürfte es in der Innenstadt zu Stockungen und Staus kommen. Denn erfahrungsgemäß registriert ein Teil der Autofahrer die Ankündigungen nicht. Erst wenn sie einmal im Stau gestanden haben, prägt sich ihnen ein, dass sie ihren bisherigen Fahrweg nicht mehr nutzen können.

          Die Sperrung der Hauptwache geht auf einen Beschluss des früheren Viererbündnisses von CDU, SPD, Grünen und FDP aus dem Jahr 2002 zurück. Damals hatte diese Regierungskoalition sich in einem Kompromiss darauf verständigt, dem Wunsch von CDU und FDP zu folgen, unter dem Goetheplatz eine Tiefgarage zu genehmigen. Im Gegenzug bekamen SPD und Grüne die Erfüllung ihres alten Wunsches, nämlich der Sperrung der Hauptwache, zugestanden. Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen) begründet die Schließung nicht zuletzt damit, dass die Strecke von der Kaiserstraße zum Eschenheimer Tor hauptsächlich als Nord-Süd-Verbindung genutzt werde. Von den durchschnittlich 18 000 Autofahrern am Tag hätten nur 20 Prozent die Innenstadt zum Ziel.

          Die Schließung hatte sich immer wieder verzögert, nicht zuletzt, weil Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) Bedenken gegen das Projekt hegte. Jetzt, mit der Vollendung des Einkaufszentrums „My Zeil“ und der darunterliegenden Tiefgarage, ist der von CDU und Grünen verabredete Zeitpunkt der Schließung gekommen. Von morgen an wird man nicht mehr mit dem Auto durch das Herz der Innenstadt fahren können.

          IHK übt Kritik

          Nicht alle sind mit der Schließung der Hauptwache einverstanden. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) befürchtet Nachteile für Geschäfte im Zentrum und Staus, weshalb sie das Vorhaben ablehnt. Der frühere Baudezernent Franz Zimmermann (FDP) sagt ein Verkehrschaos zwischen Hauptwache und Berliner Straße voraus und warnt besonders vor Staus im Großen Hirschgraben vor dem Goethe-Haus. Die FDP-Fraktion im Römer gibt sich skeptisch, aber nicht dezidiert ablehnend. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Oesterling wies deshalb die Liberalen darauf hin, dass ihre beiden früheren Fraktionsvorsitzenden Franz Zimmermann und Volker Stein damals dem Beschluss zur Sperrung zugestimmt hätten.

          Selbst in der CDU finden sich Kritiker. Mehrfach hat sich die Junge Union zu Wort gemeldet und das Vorhaben attackiert. Der Handel leide schon seit Jahren extrem unter der Verkehrspolitik, moniert der Vorsitzende der Jugendorganisation, Ulf Homeyer. Zahlungskräftige Kundschaft könne nicht mehr aus dem Umland stressfrei nach Frankfurt fahren.

          „Mittelpunkt für Passanten zurückgewinnen“

          Dagegen verteidigt die oppositionelle SPD die vom Dezernenten Sikorski vorangetriebene Schließung. Die Sperrung der Hauptwache für den Autoverkehr werde sich langfristig positiv auf die Entwicklung der Innenstadt auswirken, sagt ihr Fraktionschef Klaus Oesterling voraus. „Der Mittelpunkt der Stadt, die Hauptwache, kann für die Passanten zurückgewonnen werden.“ Zwischen Rathenauplatz und Konstablerwache entstehe eine unzerschnittene Fußgängerzone. Mit anfänglichen Staus rechnet auch Oesterling. Doch nach einigen Wochen der Eingewöhnung werde sich die Situation normalisieren. Dies sei auch in der Vergangenheit so gewesen, sogar bei größeren Straßenschließungen wie denen der Zeil und der Freßgass’. Nächster Schritt bei der Aufwertung der Innenstadt müsse die Umgestaltung des Hauptwache-Platzes inklusive der Schließung des „Lochs“ in seiner Mitte sein.

          Der SPD-Politiker erinnerte die IHK daran, dass im Gegenzug zur Sperrung der Hauptwache die Tiefgarage unter dem Goetheplatz erlaubt worden sei. Deren Bau habe die IHK viele Jahre lang gefordert. Jetzt müsse sie auch den anderen Teil des Kompromisses akzeptieren.

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