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Neue Türme in Frankfurt Der Streit um die Hochhäuser geht in eine neue Runde

08.09.2008 ·  Die SPD-Fraktion im Römer will die Höhenbeschränkung für neue Türme in Frankfurt weitgehend freigeben. Dafür sollen im Gegenzug die Standorte für weitere Hochhäuser auf eine begrenzte Zone beschränkt werden. Der schwarz-grünen Koalition wirft die SPD „Beliebigkeit“ vor.

Von Rainer Schulze
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Die Mainzer Landstraße ist zwischen Opernplatz und Platz der Republik eine Art städtische Autobahn, die Hochhäuser zu beiden Seiten bedecken sich mit Spiegelglasfassaden. Urbanes Leben gibt es hier nicht mehr. Vor dem permanent schattigen Bistro zwischen zwei Türmen kann es leicht passieren, dass die Serviette unerreichbar weit vom Tisch fliegt. Und Radfahrer müssen sich in die Pedale stemmen, um bei Gegenwind überhaupt von der Stelle zu kommen. Die Bedenken gegen Hochhäuser sind, nimmt man das Gesicht dieser Straße zum Maßstab, nicht von der Hand zu weisen. Aber Frankfurt wäre nicht Frankfurt ohne seine spektakuläre Silhouette. Die SPD-Fraktion will darum die Höhenbeschränkung für neue Türme in der Stadt weitgehend freigeben. Allerdings sollen im Gegenzug die Standorte für weitere Hochhäuser auf eine streng begrenzte Zone beschränkt werden. Der Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling schildert die Position der SPD als Ergebnis einer Grundsatzentscheidung: „Die Frage lautet: Will man streuen oder konzentrieren?“

„Zehn Meter mehr, zehn Meter weniger“ – nicht nur in der Höhenentwicklung, auch wegen der Anordnung der Hochhäuser, wie sie der neue Hochhausrahmenplan der Koalition vorsieht, wirft die SPD Schwarz-Grün „Beliebigkeit“ vor. Die „Streuung über die Stadt“, wie sie das Konzept nach Meinung der Sozialdemokraten vorsieht, solle vermieden werden. Die SPD-Fraktion schlägt darum vor, die Hochhäuser nur noch in der rotumrandeten Zone der Grafik zu erlauben. Diese Zone deckt sich weitgehend mit dem Banken- und dem Messeviertel, umfasst aber auch Standorte wie die drei auf dem südlichen Teil des Campus Bockenheim geplanten Türme. Eine Höhenbeschränkung solle nur ausgesprochen werden, falls Schattenwurf oder Luftzirkulation dies erforderlich machten. Außerhalb dieser beiden „Cluster“ soll es nach der Vorstellung der Fraktion keine weiteren Hochhäuser im Stadtgebiet geben. Vorhaben, für die schon Planungsrecht besteht, sind davon ausgenommen. Das Degussa-Gelände und die Spitze der Osthafenmole schieden als Standorte damit ebenso aus wie die Umgebung der Stiftstraße. „Wir wollen kein weiteres Ausfransen der Silhouette in Richtung östliche Innenstadt zulassen“, sagt Oesterling. Den Campanile will die SPD allerdings mittragen.

Etliche Standorte sind weit über die Stadt verstreut

Im neuen Hochhausrahmenplan ist im Vergleich zu der von dem Stadtplaner Jochem Jourdan vorgeschlagenen Liste in der Marieninsel nur ein Standort übrig geblieben, der ein Hochhaus mit Fernwirkung tragen dürfte. Trotz des im Vorwort formulierten Willens zur Clusterbildung sind etliche Standorte weit über die Stadt verstreut. Die Umgebung des Eschenheimer Turms, wo an der Stiftstraße zwei neue Wohntürme geplant sind, wird als „ein neues kleines Cluster“ bezeichnet. An der Osthafenmole ist ein Hotelturm geplant. Andere Projekte sind in ihrer Höhe beschnitten worden, ohne dass dies im Einzelfall einleuchtet. Der Campanile südlich des Hauptbahnhofs ist auf 100 Meter begrenzt, obwohl sein Schatten bei der von Jourdan vorgeschlagenen Höhe von 180 Metern fast vollständig auf das Bahngelände fiele. Der Wunsch der DZ-Bank, am Platz der Republik ein drittes Hochhaus zu bauen, ist wegen der befürchteten Verschattung des Westends nicht berücksichtigt worden. Der Hochhausrahmenplan sei nur ein „Plänchen“, unkte die SPD-Fraktion, als Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) den Hochhausrahmenplan im April vorstellte. Ihr jetzt präsentiertes Hochhauskonzept versehen die Sozialdemokraten mit einer Spitze. „In der Tradition von Martin Wentz wird der Grundsatz der Konzentration fortgeschrieben“, sagte Oesterling. Das dürfte nicht nur den ehemaligen sozialdemokratischen Planungsdezernenten freuen, sondern vor allem den amtierenden Stadtrat ärgern. Hält er sich doch zugute, den grünen „Hochhausgegnern“ zumindest einige Zugeständnisse abgerungen zu haben.

Es ist bekannt, dass Schwarz selbst kein Freund der Beschränkungen ist. So dürfte seine Meinung zum Vorhaben der DZ-Bank weitaus wohlwollender sein als die des Koalitionspartners. Der DZ-Turm am Platz der Republik fiele in die von der SPD befürwortete Hochhauszone. Konsequent betrachtet Oesterling das Grundstück darum auch als einen „potentiellen Standort“.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die Koalition zustimmen wird

Ihr Konzept wird die SPD-Fraktion als Antrag in die Stadtverordnetenversammlung einbringen: Der Hochhausrahmenplan steht für Montag auf der Tagesordnung des Planungsausschusses. Sollte ihm der Ausschuss zustimmen, werden die Stadtverordneten voraussichtlich am 25. September über das Schicksal des Plans befinden. Wie zu hören ist, wird hinter den Kulissen noch um den einen oder anderen Standort gerungen. Es gilt dennoch als wahrscheinlich, dass die Koalition zustimmen wird.

Auch die FDP-Römerfraktion bittet in einem Antrag, den vorgelegten Hochhausrahmenplan in einigen Punkten zu korrigieren. So wird ein neues Hochhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zu Messeturm und Festhalle abgelehnt. „Wir wollen, dass die freie Sicht auf Festhalle und Messeturm sowie auf den Hammering nicht gestört wird“, heißt es in der Begründung. Auch die Liberalen fordern, die Höhenbegrenzung bei Solitärstandorten aufzugeben.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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