17.04.2007 · Viele Schüler büffeln in Nachhilfe-Instituten - und haben auch noch Spaß daran. Der Unterricht ist allerdings nicht ganz billig: Einzelbetreuung kostet rund 35 Euro je Stunde.
Von Stefanie von StechowKevin macht’s, Nina macht’s, Marc macht’s. Und Joya, Konrad und Raoul machen es auch. Sie alle gehen nachmittags zur Nachhilfe oder zur unterrichtsbegleitenden Betreuung, zum Mathe-Üben oder Lese-Rechtschreib-Training. Zusätzlich zu ihren Schulaufgaben sitzen sie noch an einem oder mehreren Nachmittagen in der Woche in Nachhilfe-Instituten oder Nachmittagsschulen und – viele sitzen sogar gerne da.
Zum Beispiel Raoul. Er geht aufs Gymnasium und ist 14 Jahre alt. Er hockt zwar nicht gerade begeistert sieben Stunden in der Woche bei Capito in Frankfurt-Ginnheim. Aber er weiß, dass es wichtig ist: „Mein Halbjahrszeugnis war einfach sehr schlecht“, erzählt er ganz ehrlich. „Gemeinsam mit meiner Mutter haben wir dann überlegt, wie wir das in den Griff bekommen könnten.“ In Französisch und Latein muss Raoul am meisten nachholen, aber auch in allen anderen Fächern kann er seine Nachhilfelehrer zu jedem Problem befragen. „Ich überlege mir vorher, was ich heute machen muss“, erzählt er, „und das arbeite ich dann dort durch.“
„Viele schaffen eine deutliche Verbesserung“
Seit zwei Monaten bereitet er so den Unterrichtsstoff nach oder Klassenarbeiten vor. Und er ist zufrieden: „Wir lernen in kleinen Gruppen, das ist viel einfacher als zu Hause alleine“, sagt er. „Man kann immer jemanden fragen und wird beaufsichtigt.“ Letzteres ist Raoul sogar besonders wichtig: „Zu Hause kommt man doch immer in Versuchung, schnell mal ein bisschen Musik zu hören oder am PC zu chatten“, sagt er grinsend. Ja, inzwischen hat Raoul gut lachen: Die letzte Arbeit, die er zurückbekam, war „gut“. In zwei Monaten lässt sich schon einiges verändern. Und so steigen die Schülerzahlen bei vielen Nachhilfeschulen im Frühjahr auch sprunghaft an. „Nach den Halbjahreszeugnissen melden sich am meisten Schüler an“, erzählt Gudrun Bals von der „Lernhilfe“. „Und viele schaffen bis zum Sommer schon eine deutliche Verbesserung.“
Die neunjährige Nina braucht eigentlich keine Nachhilfe. Sie ist eine gute Schülerin. Aber in Mathe fehlten ihr ein bisschen Sicherheit und Routine. Über Freunde hörte sie von der Kumon-Methode: „Das macht total Spaß“, erzählt sie fröhlich. „Ich bin dann immer ganz stolz, wenn ich wieder ein Heft geschafft habe.“ Bei Kumon geht es um häufiges Üben der immer gleichen Rechenarten – auf Zeit. „Jedes Kind übt in seinem eigenen Tempo an seinen eigenen Schwachstellen und soll auch seine Fehler möglichst selbst entdecken“, berichtet Ninas Mutter begeistert. Einmal in der Woche gehen die Schüler für eine halbe Stunde ins Kumon-Lernzentrum, jeden Tag rechnen sie ein paar Seiten zu Hause. Die „Selbstlernfähigkeit entfalten und weiterentwickeln“ nennen das die Kumon-Pädagogen.
Ob Capito, Lernhilfe, Studienkreis, Schülerhilfe, Kumon oder LOS (ein Lehrinstitut mit speziellem Training bei Lese-Rechtschreib-Schwäche) – es gibt Hunderte verschiedener Möglichkeiten, gegen Schulschwierigkeiten anzukämpfen. Viele pensionierte Lehrer oder Studenten bieten auch privaten Einzelunterricht an. Doch woher weiß man, ob sie wirklich gut sind?
Hilfe für Legastheniker
Für Nachhilfeschulen gibt es vom hessischen Bildungsministerium neuerdings einen Katalog mit Punkten, die gute Institute erfüllen sollten: zum Beispiel intensive Beratung, regelmäßige Elterngespräche, kurze Vertragslaufzeiten, kleine Lerngruppen. „Außerdem gibt es inzwischen RAL- und TÜV-Gütesiegel für Nachhilfeschulen“, sagt Marion Steinbach vom Bundesverband der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen. Und so ein Siegel erhalten natürlich nur die Schulen, die sich ausdrücklich von dubiosen Sekten distanzieren.
Konrad ist elf Jahre alt und hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Zweimal in der Woche besucht er jetzt ein spezielles Training gegen den Buchstabensalat in seinem Kopf. „Früher dachte ich immer, Deutsch wäre nicht mein Fach“, erzählt er. „Jetzt weiß ich, ich bin Legastheniker, das ist vererbt, nichts Schlimmes, und ich kann etwas dagegen tun.“ Immer wieder werden zurzeit die Worte mit kurzen Vokalen gelesen, geschrieben, geklatscht und geübt. Wochenlang. Und es hilft: „Meine Diktate sind schon viel besser geworden“, sagt Konrad.
Marc, der 14 ist und in die achte Klasse einer Gesamtschule geht, ist richtig froh, dass er sich für Nachhilfe entschieden hat: „Mir macht das Lernen in der Gruppe viel mehr Spaß als allein zu Hause“, sagt er. Stolz zeigt er die Übungsaufgaben, die er gerade gelöst hat, „das ging jetzt schon richtig gut“. Der dreizehnjährige Kevin, der neben ihm sitzt, erzählt, dass er sich schon um etwa zwei Noten verbessert hat. „Hier ist es viel besser als zu Hause, wo alle immer nur Erwartungen an mich hatten.“ So verbessert die Nachhilfe in manchen Fällen nicht nur den Zeugnisdurchschnitt, sondern dient auch dem Familienfrieden.
Es geht auch günstiger und besser - private Nachhilfe!
Sascha Hausig (hausig)
- 23.04.2007, 00:47 Uhr