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Nach Imam-Rücktritt Moschee-Generalsekretär kündigt „klare Position“ an

23.02.2010 ·  Nach dem Rücktritt von Sabahattin Türkyilmaz als Imam der Frankfurter Hazrat-Fatima-Moschee wird deren angekündigte Pressekonferenz mit Spannung erwartet. Die Rücktrittserklärung werfe mindestens so viele Fragen auf, wie sie beantworte, heißt es bei der Diözese Limburg.

Von Stefan Toepfer
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Nach dem Rücktritt von Sabahattin Türkyilmaz als Imam der schiitischen Frankfurter Hazrat-Fatima-Moscheegemeinde wird deren für heute angekündigte Pressekonferenz mit Spannung erwartet. Wie berichtet, hatte Türkyilmaz seinen Rückzug damit begründet, dass er Schaden von der Gemeinde abwenden wolle. Er hatte von einer „hasserfüllten Schmutzkampagne“ gegen ihn und die Gemeinde gesprochen.

Deren Generalsekretär Ünal Kaymakci wollte sich vorher nicht zu der Erklärung des Imams äußern und verwies auf die Pressekonferenz, in der die Gemeinde „gebündelt“ Antwort geben wolle. Offen ist, inwieweit sie hinter dem Geistlichen steht. Der Imam hatte davon gesprochen, dass die Gemeinde ihm „ihr vollstes Vertrauen“ ausgesprochen habe. Auch dazu werde er sich heute äußern, sagte Kaymakci. „Wir werden eine ganz klare Position vermitteln.“

Persönliche Erklärung angekündigt

Kaymakci kündigte außerdem an, sich nicht nur im Namen der Gemeinde, sondern auch persönlich äußern zu wollen. Das wird schon seit einigen Tagen von ihm erwartet, da er ein gefragter Gesprächspartner der Politik und der Kirchen ist. So hat er einen Sitz an dem von der Landesregierung einberufenen Runden Tisch zur Vorbereitung eines islamischen Religionsunterrichts und ist stellvertretender Vorsitzender des Frankfurter Rates der Religionen und der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen.

Die Frankfurter Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) sagte, sie erwarte heute „klare Worte“, die es in den vergangenen zwei Wochen nicht gegeben habe. „Der Gemeinde und ihren Vertretern sollte ganz klar sein, dass Grauzonen und Zweideutigkeiten inakzeptabel sind.“ Damit dürfte sie auch Kaymakci gemeint haben.

Der integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Kirchner, forderte den Generalsekretär zu einer Stellungnahme auf und verwies auf dessen Rolle als Generalsekretär der Jugendorganisation „Ahl-ul Bait Jugend Europa“. Das Fernsehmagazin „Defacto“ hatte am Sonntag darüber berichtet. Die Organisation hat ihren Sitz in jener Berliner Gemeinde, deren Imam Türkyilmaz war, bevor er nach Frankfurt kam. Es sei schwer zu glauben, dass Kaymakci nicht um dessen Ansichten gewusst habe, so das Magazin.

Antisemitismus vorgeworfen

An dessen Bericht vor zwei Wochen hatte sich die Diskussion entzündet. Dem Imam wurde Antisemitismus vorgeworfen, da er sich an einer Al-Quds-Demonstration in Berlin beteiligt hatte sowie an einer weiteren, auf der „Tod, Tod Israel“ gerufen worden war. Die Al-Quds-Kundgebungen gehen auf Ajatollah Khomeini zurück und sollen ein Ausdruck der Solidarität mit den Palästinensern sein. Hinzu kam eine Predigt, die Türkyilmaz 2009 zum Al-Quds-Tag gehalten hatte. In ihr hatte er gesagt, nur weil die Muslime zu der Besatzung Palästinas geschwiegen hätten, „konnten die Imperialisten Afghanistan und Irak ebenso besetzen“. Und: „Möge Allah das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien.“

Der Frankfurter Rat der Religionen distanzierte sich schon von dem Imam, da die Al-Quds-Kundgebungen antisemitisch seien und das Existenzrecht Israels in Frage stellten. Der Imam bestritt, sich antisemitisch geäußert zu haben, auch in der Stellungnahme zu seinem Rücktritt. Er verurteile Antisemitismus, distanziere sich aber auch vom Zionismus, sagt er dort. Beides seien Formen von Rassismus. Auf die Gemeinde sei „undemokratischer Druck“ ausgeübt worden.

Ähnlich argumentiert ein Eintrag auf der Internetseite Muslim-Markt, auf der es auch heißt, der Rat der Religionen sei ein „Gehilfe des Zionismus“ geworden. Alle Muslime beteten für Kaymakci, dass er die „richtigen Auswege aus der Falle, die ihm gestellt wurde, finden möge“.

Diözese Limburg: Viele Fragen

Der Vorsitzende des Rates, Athenagoras Ziliaskopoulos, wollte sich nicht mehr zu dem Fall äußern. Er warte gespannt auf die Pressekonferenz. Der Rhein-Main-Zeitung hatte er am Samstag gesagt, die Art, in der Kaymakci sich heute positioniere, werde auch bestimmen, in welchem Maß er ein Gesprächspartner für Politik und Kirchen bleiben könne.

Joachim Valentin, Islambeauftragter der Diözese Limburg und Leiter des Hauses am Dom in Frankfurt, sagte, die Rücktrittserklärung des Imams werfe mindestens so viele Fragen auf, wie sie beantworte. „Wir wissen nicht, wo Kaymakci und die Gemeinde stehen.“ Der Rücktritt sei ein richtiger Schritt, aber leider nicht von Einsicht getragen gewesen. Der Konflikt habe aber gezeigt, dass der Rat der Religionen funktioniere.

Kirchner kritisierte, dass sich der Moscheeverein bis heute nicht von der geistigen Haltung distanziert habe, die einer Teilnahme an den Al-Quds-Kundgebungen innewohne. Die Gemeinde solle sich auch symbolisch von Türkyilmaz’ Äußerungen distanzieren. Er schlug vor, den noch nicht verbauten Grundstein für deren geplante Moschee im Stadtteil Hausen neu „einsegnen“ zu lassen.

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