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Nach Gewässerproben : Viele resistente Keime im Eschbach

Trügerische Idylle: Der Eschbach in Nieder-Eschbach eignet sich nicht zum Baden. Bild: Hedwig, Victor

Gewässerproben nach einem Unglücksfall belegen eine hohe Belastung der Bäche. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass auch der Erreger der Uniklinik von dort kam.

          Das multiresistente Bakterium Klebsiella pneumoniae, das im Frühjahr an der Universitätsklinik aufgetreten ist, konnte nicht im Eschbach nachgewiesen werden. Das haben gestern Experten in einer Pressekonferenz des Gesundheitsamts mitgeteilt. Allerdings wurde in dem Gewässer im Norden Frankfurts eine große Zahl anderer resistenter Erreger entdeckt, die nicht weniger gefährlich sind. „Wir können deshalb weder bestätigen noch ausschließen, dass der Erreger aus dem Bach kam“, sagte Martin Exner, Leiter des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit der Universität Bonn, der hinzugezogen worden war. Die Suche nach dem Erreger ist nach Angaben der stellvertretenden Leiterin des Gesundheitsamts, Ursel Heudorf, inzwischen eingestellt worden.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie berichtet, war Ende März ein Mann in Nieder-Eschbach in den Eschbach gefallen und fast ertrunken. Er wurde zunächst im Klinikum Offenbach behandelt, wo ihm Wasser, Schlamm und Blätter aus der Lunge abgesaugt wurden, und später wegen einer Infektion an die Uniklinik verlegt. Dort entdeckten die Mikrobiologen bei ihm den Erreger Klebsiella pneumoniae, der gegen alle vorhandenen Antibiotika und das Reservemittel Colistin resistent ist. Später wurde dieser Erreger an vier weiteren Patienten nachgewiesen, wobei die Ärzte von einer Übertragung im Krankenhaus ausgingen. Der Mann aus Nieder-Eschbach und zwei weitere Patienten starben kurz darauf an ihren Grunderkrankungen.

          Sind Kläranlagen Brutquellen für Bakterien?

          Uniklinikum und Gesundheitsamt begaben sich auf die Suche nach dem Ursprung des Erregers. Da keines der bekannten Risiken für die Besiedlung mit multiresistenten Erregern auf den ersten Patienten zutraf – er war zuvor weder im Ausland noch im Krankenhaus gewesen und auch nicht mit Antibiotika behandelt worden – vermuteten die Ärzte, dass er den Erreger im Bach aufgenommen hatte. Da die Unfallstelle nicht genau bekannt war, wurden zunächst Proben aus dem falschen Bach, dem Mühlgraben, genommen und untersucht, später auch aus dem Eschbach. In keiner der Proben wurde das spezielle Bakterium gefunden. Heudorf geht dennoch davon aus, dass das Bakterium aus dem Bach kam: „Für mich ist der Zusammenhang plausibel, wenn auch nicht nachgewiesen.“

          Das Gesundheitsamt entnimmt vierteljährlich Wasserproben aus allen Gewässern im Stadtgebiet. Alle seien mit Darmbakterien belastet und eigneten sich weder zum Bewässern von Nutzpflanzen und Spielplätzen noch zum Baden, sagte Heudorf. Die Belastung sei dort besonders hoch, wo Kläranlagen Wasser einführten. „Kläranlagen sind mögliche Brutquellen für Bakterien“ sagte Exner. Die Proben aus Nieder-Eschbach zeigten aber, dass der Mühlgraben, in den kein Wasser aus einer Kläranlage fließe, genauso belastet sei, berichtete Heudorf. Die Bakterien könnten dort von Wildtieren und Vögeln eingebracht sein.

          In den Bachproben ist auch ein multiresistenter Erreger entdeckt worden, der 2014 an einer Klinik in Südhessen ausgebrochen war, wie Trinad Chakraborty, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie der Universität Gießen/Marburg, berichtete. Damals sei das Bakterium an 132Patienten nachgewiesen worden, erzählte Exner. Es sei mit einer Rohrreinigungsspirale aus Patientenbädern in den Abfluss der Küche gelangt, habe sich dort ausgebreitet und sei schließlich sogar in kalten Speisen wie Schokopudding und Nudelsalat nachgewiesen worden. Dieser Fall zeigt laut Exner, dass in den Kliniken neben der Händedesinfektion stärker die Wasserhygiene beachtet werden muss.

          Auch wenn das multiresistente Bakterium Klebsiella pneumoniae nicht im Bach entdeckt wurde, können die Experten inzwischen etwas zu seinem Ursprung sagen. Die „Stammbaumsuche“ in Gießen hat ergeben, dass Bakterien mit der gleichen Resistenz in der Vergangenheit aus Italien gemeldet wurden.

          Quelle: F.A.Z.

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