Home
http://www.faz.net/-gzh-14kqw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Nach Casino-Räumung AStA soll Schaden ersetzen

05.12.2009 ·  Das Studentenwerk Frankfurt will vom AStA der Universität Schadenersatz für die Zerstörungen und Umsatzausfälle fordern, die während der Besetzung des Casinos auf dem Westend-Campus entstanden sind. In einem Schreiben heißt es, man sei "empört und irritiert“.

Von Sascha Zoske, Frankfurt
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Das Studentenwerk Frankfurt will vom AStA der Universität Schadenersatz für die Zerstörungen und Umsatzausfälle fordern, die während der Besetzung des Casinos auf dem Westend-Campus entstanden sind. In einem Schreiben an die AStA-Vorsitzenden Nadia Sergan und Jonas Erkel heißt es, man sei „empört und zugleich irritiert, dass nach den Übergriffen im vergangenen Jahr gegen die Mitarbeiter unseres Cafés im House of Finance sich die Aktionen des AStA abermals gegen das Studentenwerk Frankfurt am Main richten“. Die Besetzer des Casinos hätten Werte vernichtet, die auch von Studierenden erwirtschaftet worden seien und diesen nun nicht mehr zur Verfügung stünden.

Nach Schätzungen der Universität summieren sich allein die Umsatzausfälle, die das Studentenwerk durch die Teilschließung der Casino-Mensa erlitten hat, auf bisher 50 000 Euro. Sergan und Erkel waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

„Wir lehnen derzeit eine offizielle Diskussion mit dem Präsidenten ab“

Universitätspräsident Werner Müller-Esterl hat am Freitagmorgen eigenen Angaben zufolge das Gespräch mit Studenten gesucht, die an einer Protestversammlung im IG-Farben-Haus teilnehmen wollten. Im Foyer des Gebäudes habe er Fragen beantwortet, zu der Zusammenkunft selbst sei ihm jedoch der Zutritt verwehrt worden. „Wir lehnen derzeit eine offizielle Diskussion mit dem Präsidenten ab“, teilten die Organisatoren des „Protestplenums“ hierzu mit. Müller-Esterl habe seine Funktion als Ansprechpartner der Studierenden verwirkt und mit der „gewaltsamen Räumung“ und der „öffentlichen Lüge“ über den Polizeieinsatz sowie das Ausmaß der Schäden im Casino jede Gesprächsgrundlage zerstört.

Die Universität verwies unterdessen darauf, dass viele Studenten in Zuschriften ihre Empörung über die Zerstörungen im Casino ausgedrückt hätten. In einem Flugblatt, das nach Angaben der Uni-Pressestelle auch über das Internet verbreitet wird, heißt es: „Das ist kein Streik, das ist keine Meinungsäußerung, das ist Vandalismus, das ist kriminell, das ist nicht zu tolerieren.“ Aus dem Aufruf ist nicht zu erkennen, wer ihn verfasst hat. Neun Fachschaften und Fachgruppen aus Natur-, Rechts- und Geisteswissenschaften distanzierten sich von „Vandalismus und Sachbeschädigung“ während der Casino-Besetzung. „Das Verhalten des AStA in diesem Zusammenhang können wir nicht nachvollziehen.

Dozenten kritisieren Räumung des Casinos

Mehrere Dozenten haben dagegen in einer Erklärung die Entscheidung des Präsidenten kritisiert, das Casino räumen zu lassen. Es habe sich hierbei um einen „nicht akzeptablen Eingriff in die Freiheit von Forschung und Lehre“ gehandelt. Während der Besetzung hätten sich Studenten in mehr als 70 Workshops mit Hochschulreformen und Studienbedingungen auseinandergesetzt. „Die ausschließliche Fokussierung auf ,Vandalismus‘ dient einzig der Delegitimierung und Kriminalisierung des Protests.“ Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehört Frank Nonnenmacher, ehemaliger Dekan des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften.

Bei der Studentendemonstration am Donnerstagabend, die sich gegen die Casino-Räumung richtete, sind nach Angaben der Polizei mehrere Polizisten durch Knallkörper verletzt worden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1969, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr