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Musikabspieler für Gehörlose Leiser Lautsprecher

17.11.2010 ·  Studenten der Frankfurter Fachhochschule wollen ein Gerät entwickeln, das Gehörlosen Musik vermittelt. Auf der Frankfurter Kommunikationsmesse „Voice+IP“ wurden sie dafür mit dem „Zukunftspreis Kommunikation“ ausgezeichnet.

Von Timo Brücken
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Beim Arbeiten läuft das Radio, in der U-Bahn stecken wir die Stöpsel des MP3-Players in die Ohren, und zu Hause wird nach Feierabend die Lieblings-CD eingelegt - für viele Menschen ist es ganz selbstverständlich, immer und überall Musik zu hören. Nicht so für Gehörlose: Ihre Welt bleibt still, Musik können sie auf normalem Wege nicht oder nur sehr eingeschränkt wahrnehmen.

Sebastian Thiele und Tristan Possmann möchten daran etwas ändern: Die beiden Studenten der Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Frankfurt entwickeln ein Gerät, mit dem auch hörgeschädigte und gehörlose Personen Musik genießen können - in Form von Vibrationen. „Töne sind nichts anderes als Vibrationen, die erst durch ihre Frequenz für uns hörbar werden“, sagt Possmann. Warum also nicht den umgekehrten Weg gehen und aus den Tönen spürbare Schwingungen machen? Damit man die „Musik fühlen“ kann - so haben die beiden ihr Projekt kurzerhand betitelt.

Textzeilen auf einem Bildschirm

Eine spezielle Software zerlegt das jeweilige Musikstück in einzelne Tonspuren und wandelt sie je nach Lautstärke und Instrument in entsprechende Vibrationsspuren um. Diese werden durch ein Touchpad wiedergegeben, auf das der Gehörlose seine Hand legt. Die passenden Textzeilen werden zusätzlich auf einem Bildschirm angezeigt, ähnlich wie bei einem Karaoke-Automaten. Der Nutzer fühlt und liest die Musik also, statt sie zu hören. Soweit zumindest der Plan, denn bisher ist das Projekt von Thiele und Possmann noch nicht mehr als eine Idee.

Aber eine, mit der sich Preise gewinnen lassen: Auf der Frankfurter Kommunikationsmesse „Voice+IP“ wurden die Studenten kürzlich mit dem „Zukunftspreis Kommunikation“ ausgezeichnet. Und das, obwohl die meisten ihrer Mitbewerber mehr als nur Gedanken vorzuweisen hatten: „Wir hatten eigentlich gar nicht damit gerechnet zu gewinnen“, gibt Thiele zu. Die Jury sah darüber hinweg: „Wir möchten Projekte hervorheben, die visionär sind, auch wenn sie noch nicht ganz perfekt sind“, sagt Preisrichter Hans Joachim Wolff vom Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation. Der Preis hebe das Projekt außerdem „in eine ganz andere Position“. So sehen es auch die jungen Entwickler: „Jetzt, wo wir gewonnen haben, wollen wir das auch wirklich realisieren“, sagt Possmann. Das Preisgeld von 5000 Euro sei dafür „zumindest eine Grundlage“.

Gefahr eines „Musikbreis“

Die Idee zu „Musik fühlen“ kam den beiden Drittsemestern am Anfang ihres Studiums bei der Arbeit an einem Referat über Mensch und Maschine. Thiele überlegte damals, wie ein Computer einen Gehörlosen zum Beispiel auf das Drücken der falschen Taste hinweisen kann, den üblichen Piepton höre er ja nicht. „Tristan kam dann auf die Idee mit der Vibrationswiedergabe.“ Und Possmann dachte weiter nach: „Welche großen Nachteile hat ein Gehörloser?“ Für ihn als Musikliebhaber lag die Antwort auf der Hand, und das Projekt war geboren. Eine Studie des amerikanischen Radiologen Dean Shibata von 2001 bestärkte Thiele und Possmann zusätzlich. Shibata hatte herausgefunden, das taube Menschen Vibrationen genau in dem Teil des Gehirns wahrnehmen, den andere zum Hören nutzen. Vibration statt Ton - das erschien also sinnvoll.

Bei allem planerischen Enthusiasmus stellt sich eineinhalb Jahre später aber immer noch die Frage nach der technischen Machbarkeit: „Von der elektronischen Seite her ist es möglich“, versichert Thiele, nur die Vibrationsbausteine könnten Schwierigkeiten machen. Man brauche sehr präzise Elemente, die zum Beispiel auch die feinen Töne einer Piccoloflöte wiedergeben könnten.Bei vielschichtigen Arrangements bestehe außerdem die Gefahr eines „Musikbreis“, wenn die Vibrationsspuren gleichzeitig abliefen, erklärt Possmann. Hier sehen die Entwickler zwei Lösungen: Entweder wähle der Nutzer aus, welche Tonspuren einzeln oder gleichzeitig abgespielt werden, oder das Touchpad bekomme mehrere Zonen, „auf die dann jeweils ein Instrument oder ein Ton gelegt werden kann“, erklärt Thiele. Jeder Finger fühlt dann ein anderes Instrument.

In zwei Jahren möchten die beiden Studenten einen Prototypen ihres Geräts präsentieren können. Bis dahin sollten natürlich auch gehörlose Probanden das Touchpad testen, sagt Thiele. Und er träumt noch weiter, von einer tragbaren Variante: Statt Stöpseln in den Ohren trägt man dabei einen vibrierenden Handschuh.

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