09.06.2008 · Wohin mit dem Museum der Weltkulturen? Auf dem Degussa-Areal ist kein Platz für den Neubau vorgesehen. Doch auch das Angebot des Offenbacher Oberbürgermeisters, die Hafenmole zur Verfügung zu stellen, stößt in Frankfurt auf ein geteiltes Echo.
Der geplante Neubau für das Frankfurter Museum der Weltkulturen wird nicht auf dem Degussa-Areal entstehen. Der Eigentümer des Grundstücks, die Deutsche Immobilien Chancen (DIC), hat mitgeteilt, in den Planungen für die zwei Hektar große Fläche keinen Platz mehr für das Museum zu reservieren.
Die DIC reagierte damit offenkundig auf Berichte, wonach nun auch Offenbach auf seiner Hafenmole ein Grundstück für das Museum anbietet. Damit ist die Debatte aus Sicht der DIC anscheindend unberechenbar geworden. Das Immobilienunternehmen war im vorigen Jahr von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und anderen Magistratsmitgliedern gebeten worden, das Degussa-Areal auf seine Eignung für den geplanten Neubau zu prüfen.
Kulturdezernent wenig erbaut von Offenbacher Offerte
Das Angebot des Offenbacher Oberbürgermeisters, die Hafenmole zur Verfügung zu stellen, ist in Frankfurt und der Region auf ein geteiltes Echo gestoßen. Berthold Gall (CDU), Landrat des Main-Taunus-Kreise und Sprecher der CDU im Rat der Region, erinnert der Vorschlag des Offenbacher Oberbürgermeisters an das spektakuläre Projekt der Elbphilharmonie in Hamburg. „Der erhabene Standort auf einer Insel in Main – das hat schon etwas“, sagte Gall. Aus Sicht der Region sei dies „kein zu verachtender Vorschlag“. Eine Zusage, dass sich die Region an dem Vorhaben beteilige, mochte der CDU-Politiker aber nicht geben, schließlich sei es ausgerechnet Schneider gewesen, der bisher das regionale Projekt eines gemeinsamen Kulturfonds abgelehnt habe. Sollte Schneider einen Einsatz der Region erwarten, so müsse er auch an dieser Stelle mitmachen. Zunächst sei nach dem „Aufschlag“ aus Offenbach ohnehin der „Return von Frankfurt“ gefordert.
Der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) zeigt sich wenig erbaut von dem Vorschlag und sieht „kulturpolitisch, finanzpolitisch und regionalpolitisch viele Fragen offen“. Das Museum sei im Verbund mit den anderen Häusern und deren Kollektionen am Museumsufer geplant gewesen. „Eine Verlagerung nach Offenbach würde dem Haus einen ganz anderen Charakter geben.“ Die ethnologische Sammlung sei von Frankfurter Bürgern gestiftet worden und gehöre daher in ein Museum in der Stadt. Es sei schwer vorstellbar, dass eine „andere Gebietskörperschaft“ über diese Werke verfüge, also müsse darüber gesprochen werden, wer der Träger eines solchen Museums sei. Zudem sei unklar, so Semmelroth weiter, wie ein solches Haus finanziert werden könne. Es gehe nicht nur darum, einen „architektonischen Solitär“ zu errichten, sondern vor allem auch um die Folgekosten.
Freie Wähler: Kosten für Neubau prüfen
Was die Erreichbarkeit der Hafenmole angeht, wurde in Offenbach darauf hingewiesen, dass eine Bootsverbindung denkbar sei. Wer etwa in London von der „Tate Britain“ aus mit einem Schiff zur „Tate Modern“ in einem ehemaligen Kraftwerk am Themseufer gelangen wolle, könne im 40-Minuten-Takt zwischen den beiden Museen pendeln. Würde eines Tages ein Museumsboot zwischen dem Eisernen Steg in Frankfurt zum Museum der Weltkulturen auf der Offenbacher Hafeninsel fahren, müsste man nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamt in Frankfurt mit einer Fahrzeit von zirka 40 Minuten rechnen. Zwar sind der Eiserne Steg und die Hafeninsel nur vier Kilometer voneinander entfernt, doch die Schiffe müssen durch die Offenbacher Schleuse; das dauert mindestens eine Viertelstunde.
Die Freien Wähler (BFF) im Römer bezeichnen den Vorschlag Schneiders als „positive Idee“. Das Sachsenhäuser Museumsufer würde über Stadtgrenzen hinweg fortgeführt, heißt es in einer Mitteilung. Im Gegensatz zum Degussa-Areal lasse sich auf der Mole ein architektonischer „Leuchtturm“ errichten. Das exotische Kula-Boot, eines der bedeutendsten Stücke der Sammlung, die in dem Neubau endlich gezeigt werden könnten, wäre nach Ansicht der Freien Wähler ein gutes Symbol für die neue regionale Zusammenarbeit, schließlich habe es der freundschaftlichen Kontaktaufnahme zwischen Inseln der Südsee gedient. Allerdings müsse zunächst geprüft werden, wie teuer ein Neubau im Vergleich zu einem Erweiterungsbau am bisherigen Standort am Museumsufer ausfiele.
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