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Museum für Kommunikation Omas im Metaversum

Das Frankfurter Museum für Kommunikation will Älteren die Orientierung in den neuen Medien erleichtern. In den Workshops ist die Welt des Internets ebenso Thema wie der Umgang mit Mobiltelefonen.

© Helmut Fricke Vergrößern Museum für Kommunikation: Die weite Welt des Internets für ältere Leute

Connor Stradjinski hat ein breites Kreuz. Die Muskeln zeichnen sich unter dem weißblau gestreiften T-Shirt ab. Er ist jung – gerade 23 soll er sein –, und doch bewegt er sich wie ein alter Mann. Stockend setzt er einen Fuß vor den anderen, bleibt abrupt stehen und wendet sich mechanisch nach rechts. Schuld ist wahrscheinlich der geringe Speicherplatz auf der Festplatte: Connor Stradjinski ist ein Avatar, eine animierte Figur in „Second Life“, einer virtuellen Welt im Internet. Rosemarie Willems bedient ihn. Ihrem Avatar ähnelt sie nicht – sie ist 70 Jahre alt, hat graue, leicht gelockte kurze Haare, weiche Gesichtszüge und trägt einen blaumelierten Wollpullover. Per Mausklick führt sie Connor durch die virtuelle Dresdner Nationalgalerie, gemeinsam sehen sie sich ein verpixeltes Gemälde an – er im Computerbildschirm, sie davor.

Eine zweite Welt?

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So wie Rosemarie Willems sind sechs weitere Teilnehmer zum Workshop „Second Life: Eine zweite Welt?“ in das Museum für Kommunikation gekommen. In Kleingruppen sitzen sie vor Laptops, die Teil einer mobilen Medienwerkstatt sind. Die Kursleiterin verteilt vor Beginn noch Computermäuse. „Alte Leute brauchen Mäuse“, sagt ein Mann und schließt sie an die USB-Schnittstelle an. Die Internetseite von „Second Life“ baut sich nur langsam auf.

Willems wartet zurückgelehnt in ihrem Stuhl, dann und wann klickt sie auf den Bildschirm. „Haben Sie mehr Glück?“, ruft eine Teilnehmerin durch den Raum einer anderen zu. Und tatsächlich: Sie ist bereits dabei, ihre Avatarin optisch zu verschönern. Statt eines Rocks soll sie in virtueller Zukunft Leggins tragen, blassrosa mit weißen Punkten. Die Kursleiterin verfolgt den Vorgang und rät, zunächst den Rock auszuziehen. Es klappt, jedoch mit einem unangenehmen Nebeneffekt. Der „Body-Mass-Index“ wurde ebenfalls verändert. „Ich bin dick!“, ruft die Kursteilnehmerin erschrocken. Ein falscher Mausklick kann in die Krise führen.

Die Veranstaltung „Second Life“ ist Teil einer museumspädagogischen Reihe, die sich an Personen richtet, die älter als fünfzig Jahre sind. „Die Medienkompetenz bei Kindern zu stärken ist schon bekannt“, sagt Museumssprecherin Christine Nowak, die die Medienworkshops mitentwickelt hat. Seit vielen Jahren bietet das Museum Führungen und interaktive Workshops für Kinder und Jugendliche an und unterstützt sie so im Umgang mit den Medien.

Der Ansatz, Älteren einen ähnlichen Zugang zu bieten, ist neu. „Bei den älteren Erwachsenen geht es vor allem darum, Schwellenängste abzubauen“, sagt Nowak. Oft seien nur Grundkenntnisse im Umgang mit dem Internet oder dem Mobiltelefon vorhanden. „Der Erfahrungshorizont der Personen soll erweitert werden, auch damit sie ihre eigenen Enkel besser verstehen“, sagt die Kunstpädagogin. „Second Life: Eine zweite Welt?“ gehört mit zwei weiteren Veranstaltungen, die Wissensplattformen im Internet und „Google Maps“ vorstellen, zu der Reihe „Netzexkursionen“.

Wie ein pubertierendes Kind

Während des Workshops kichert eine Avatarin verlegen in ihrem Bildschirm – die stolze Anwenderin vor dem Computer ist entzückt. Auch sie, 69 Jahre alt, wirft den Kopf zur Seite und lacht wie ein pubertierendes Kind. Trotz der Freude über den kleinen emotionalen Ausbruch ihres Homunculus hat sie Vorbehalte gegenüber dem Programm: Sie meint, die Gefahr, dass man „abheben könnte“ und in die virtuelle Welt flüchten, wenn einem das „Drumherum nicht passt“, sei groß.

Das Programm soll laut Nowak die Teilnehmer im Umgang mit „Online-Umgebungen, in denen mehrere Personen aktiv sind“, schulen. Anders als bei Computerspielen wie „World of Warcraft“ oder „Sims“ sei die Geschwindigkeit bei „Second Life“ geringer – daher eigne es sich gut für ältere Personen. Zwischen 2006 und 2007 hat das Programm seine Blütezeit gehabt. Der Trend ist jedoch rückläufig, oft gibt es technische Schwierigkeiten.

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