04.12.2007 · Der Besitzer des Bordells „Sudfass“ will das Haus verkaufen, die Stadt ist an dem Standort interessiert. Auf dem Grundstück könnte der Neubau des Museums der Weltkulturen entstehen.
Von Matthias Alexander und Michael HierholzerFür das Frankfurter Museum der Weltkulturen ist ein neuer Standort im Gespräch. Nach Informationen dieser Zeitung wird im Römer erwogen, das an der Flößerbrücke gelegene Bordell „Sudfass“ zu erwerben und an seiner Stelle den geplanten Kulturbau zu errichten. Wie zu hören ist, verhandelt Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel schon länger mit Bordellbesitzer Dieter Engel.
Allerdings liegen Gangel und Engel bei den Preisvorstellungen noch weit auseinander. Zudem ist unklar, inwieweit Gangel sein Vorgehen mit dem Kulturdezernat abgestimmt hat. Nach Angaben von Planern wäre das „Sudfass“-Grundstück groß genug für den Museumsneubau, für den eine Bruttogeschossfläche von 8000 Quadratmetern veranschlagt wird.
Verhandlungen über den Kaufpreis
Dem Vernehmen nach ist Anette Rein, Direktorin des Museums der Weltkulturen, sehr angetan von der Idee, am Anfang der Oskar-von-Miller-Straße einen Neubau für die völkerkundliche Sammlung zu errichten. Schließlich wäre es möglich, dort einen auf die Umgebung ausstrahlenden architektonischen Solitär zu errichten. Auf Anfrage wollte Rein sich jedoch nicht über mögliche Standorte äußern: „Ich werde dafür bezahlt, dass ich Inhalte bearbeite.“ Sie sei gehalten, beim Thema Museumsneubau auf das Dezernat für Kunst und Wissenschaft zu verweisen.
Dort ist Grundsatzreferentin Ann Anders (Die Grünen) für die Planung des ethnologischen Ausstellungshauses zuständig. Anders sagte, die Gespräche über das Degussa-Gelände als künftigen Standort seien schon recht weit gediehen. „In trockenen Tüchern“ sei allerdings noch nichts. Auch sei noch unklar, ob die Stadt ein Mietmodell oder eine andere Form des Entgelts für die Nutzung bevorzuge.
Zum „Sudfass“-Areal als möglicher Museumsadresse sagte Anders: „Das ist momentan keine Option für uns.“ Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Stadt von Besitzer Engel das Grundstück im Ostend erwerbe, da sie gar nicht über so viel Geld verfüge. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, da er Gespräche mit Kandidaten für die Stelle des Frankfurter Zoodirektors führte.
Stadt bietet 10 Millionen Euro
Ob das „Sudfass“-Grundstück tatsächlich zu teuer für die Stadt wäre, ist noch keineswegs ausgemacht. Gangel soll zehn Millionen Euro geboten haben, Engel ursprünglich 20 Millionen gefordert haben. Dem Vernehmen nach hat er seine Forderung gegenüber Immobilieninvestoren, die auf dem Areal ein Bürogebäude errichten wollen, schon deutlich reduziert.
Die Stadt ist gegenüber Engel auch deshalb in einer guten Verhandlungsposition, weil vor einer Neubebauung des Areals ein entsprechender Bebauungsplan aufgestellt werden müsste. Denn der alte Bebauungsplan sieht nur eine Grundflächenzahl von 0,3 vor; schon die jetzige, vergleichsweise geringe Bebauungsdichte überschreitet diesen Wert. Ohne die Schaffung des Baurechts könnte die von Investoren und Stadtplanungsamt schon ins Auge gefasste siebengeschossige Blockrandbebauung also nicht realisiert werden. Sie liegt aber offenbar den Angeboten zugrunde, die Engel vorliegen sollen. Der Stadt gehört zudem ein rund 300 Quadratmeter großes Grundstück, das direkt westlich an das „Sudfass“-Areal angrenzt, so dass sie aufgrund von Nachbarrechten ohnehin in allen Fragen Einfluss darauf nehmen kann, was auf dem Grundstück geschieht.
Sollte die Kommune Engel noch etwas entgegenkommen, könnte am Ende ein Kaufpreis von zwölf Millionen Euro fällig sein. Dem wären die Kosten für die Fläche auf dem Degussa-Areal entgegenzuhalten. Bisher hat der Eigentümer, die DIC Deutsche Immobilien Chancen, nur verlauten lassen, dass er ein Mietmodell bevorzuge. Außerdem ist bekannt, dass die DIC darauf besteht, zugunsten des Museums die auf 20.000 Quadratmeter konzipierte Wohnfläche zu reduzieren. Unterstellt man, dass die DIC keine Einnahmeverluste gegenüber den ursprünglich geplanten sehr hochwertigen Wohnungen erwirtschaften will, müsste sie grob geschätzt eine Jahresmiete von rund 350 Euro für den Quadratmeter unterstellen. Für die Stadt ergäbe sich daraus eine jährliche Belastung von 2,8 Millionen Euro.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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