17.08.2011 · Der Erweiterungsbau für das Museum der Weltkulturen in Frankfurt soll von einer noch zu gründenden städtischen Gesellschaft betreut werden. Entsprechende Informationen dieser Zeitung hat Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) auf Anfrage bestätigt.
Von Matthias Alexander, FrankfurtDer Erweiterungsbau für das Museum der Weltkulturen in Frankfurt soll von einer noch zu gründenden städtischen Gesellschaft betreut werden. Entsprechende Informationen dieser Zeitung hat Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) auf Anfrage bestätigt. Das Hochbauamt, das üblicherweise die Betreuung auch von städtischen Kulturbauten übernimmt, dem aber die Schuld an etlichen Kostenüberschreitungen zugeschrieben wird, wäre damit aus dem Spiel. Das Amt hatte den Wettbewerb für den Erweiterungsbau noch betreut.
Wie der Kulturdezernent weiter ausführte, könnte es am Entwurf für den Erweiterungsbau am Sachsenhäuser Museumsufer erhebliche Änderungen geben. Im Dezember 2010 war das Berliner Büro Kuehn Malvezzi als Sieger aus einem groß angelegten Wettbewerb hervorgegangen. Es setzte sich mit dem Vorschlag durch, die neuen Flächen weitgehend unterirdisch unter dem Park hinter jenen drei Villen unterzubringen, die derzeit das Domizil des Museums sind. Nur ein Eingangspavillon und ein Neubau für die Museumspädagogik sollten nach dem preisgekrönten Vorschlag oberirdisch entstehen.
Größerer Teil eventuell oberirdisch
Sein Dezernat, die Museumsleitung und das Berliner Architektenteam diskutierten derzeit intensiv über mögliche Änderungen an dem Entwurf, sagte Semmelroth. So werde erwogen, das Volumen des Gebäudes mit seinen rund 6000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zu verkleinern. Geprüft werde auch, nur ein Geschoss unterirdisch zu errichten. Ursprünglich waren zwei Etagen unter dem Park vorgesehen; wegen der Nähe zum Main gilt es aber als besonders aufwendig und teuer, derart tief in die Erde zu gehen.
Stattdessen könnte nun ein größerer Teil der Ausstellungsfläche oberirdisch entstehen. Offenbar steht auch der Umbau des historischen Kutscherhauses an der Metzlerstraße zum Museumscafé zur Disposition. Die Besucher des Weltkulturenmuseums könnten stattdessen an das „Emma Metzler“ im Museum für Angewandte Kunst verwiesen werden. Allerdings gingen dann die Pachteinnahmen aus der Gastronomie verloren.
Der Kulturdezernent hält die Kostenschätzung des Amts für „nicht stichhaltig“
Mit den Umplanungen käme Semmelroth den Kritikern des Projekts zumindest teilweise entgegen. Für den Erhalt des Museumsparks macht sich eine Bürgerinitiative stark, die eine Verkleinerung des Gebäudeensembles als Minimalziel formuliert hat. Vor allem verfolgt Semmelroth aber das Ziel, die Kosten für den Bau zu senken. Vor einigen Wochen hatte eine Grobschätzung des Hochbauamts, wonach der Bau rund 80 Millionen Euro kosten werde, zu denen noch fast acht Millionen Euro an Planungskosten hinzuzurechnen wären, für erhebliche Kritik im Römer gesorgt. Sprecher von CDU und Grünen stellten sich zwar hinter das Projekt, mahnten jedoch Kostensenkungen an. Die FDP forderte eine Verringerung der Kosten um 30 Prozent.
Der Kulturdezernent hält die Kostenschätzung des Amts für „nicht stichhaltig“. Das Gebäude werde sich günstiger errichten lassen, sagte Semmelroth. Die Lösung, den Bau einer städtischen GmbH zu übertragen, könnte nach Ansicht von Immobilienexperten zudem Einsparungen bei der Mehrwertsteuer bringen – von den 80 Millionen Euro, auf die das Hochbauamt die Kosten geschätzt hat, entfallen allein 13 Millionen auf die Mehrwertsteuer.
Die Gesellschaft soll laut Semmelroth im Herbst gegründet werden
Im Planungsdezernat reagierte man zurückhaltend auf die Ankündigung des Kulturdezernenten, nicht mit dem Hochbauamt zusammenarbeiten zu wollen. Ein Sprecher von Stadtrat Edwin Schwarz (CDU) sagte, es stelle sich die Frage, ob am Ende jedes Dezernat ein eigenes Ersatz-Bauamt haben solle. Im Planungsdezernat weist man Kritik am Hochbauamt schon länger als zu pauschal zurück. Oft liege die Verantwortung für Mehrkosten und für Verzögerungen an den Dezernaten, die als Bauherren aufträten und das Hochbauamt nur als Dienstleister nutzten. Komme es zu teuren Umplanungen, diene das Hochbauamt als Sündenbock.
Semmelroth sagte dagegen, mit der geplanten Gründung einer Bau-Gesellschaft würden die Zuständigkeiten klar geregelt. Das bedeute einerseits mehr Verantwortung für ihn selbst, andererseits müsse er im Zweifelsfall nicht den Kopf für Versäumnisse anderer hinhalten. Das sei ihm im Fall des Werkstattgebäudes der Städtischen Bühnen so ergangen. Derzeit wirbt Semmelroth in der schwarz-grünen Koalition für das neue Modell, das von Kämmerer Uwe Becker (CDU) unterstützt wird. Eine Mehrheit in den Fraktionen von CDU und Grünen dürfte ihm sicher sein. „Man kann es keinem Dezernenten verdenken, wenn er bei einem komplizierten Projekt das Hochbauamt entlasten will“, äußerte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Olaf Cunitz.
Die Gesellschaft soll laut Semmelroth im Herbst gegründet werden, als Geschäftsführer soll ein Mitarbeiter seines Dezernats ehrenamtlich tätig sein. Die neue GmbH soll auch die Erarbeitung einer Bau- und Finanzierungsvorlage für das Projekt übernehmen. Und im Erfolgsfall könnte das Modell auf andere Projekte übertragen werden.
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Robert Bock (claudine11)
- 17.08.2011, 15:34 Uhr
Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt?
Ralph Greb (R.Greb)
- 18.08.2011, 18:29 Uhr
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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