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Museen Senckenberg-Präsident Strutz will Schlagkraft der Forschung stärken

28.11.2004 ·  Auf das, was in den vergangenen Jahren geleistet wurde, ist Wolfgang Strutz ganz offensichtlich stolz. Die Worte "großartig", "phantastisch", "spektakulär" und "wunderbar" nimmt er gerne in den Mund, um von Senckenberg zu schwärmen, von Dinosauriern, der Meeresforschung und der Paläoanthropologie.

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Auf das, was in den vergangenen Jahren geleistet wurde, ist Wolfgang Strutz ganz offensichtlich stolz. Die Worte "großartig", "phantastisch", "spektakulär" und "wunderbar" nimmt er gerne in den Mund, um von Senckenberg zu schwärmen, von Dinosauriern, der Meeresforschung und der Paläoanthropologie. Mag er auch öfter resolut sagen: "Davon verstehe ich nichts", wenn die Rede auf wissenschaftliche Fragen kommt - davon, wie man sie finanziert und bekanntmacht, hat er ziemlich genaue Vorstellungen. Es folgt auch dann wieder einer der Strutzschen Lieblingssätze, in diesem Fall: "Das kostet alles fürchterlich viel Geld."

Im Geldeinsammeln allerdings hat Strutz Übung: In den vergangenen sechs Jahren sind 3 Millionen Euro aus nichtöffentlicher Hand in das Senckenberg geflossen. Allerdings haben die bisherigen Erneuerungen die Gesellschaft auch 5,9 Millionen Euro gekostet. Und damit soll längst noch nicht genug sein: "Wir überholen Senckenberg von Grund auf und in allen Bereichen", sagt der soeben wiedergewählte Präsident. Im nächsten Jahr ist eine großangelegte Aktion zur Werbung neuer Mitglieder geplant, und den bildungspolitischen Auftrag von Museum und Institut nimmt Strutz sehr ernst: "Wir können nicht warten, bis der Staat etwas tut." Noch mehr soll in die Jugend investiert werden, die einen Großteil der Museumsbesucher stellt. Einen Schulwettbewerb um einen "Senckenbergpreis" soll es bald geben - dafür wird derzeit an einem Konzept gearbeitet, zusammen mit Lehrern naturwissenschaftlicher Fächer.

Es ist eine Zeit der Umbrüche im Haus, die nicht nur mit der noch weitergehenden Umstrukturierung des Museums zusammenhängt, die für den Außenstehenden eine Art Spitze des "Eisbergs Forschungsinstitut" ist. Ende dieses Jahres scheidet der Leiter des Museums, Gerhard Plodowski, aus, die Stelle wird kommissarisch mit seinem bisherigen Stellvertreter Bernd Herkner besetzt - zumindest, bis ein neuer Senckenberg-Direktor gefunden ist. Denn auch der Direktor von Institut und Museum, Fritz Steininger, wird demnächst in den Ruhestand gehen. 19 Kandidaten haben sich um die Stelle beworben, die mit einer Professur an der Goethe-Universität verbunden ist und die also ebenfalls an der Berufung beteiligt ist. Die Senckenbergische Findungskommission hat schon eine erste Sichtung der Anwärter vorgenommen.

Strutz' Bestätigung im Amt ist also ein Zeichen der Kontinuität im Wandel. Dennoch ist ein Schatten auf die nunmehrige Wiederwahl des umtriebigen Mainzers gefallen, der in Kürze seinen 71. Geburtstag feiert. Strutz, für weitere sechs Jahre zum Präsidenten der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft gewählt, mußte sich der Kritik der Mitgliederversammlung stellen: Der Verkauf von Teilen der Mineraliensammlung, die den rund 4000 Mitgliedern der Gesellschaft nicht mitgeteilt worden war, hatte für heftige, auch öffentliche Diskussionen gesorgt.

Die Sache aber hält der ehemalige Vorstandssprecher der ING BHF-Bank nach wie vor für richtig: "Ich habe auch im nachhinein keinerlei Bedenken, was die Rechtmäßigkeit und die Richtigkeit des Verkaufs angeht", sagt er bestimmt. Der wissenschaftliche Beirat soll nun den gesamten Vorgang - die Sichtung der Sammlung durch den Mineralogen Michael Günther und die Verkäufe - untersuchen und eine Stellungnahme abgeben. Wenn dieser Bericht vorliegt, soll es eine außerordentliche Mitgliederversammlung geben.

Strutz bedauert Fehler in der Kommunikation: "Das kann im nachhinein leider nicht korrigiert werden." Sollte es zu anderen Überlegungen dieser Art kommen, würden die Mitglieder rechtzeitig informiert, sagt Strutz, der aber eines gleich festhält: "In meiner Amtszeit wird es keine Verkäufe mehr geben." Immerhin, von einem Teil des Erlöses von 98000 Euro sind schon wieder neue Objekte angeschafft worden, der Rest liegt auf einem Spezialkonto, später sollen weitere Anschaffungen für Forschung und zu Ausstellungszwecken getätigt werden. Dem Museum, das trotz umfangreicher Neustrukturierung noch eines Umbaus der Vogelsammlung und einer neuen Schau zur Entstehung der Materie bedarf, fehlt auch noch eine neugestaltete Mineralienschau, für die es, wie Strutz versichert, auch nach dem Verkauf von Sammlungsteilen "phantastische Stücke" gebe.

Wirklich "spektakulär", so Strutz, solle eine weitere Dauerausstellung werden: Die Entwicklungsgeschichte der Menschheit will Senckenberg zeigen, der hauseigene Paläoanthropologe Friedemann Schrenk soll die Hauptbeiträge liefern. Auch das "kostet fürchterlich viel Geld": Für alle drei Vorhaben benötigt Strutz rund 1,7 Millionen Euro - aus Sponsorenhand. Mit diesem Geld soll im Zeichen öffentlicher Bildung im Museum die im Institut erbrachte Forschungsleistung genutzt werden. Strutz, der gerne vom Bildungsauftrag Senckenbergs spricht, weiß um die Zugkraft, die sein Haus gerade aus seiner besonderen Stellung als unabhängiges Institut, gegründet und getragen von Bürgern, entwickeln kann. Denn in erster Linie sei Senckenberg ein Forschungsinstitut. Von dessen Ergebnissen allerdings profitiert, über das Museum, auch der Laie.

Die Forschung des auf der sogenannten Blauen Liste geführten Instituts trägt allerdings die öffentliche Hand. Bund und Länder finanzieren die von der Leibniz-Gemeinschaft evaluierten Projekte. Die "Schlagkraft" der Forschung soll, so Strutz, deutlich verstärkt werden: "Das Forschungsinstitut hat in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Schritt nach vorn getan." Als nächstes soll, neben der meeresbiologischen Forschung in Wilhelmshaven und dem vor kurzem angegliederten Institut für Quartärpaläontologie in Weimar, die Angliederung dreier weiterer Institute in Görlitz und Dresden folgen. Das Konzept steht, evaluiert werden soll es von August 2005 an durch die Leibniz-Gemeinschaft. Ist das Gutachten positiv, soll Senckenberg kurze Zeit später um ein erkleckliches Stück gewachsen sein - auch um zwei naturkundliche Museen in Sachsen. Der Nukleus zu einem Museumsmanagement, das Synergieeffekte erzeugt, etwa bei Wanderausstellungen? Strutz kann sich das durchaus vorstellen.

Überhaupt sieht er das Wachstum und die Schwerpunktbildung, zu der er auch die nun umstrittene Straffung der Mineraliensammlung gezählt hat, als Zukunftssicherung: Immer mehr Anträge für Forschungsvorhaben liefen über die Europäische Union: "Der Antragsteller braucht ein gewisses Gewicht und aktuelle Forschungserfolge." Senckenberg habe gute Chancen auf noch mehr Bedeutung im internationalen Wettbewerb, glaubt Strutz: Nicht zuletzt wegen seiner Tradition und einer "Konstruktion, die auf einer Bürgergesellschaft beruht". Daran solle sich nichts ändern, meint er. Denn diese Besonderheit gewährleiste Unabhängigkeit: "Bis zum Ersten Weltkrieg wurde die gesamte Forschung von Privatleuten finanziert." Heute gelte es, sich nicht zu sehr von der öffentlichen Hand vereinnahmen zu lassen. EVA-MARIA MAGEL

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