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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Müllheizkraftwerk 20 Millionen Euro billiger als geplant

 ·  Der Umbau der Abfallverbrennungsanlage in der Nordweststadt in Frankfurt zu einem modernen Müllheizkraftwerk ist abgeschlossen. Das Kraftwerk versorgt die Stadtteile Nordweststadt, Riedberg und Mertonviertel sowie künftig den Campus Westend mit Strom und Wärme.

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Vor sechs Jahren haben sie ihre Büros in der schmucklosen Gewerbehalle mit Blick auf die Abfallverbrennungsanlage in der Nordweststadt bezogen. Ende des Jahres schließen Rosemarie Heilig und Janka Frydrychowski-Horvatin die Tür hinter sich. Die Geschäftsführerin der städtischen AVA GmbH, der die Anlage gehört, und die Leiterin Projektmanagement übergeben in dieser Woche offiziell die vollständig sanierte Anlage, die seit Januar 2004 bei laufendem Betrieb zum größten kommunalen Müllheizkraftwerk der Region erweitert worden ist. 249 Millionen Euro durfte das Vorhaben kosten – ohne die Zinsen für die erforderlichen Kommunalkredite einzurechnen. Beendet sein sollte der Umbau Ende 2008. Die Sanierung der Anlage zu einer der modernsten ihrer Art wurde acht Monate später als vorgesehen abgeschlossen, sie kostet aber 20 Millionen Euro weniger als veranschlagt.

„Das ist doch die eigentliche Nachricht“, sagt Heilig. Dieses Ergebnis sei ein Gemeinschaftserfolg von ihr, Frydrychowski-Horvatin und dem zweiten Geschäftsführer Udo Findt. Findt hat zuvor den Umbau des Waldstadions zur Commerzbank-Arena als Finanzfachmann begleitet, jetzt hat er noch nebenbei in der Nordweststadt aufs Geld geschaut. Ein weiterer Name gehört zur erfolgreichen Sanierung der Müllverbrennungsanlage hinzu: Constantin Alsheimer, heute Mainova-Chef, der zunächst zweiter Geschäftsführer der AVA GmbH war und als Jurist „sehr gut und hart“ die Verträge ausgehandelt habe.

Stadt verdient am Verbrennungsgeschäft

Vor der Sanierung hatte man im Römer lange gezaudert, ob es sinnvoll und zeitgemäß sei, als Stadt eine Verbrennungsanlage zu besitzen und diese auch noch auszubauen. Unter der damaligen Umweltdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen) fiel die Entscheidung, die Anlage zu behalten, sich des Risikos der Auslastung für die erweiterte Kapazität jedoch zu entledigen, indem dieses dem Entsorgungskonzern Remondis übertragen wurde. Kein unbekanntes Unternehmen in Frankfurt: Remondis hält 49 Prozent an der ansonsten städtischen Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH. Die FES ist auch gemeinsam mit der Mainova die Betreiberin der Anlage, in der der Hausmüll aus Frankfurt, aus dem Hoch- und dem Main-Taunus-Kreis und mitunter auch aus Wiesbaden verbrannt wird. Das Kraftwerk versorgt die Stadtteile Nordweststadt, Riedberg und Mertonviertel sowie künftig den Campus Westend mit Strom und Wärme.

Mit der sanierten Anlage verdient die Stadt auch erstmals unmittelbar am Verbrennungsgeschäft: Mainova und FES zahlen eine gemeinsame Pacht von 8,5 Millionen Euro im Jahr, gleichgültig, ob das Müllgeschäft floriert wie in den vergangenen Jahren oder eher vor sich hindümpelt wie derzeit. Mit Blick auf die Eigentumsverhältnisse ist Heilig überzeugt, dass es „absolut richtig war, die Anlage im städtischen Besitz zu belassen, solange die Hausmüllentsorgung eine hoheitliche Aufgabe ist“. So könnten die Gebühren wesentlich stärker selbst beeinflusst werden. Ein privates Unternehmen sehe zu Recht nur seinen wirtschaftlichen Vorteil und achte nicht auf den Gebührenzahler. Heilig hält ohnehin die Verquickung der Stadt mit Remondis für „nicht gut“. Die öffentliche Hand solle ganz oder gar nicht privatisieren. Ließe man sich auf einen privaten Partner ein, dann müsse man so gut wie dieser oder besser sein.

Müll andernorts verbrannt

Genau dies hatten sich die beiden Frauen an der Spitze, Projektmanagerin Frydrychowski-Horvatin und Geschäftsführerin Heilig, vorgenommen. Während die eine Erfahrung und Wissen als Verfahrenstechnikerin einbrachte, hat Heilig umweltpolitische Kenntnisse. „Meine größten Ängste waren, dass der Müll in Frankfurt auf den Straßen stehenbleibt oder Emissionen in die Luft gelangen“, sagt die frühere Grünen-Politikerin. Beides ist nicht geschehen. Dafür meldete 2005 die Walter Bau plötzlich Insolvenz an, mitten bei den Vorarbeiten für den Einbau erster technischer Neuerungen. „Das war ein Schock“, sagt Frydrychowski-Horvatin, „uns zitterten die Knie“, sagt Heilig. Das Bauunternehmen Hochtief sprang jedoch binnen kürzester Zeit ein.

Eine weitere Herausforderung hatte das Führungs-Duo zu bestehen, als während des ersten Bauabschnitts die heutige AE&E Lentjes den Rauchgaskanal nicht richtig installierte. Ein Fehler, der acht Monate Verzögerung und ein Verfahren vor dem Schiedsgericht zur Folge hatte. Vor allem der zeitliche Verzug habe „richtig weh getan“. Schließlich musste während der Sanierung der Müll der Region andernorts verbrannt werden, etwa in der Schweiz. „Das waren sehr harte, sehr lehrreiche Jahre“, sagt Heilig. Dabei seien sie beide „Kümmerer rund um die Uhr“, hätten früh mitbekommen, wo sich ein Problem ergeben könnte.

Zusammenarbeit bewährt

Ihre Zusammenarbeit „war ein Glücksfall“, sagen die Frauen und lachen, als sie berichten, dass man sie hinter vorgehaltener Hand in der reinen Männerwelt, die sie derzeit noch umgibt, wegen ihrer Strenge als „Hexen“ bezeichne. Für beide hat sich ihre Zusammenarbeit so bewährt, dass sie nun den nächsten Job als städtische Sanierer übernehmen. Derzeit bereiten sie Umbau und Modernisierung des Klinikums Höchst vor, es soll zur ersten Passivhausklinik Europas werden.

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Jahrgang 1961, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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