26.08.2007 · Der geplante Moscheebau in Frankfurt-Hausen wird weiterhin kontrovers diskutiert. Auf Einladung der F.A.Z. haben sich Befürworter und Gegner der Moschee nun erstmals an einen Tisch gesetzt und ausgetauscht.
Von Stefan ToepferDer Verein aus türkischen und pakistanischen Schiiten, der im Frankfurter Stadtteil Hausen eine Moschee errichten will, verstärkt seine Informationspolitik und lädt zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung ein. Das kündigte Ünal Kaymakci, ein Sprecher des Moscheevereins, im Gespräch mit der F.A.Z. an. Damit will die Gruppe offensiver als bisher für das Bauvorhaben werben. Die Veranstaltung findet am Sonntag, 2. September, um 19 Uhr im Saalbau Schönhof, Rödelheimer Straße 38, statt.
Wie berichtet, sorgen die Pläne des Vereins für Protest im Stadtteil (siehe: Römer-Koalition will Diskussion um Moscheebau entspannen). Bisher hat die Gemeinde ein Gebetshaus in Griesheim, sie möchte aber ein größeres bauen und hat zu diesen Zweck das Grundstück an der Straße Am Industriehof erworben.
Bürgerinitiative: Eine weitere Moschee schadet
Bisher gab es ein größeres Treffen der Bürgerinitiative, an dem rund 150 Menschen teilnahmen, und mehrere Gespräche des Moscheevereins mit Hausener Institutionen, auch dem Ortsbeirat. Auf Einladung der F.A.Z. haben sich Vertreter der Bürgerinitiative, Kaymakci und der Frankfurter Integrationsdezernent Jean Claude Diallo (Die Grünen) nun erstmals an einen Tisch gesetzt und sich ausgetauscht.
Dabei äußerten Horst Weißbarth und Ralf Sommerlad für die Bürgerinitiative, dass eine weitere Moschee dem Stadtteil schade. Es gibt bereits zwei Gebetshäuser dort. Kaymakci hingegen zeigte sich sicher, dass es keine „breite Front von Gegnern“ in Hausen gebe. Zudem seien die meisten Vereinsmitglieder deutsche Staatsbürger, die versuchten eine „deutsche Prägung“ des Islam herauszubilden. „Auch wir sind Deutschland“, sagte er und bezeichnete die Moschee als einen „Gewinn für Hausen“.
Diallo: Man muss keine Angst haben
Das sieht die Bürgerinitiative anders. Weißbarth sprach sich kategorisch gegen ein drittes muslimisches Gebetshaus in dem „kleinen Ortsteil“ aus. Seiner Meinung nach gibt es sehr viele Moscheebaugegner im Stadtteil. Sommerlad verwies auf die Integrationsbemühungen in Hausen, der „gewiss kein ausländerfeindlicher Stadtteil ist“. Beide Sprecher der Bürgerinitiative hoben hervor, alles zu tun, damit die Bürgerinitiative nicht von rechtsextremen Parteien vereinnahmt werde. Gemeinsam müsse man eine „Front bilden gegen alle Bestrebungen von Rechtsaußen, den Moscheebau zu ihrem Thema zu machen“, sagte Sommerlad.
Heute wollen Weißbarth und Sommerlad ihre Kritik an dem Vorhaben auch im Integrationsausschuss der Stadtverordnetenversammlung vorbringen. „Vielleicht kommen auch noch andere“, sagte Weißbarth. Wolfgang Hübner, Fraktionsvorsitzender der BFF im Römer, hatte die Bürgerinitiative in den vergangenen Tagen ermuntert, ihre Bedenken gegen den Bau in der heutigen Ausschusssitzung zu äußern. Die Moschee gegen den Protest der Bürger zu errichten, hält Hübner für „extrem integrationsfeindlich“.
Stadtrat Diallo machte in dem F.A.Z.-Streitgespräch deutlich, der Magistrat müsse vermittelnd tätig werden. Wie berichtet, hatte sich die schwarz-grüne Koalition in diesem Sinne schon geäußert. Im Übrigen, so Diallo, müsse sich die Politik in einem säkularen Staat aus Fragen der Religionsfreiheit heraushalten. Er verstehe, dass der Bau der Moschee Angst erzeuge. Mit der Zeit werde man aber erfahren, „dass man keine Angst zu haben braucht“.
Die Pläne für eine neue Moschee in Hausen
Bauherr der geplanten Moschee in Hausen ist eine Gemeinschaft aus türkischen und pakistanischen Schiiten, dem türkischen Verein der Hazrat-Fatima-Moschee und der pakistanischen Pak Haidry Association. Zu dem repräsentativen Gebetshaus sollen unter anderem zwei 16 Meter hohe Minarette gehören. In den Bau der Moschee und eines benachbarten Wohnhauses will die Gemeinde rund drei Millionen Euro investieren.
Das Grundstück gegenüber einer russisch-orthodoxen Kirche hat sie schon erworben, einen Bauantrag hat sie noch nicht gestellt. Die rund 250 Mitglieder große Gemeinde will eine neue Moschee bauen, weil ihr derzeitiges Gebetshaus im Stadtteil Griesheim zu klein geworden ist. Der Neubau ist dem Stadtplanungsamt zufolge an der dafür vorgesehenen Stelle „grundsätzlich zulässig“, gleichwohl regt sich Protest.
Moscheebau in Hausen stört religiösen Frieden
Daniel Oehler (derEngagierte)
- 27.08.2007, 13:52 Uhr
Es lohnt sich zu protestieren
Angela de Barra (Noddy)
- 27.08.2007, 22:21 Uhr