01.10.2007 · Über den Bau einer neuen Moschee in Frankfurt-Hausen wird heftig diskutiert. Im kleinen Stadtteil Hausen haben viele Menschen Angst vor einer dritten Moschee. Unruhe macht sich breit.
Von Tobias RösmannOsman wird seinen Autohandel verlegen müssen. Wo jetzt noch ein gemalter Oldtimer sein Garagentor ziert, soll demnächst eine Moschee stehen, hier, am großen Kreisverkehr in Hausen, gegenüber vom Parkplatz des Brentano-Bads. Autos fegen im Sekundentakt die Ludwig-Landmann-Straße entlang. Es braust und rauscht. Manchmal hupt einer. Ein stilles Gebet werden die Muslime hier nicht finden.
Das Gelände, auf dem der türkisch-pakistanische Moschee-Verein sein Gotteshaus errichten will, misst vielleicht 1000 Quadratmeter. Kaum fünf Meter entfernt von der Straße, zwängt es sich wie ein Dreieck an das Nachbarhaus. Deren Mieter sind nicht zu Hause oder wollen die Tür nicht öffnen. Was sie wohl dazu sagen, dass ihr Blick bald auf zwei 16 Meter hohe Minarette fallen soll?
Gar nichts ist klar
1000 Quadratmeter, eine Kuppel, zwei Türme. Darum geht es hier in Hausen. Seit Wochen protestiert eine 200 Mitglieder starke Bürgervereinigung gegen den Bau der Moschee, in der vor allem schiitische Muslime beten wollen. Es wäre die dritte in dem kleinen Stadtteil, in dem etwa 7000 Menschen leben. Es hat Gespräche gegeben und Sondersitzungen im Ortsbeirat, es hat Beschuldigungen gehagelt, Beschimpfungen und Verleumdungen. Rechtlich ist die Sache eigentlich klar: Dem Verein gehört das Grundstück, in Deutschland gibt es Religionsfreiheit, also darf die Moschee gebaut werden, wenn sich die Muslime an bestimmte Vorgaben zum Beispiel beim Baurecht halten. In Hausen aber ist gar nichts klar.
Gegenüber vom Grundstück steht die Kirche der russisch-orthodoxen Christen. Weiß getüncht, vier Goldkreuze auf dem Dach. Die Hausmeisterin wohnt hinter der Kirche. Sie berichtet von vielen Treffen in der letzten Zeit. Die Gemeindemitglieder seien unruhig. Mehr will sie nicht sagen. Sie lächelt höflich. Ihr Name soll geheim bleiben.
Das wünscht auch die Frau aus Russland, die vor der Kirche auf dem Gehweg steht. Denn was sie erzählt, wird ihr Feinde machen. Die Russin berichtet von einem Priester der Gemeinde, der ein paar 100 Meter entfernt sein Auto geparkt habe und dann in schwarzer Soutane und mit silbernem Kreuz um den Hals zur Kirche gegangen sei. Ein paar junge Türken hätten den Mann an der U-Bahn-Haltestelle Fischstein abgepasst, hätten ihn beschimpft und anschließend bedroht. Eine Moschee nebenan lehnt sie ab. „Das ist zu nah.“
„Keinen Kontakt“ zu den Nachbarn
Sabeghi Somayyeh ist die Tochter des Imam. Die junge Frau mit dem braunen Kopftuch und den blauen Turnschuhen öffnet vorsichtig die Tür des Islamischen Zentrums in Alt-Hausen. Fast so, als würde nicht jeder Besucher etwas Gutes bringen. Das Gebäude beherbergt eine der beiden Hausener Moscheen. Vor allem Schiiten beten hier, Afghanen und auch Mitarbeiter des iranischen Generalkonsulats. Vor dem Haus liegt ein großer Hof, über dem Eingang hängt eine Fahne Irans, zusammengepappt wegen des Regens. Somayyeh sagt, zu den Gebeten kämen ungefähr 60 Gläubige, die alle im Hof parken könnten. Nur an hohen Feiertagen im Fastenmonat Ramadan werde es zu eng. Dann stellten die 200 bis 300 Gäste ihre Fahrzeuge auf die Straßen in der Nachbarschaft.
Von dem Streit um die neue Moschee hat die junge Frau im Fernsehen erfahren. Genaues aber weiß sie nicht. Zu den Nachbarn „gibt es keinen Kontakt“. Vor den Sommerferien hätten die Muslime ihrer Gemeinde eigentlich einen Tag der offenen Tür veranstalten wollen, „aber dann haben wir es nicht geschafft“. Nur den Nachbarn zur Rechten kennt Sabeghi Somayyeh gut: „Der ruft immer die Polizei, weil wir ihm zu laut sind.“ Der Nachbar, ein grauhaariger Mann mit mieser Laune, zieht sich sofort Richtung Hauseingang zurück. Wie viele Menschen regelmäßig nebenan beten, weiß er nicht. „Kommense heut Abend wieder, dann könnense mitbeten“, raunzt er.
In der nächsten Straße riecht es nach Bohneneintopf. Ein Mann mit geschorenen Haaren und Schnauzer lehnt auf einem Jägerzaun. Ein Plakat wirbt für „Die Maintaler“ und „zünftige Blasmusik“. Schulkinder laufen nach Hause. Gegenüber vom Evangelischen Gemeindezentrum hängt ein Zigarettenautomat. In schwarzen Großbuchstaben hat jemand „Islam ist Mord“ darauf geschmiert.
„Mangel an Einfühlungsvermögen“
Es sind aber nicht nur tumbe Einfaltspinsel, die sich gegen die neue Moschee aussprechen. Das zeigt sich an Otokar Löbl. Der vielleicht 55 Jahre alte Mann sitzt an diesem Freitagmittag an der Theke im „Hausener Dorfkrug“, seiner Stammkneipe im Herzen des Stadtteils. Löbl hat tschechische Wurzeln, lebt aber seit 30 Jahren hier. Er sagt: „Es ist unverantwortlich, dass so ein kleines Viertel so stark mit Moscheen überzogen wird.“ Gute Integrationspolitik sehe anders aus.
Zornig ist Löbl vor allem auf den Integrationsdezernenten Jean Claude Diallo von den Grünen. Der tue so, als sei jede Kritik an Muslimen gleich rechtsradikal. Natürlich gebe es „teilweise ganz klare Vorurteile gegen Muslime“, sagt Löbl. Er sehe aber auch „eine Arroganz und einen Mangel an Einfühlungsvermögen“ bei den Politikern und bei dem Generalsekretär des neuen Moschee-Vereins. „Der macht es sich sehr einfach und sagt: Hausen braucht diese Moschee.“ Gegen die NPD hat Löbl übrigens kürzlich Strafanzeige erstattet. Das in seinen Briefkasten geworfene Faltblatt mit dem Titel „Islamisten raus“ schüre Hass und sei nicht hinzunehmen.
Die Straße herauf eilen Dutzende Menschen. Kurz vor der Autobahnbrücke biegen sie links ab. Beide Fahrbahnränder stehen voller Autos. Taxis halten in zweiter Reihe. Aus einem Transporter steigen verschleierte Frauen. Es ist Ramadan, und es ist Zeit für das Freitagsgebet in der Abu-Bakr-Moschee, dem zweiten islamischen Gotteshaus im Stadtteil. Die wenigsten der überwiegend marokkanischen Muslime wollen reden. Sie winken ab, eilen vorüber in Richtung grün-weiß gefliestes Gebäude.
Es rumort
Ein Mann um die 30, in Frankfurt geboren, behauptet, er habe noch nichts von dem Streit gehört. Ein anderer sagt, in Höchst gebe es doch auch drei Moscheen. Und Tanku aus Ghana findet eine weitere Moschee überflüssig. „Ist doch groß genug hier“, sagt er und lacht breit, während ein Geistlicher gelbe Plastikhütchen vor dem Eingang aufbaut, um zu verhindern, dass jemand in den Hof der Moschee fährt. Die Frage, warum die 20 Stellplätze dort leer bleiben sollen, beantwortet er nicht.
Sicher spielt Angst eine Rolle. Sonst würde der junge Grieche nicht so reden. Auch er ist in Frankfurt geboren, ist 26 Jahre alt und Christ. Seinen Namen will er nicht nennen, aber seinen Ärger möchte er loswerden. „Die Muslime hier haben keinen Respekt. Vor nichts und niemand“, glaubt er. Bald werde es in Hausen mehr Moscheen als Kirchen geben. Nachts liefen sie zu fünft durch die Straße und schrien: „Scheiß-Deutsche. Wir machen euch fertig.“ Vielleicht stimmt das, vielleicht stimmt es nicht. So viel ist sicher: Es rumort in Hausen.
Wo bleibt der besorgte Bürger
Rainer Redeker (rentner44)
- 01.10.2007, 13:57 Uhr
Was stimmt hier nicht?
lothar schiel (www-faz)
- 02.10.2007, 17:09 Uhr
Die sträfliche Vernachlässigung
Mike Wagner (mwffm)
- 03.10.2007, 01:08 Uhr