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Modemesse Stilblüten Vom Ende und von Anfängen

 ·  Schade um die Plattform für junge Designer: Die Messe Stilblüten in Frankfurt wird wohl nicht mehr stattfinden. Dafür tut sich andernorts einiges in der Modewelt.

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In übermütiger Laune ist sie entstanden, in schlechter könnte sie nun untergehen. Die Modemesse Stilblüten, die 2005 in Frankfurt ins Leben gerufen wurde und sich zu einem strahlenden Anziehungspunkt in der Modeszene Rhein-Main entwickelte, steht vor dem Ende. Die Aussteller stehen, wenige Wochen vor Weihnachten, ohne eine der für sie wichtigsten Selbstdarstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten da. „Für alle, die nur von Messe zu Messe tingeln, ist das eine Katastrophe“, sagt Olivia Dahlem von Coco Lores. Sie selbst hat einen Laden an der Frankfurter Koselstraße und wird die Umsatzverluste mit einem eigenen, aus dem Boden gestampften kleinen Verlaufsfest dort auszugleichen versuchen. Viele andere trifft es härter. Jacqueline Friedmann und Sandor Temesi vom Label Briseis sind, obwohl sie Verkaufsateliers in Cochem haben, sehr enttäuscht, denn für die Wintermonate sei die Stilblüten „elementar“ gewesen. 2011 seien alle Teilnehmer von Organisation und Publikumsresonanz ganz besonders begeistert gewesen. Nun erging an die Aussteller und Geschäftspartner nicht einmal eine offizielle Absage; eher zufällig konnte man vom Aus der Messe auf Facebook erfahren. Warum? Die Verantwortlichen geben sich zugeknöpft, untereinander herrscht Funkstille.

Alles hatte so gut angefangen. Die Werbetexterin Stella Friedrichs erfand den Namen Stilblüten, organisierte auch vor sieben Jahren das erste kleine Ereignis, das eine Handvoll Designer in einem Hinterhof präsentierte, und nahm das Ehepaar Elena Zenero Hock und Johannes Hock mit ins Boot. Elena Zenero-Hock hatte 2004 in Berlin mit Goyagoya den Bread & Butter Award for Street Couture gewonnen, Ehemann Johannes Hock ist Architekt und Möbeldesigner. Die Messe wuchs langsam, aber stetig, 2010 zog sie um in die Alte Diamantenbörse in Frankfurt. Die Zahl der Aussteller verdoppelte sich auf mehr als 80, beim nächsten Sprung in die frühere Stadtbibliothek waren es 2011 schon mehr als 100, die drei Tage lang ihre Waren verkaufen konnten.

Aufhören, wenn es am schönsten ist?

Und nun aufhören, wenn es am schönsten ist? Stella Friedrichs sagt, der Aufwand sei einfach zu groß geworden, die Organisatoren gingen ja alle auch ihren Berufen nach. Aus einem Hobby sei die Stilblüten unversehens zu einem Vollzeitjob herangewachsen. Erst vor einem Jahr schloss das Trio einen Gesellschaftervertrag, nach dem Friedrichs 60 Prozent an der Messe hält und die Hocks 40 Prozent halten. Friedrichs will vergeblich einen neuen Teilhaber vorgeschlagen haben und hat inzwischen den Vertrag mit den Hocks gekündigt. Die sehen die Situation naturgemäß anders und glauben, man habe sie durch das neue Konzept zu freien Mitarbeitern degradieren wollen.

Spricht man einzeln mit den Beteiligten, gewinnt man den Eindruck, dass das letzte Wort vielleicht noch nicht gesagt sei, aber sicher ist das nicht. Die sich eventuell auftuende Lücke beobachtet Dieter Hoffmann mit Interesse. Er ist Geschäftsführer der „Blickfang“-Messen, die Standorte haben in Stuttgart, Hamburg, Basel, Zürich, Wien und seit diesem Monat in Kopenhagen. Warum also nicht auch Frankfurt? An der Stuttgarter Blickfang beteiligten sich 220 Aussteller, das sind Dimensionen, die eine professionelle Struktur erfordern. Junge Labels könnten das entsprechende Standgeld wohl nicht bezahlen. Mit dem Ende der Stilblüten würde Frankfurt tatsächlich eine Institution großen Charmes verlieren, die es so anderswo nicht gibt.

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