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Mobile Massage Kopf runter und entspannen!

 ·  Die Schüler Rebecca Hottes und Immanuel Schmidt massieren für „Neck Attack“ wildfremde Menschen in Frankfurter Bars. Berührungsängste kennen sie nicht. Es müssen sich nur alle locker machen.

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Rebeccas Worte kämpfen sich mühsam durch die sommerabendliche Unruhe auf der Terrasse einer Sachsenhäuser Kneipe. Die 19 Jahre alte, zierliche Blondine hat eine zarte Stimme, die von einer gewissen Lautstärke an fast ein bisschen piepsig klingt. Doch was sie sagt, erregt schlagartig die Aufmerksamkeit der Männerrunde an dem Tisch vor ihr: „Darf ich Ihnen eine Massage anbieten?“ Eine kurze Pause. Ungläubiges Staunen. Dann lautes Gelächter und ein paar anzügliche Bemerkungen. Eine Minute später graben sich Rebeccas Finger in den breiten Nacken eines Mittdreißigers. Die Männer feiern Geburtstag, und das Geburtstagskind gibt eine Runde Massagen für alle aus - ein Glücksfall für Rebecca Hottes.

Eigentlich ist die Friedbergerin noch Schülerin und geht in die 13. Klasse eines Gymnasiums. Die abendlichen Massage-Touren sind für sie nur ein Nebenjob. Zwei- bis dreimal pro Woche zieht Rebecca mit einem Kollegen für die Firma „Neck Attack“ - zu Deutsch: Nackenattacke - durch die Frankfurter Bars. Eine Schicht dauert von 20 Uhr bis Mitternacht. Wie lange sie arbeitet, hängt auch vom nächtlichen Verdienst ab. Denn einen festen Preis haben die Massagen nicht. „Geben Sie mir einfach so viel Sie wollen, je nach dem, wie es Ihnen gefallen hat“, sagt Rebecca nach jeder Massage. Die meisten Kunden geben zwischen fünf und fünfzehn Euro.

Während Rebecca noch von den feiernden Männern aufgezogen wird, versucht ihr Kollege Immanuel Schmidt sein Glück ein paar Tische weiter. Der 20 Jahre alte Karbener ist wie Rebecca noch Schüler und arbeitet seit knapp zwei Jahren für „Neck Attack“, ein halbes Jahr länger als seine hübsche Kollegin. Immanuel ist groß, sportlich und hat rötlich-blondes Haar, das er mit ein bisschen Gel in Form gebracht hat.

Massagegriffe in eintägiger Schulung gelernt

Mit seinem sicheren Auftreten und ein wenig Charme hat er eine Frau mittleren Alters von seinen Massagekünsten überzeugt. Achtzig Prozent seiner Kunden seien weiblich, sagt Immanuel. Deswegen gingen sie auch meistens in gemischten Zweierteams auf Tour. Männer ließen sich nämlich nur ungern von Männern massieren. Eigentlich gibt es für derlei Berührungsängste keinen Grund, denn massiert wird ohne Öl und durch die Kleidung. Besonders stark packe er auch nicht zu, und tiefer als bis zum Schulterblatt wanderten seine Hände ohnehin nie, sagt Immanuel.

Erlernt haben die beiden die Massagegriffe auf einer von „Neck Attack“ organisierten eintägigen Schulung. Dort hat ein Physiotherapeut ihre Fingerfertigkeit beim Probemassieren begutachtet und ihnen Infomaterial mit nach Hause gegeben. Anschließend hatten die beiden zwei Wochen Zeit, die Griffe an Freunden und Verwandten zu üben, bevor während einer neuerlichen Schulung entschieden wurde, ob sie für „Neck Attack“ arbeiten dürfen.

Das Geschäftsmodell der Stuttgarter Firma hat ihr Gründer, Chris Walther, aus Australien mitgebracht. Dort hat der 36 Jahre alte Geschäftsmann bis 2003 studiert. Seinen „Master of Business Administration“ finanzierte er als mobiler Barmasseur. Nach Deutschland zurückgekehrt, hatte er keine Lust auf einen Bürojob und beschloss kurzer Hand, sich mit „Neck Attack“ selbständig zu machen. Heute gibt es die Massagetruppen in Stuttgart, München, Hamburg, Düsseldorf, Hannover, Berlin, Köln und Frankfurt.

Handkanten-Getrommel auf den Nacken

Mittlerweile ist Rebecca am Ende ihrer Massage angelangt. „Zur abschließenden Auflockerung“, wie sie sagt, trommeln ihre Handkanten in militärischem Rhythmus über den breiten Nacken des schwitzenden Mannes vor ihr. Das dumpfe Geräusch, das dabei entsteht wirkt auf die Umstehenden etwas befremdlich. Der Massierte fühlt sich aber ziemlich entspannt.

Experten sind weniger begeistert von den Dienstleistungen der Hobbymasseure. So zum Beispiel Bruno Blum. Der ausgebildete Masseur ist Präsident des Verbandes Physikalische Therapie, in dem sich Physiotherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister zusammengeschlossen haben. Blum bezweifelt nicht nur die entspannende Wirkung der Barmassagen, sondern hält sie sogar für gefährlich. Er zählt insgesamt 15 Kontraindikationen, also gesundheitliche Beeinträchtigungen, auf, die eine Massage eigentlich verböten.

„Das ist rausgeschmissenes Geld“

Darunter sind so verbreitete Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Störungen, Muskelentzündungen oder Fieber. Zudem, so sagt er, dürften auch Menschen, die Alkohol getrunken hätten, nicht massiert werden, da sie eventuelle Nervenverletzungen durch die Massage nur eingeschränkt wahrnehmen könnten. Blum bezweifelt, dass Hobbymasseure wie Rebecca und Immanuel alle Kontraindikationen erkennen können.

Abgesehen von den gesundheitlichen Folgen stellt Blum aber auch die entspannende Wirkung der Wellness-Massagen in Frage. „Eine Massage durch die Kleidung, die zu Entspannung führen soll, gibt es auf der ganzen Welt nicht“, ist er sich sicher. Sein Urteil über die Wellness-Massage fällt vernichtend aus. „Das ist rausgeschmissenes Geld“, sagt er.

Rebecca und Immanuel kennen solche Kritik. Zu Herzen nehmen sie sich die Meinung der Experten aber nicht. „Wir machen das jetzt seit fast zwei Jahren und gehören zu den besten Masseuren in Frankfurt“, ist Immanuel überzeugt. Sie hätten sogar bereits Physiotherapeuten massiert, die testen wollten, was sie wirklich können, fügt Rebecca hinzu. „Hinterher waren die total begeistert und haben uns sogar noch weitere Griffe gezeigt.“ Auch dass sie rechtlich belangt werden könnten, sollten sie doch einmal einen Nerv einklemmen oder einen Muskel verletzen, macht den beiden keine Angst. Bisher habe sich noch niemand beschwert.

Nach der Arbeit wäre eine Massage das Richtige

Ihren Nebenjob wollen sie auch während des Studiums, das sie nach Schule und Zivildienst beginnen möchten, weiterbetreiben. Denn man könne sich die Zeit freier einteilen und verdiene deutlich mehr als in anderen Nebenjobs.

Am Ende des Tages ist die Begeisterung allerdings der Müdigkeit gewichen. Die beiden sitzen in einer der Kneipen, in denen sie heute gearbeitet haben. Nicht einmal bis elf Uhr haben sie durchgehalten. Es war ein heißer Tag, und schwitzende Menschen lassen sich offenbar nicht so gern anfassen. Dennoch haben sie gut verdient. In etwas mehr als zwei Stunden hat Immanuel 60 Euro eingenommen, Rebecca 45. Das reicht erst einmal.

Er trinkt seine Cola aus, sie ihr Wasser. Sie stehen auf,wollen gehen. Ihre Finger sind entkräftet und die Schultern verspannt. Eine Massage, das wäre jetzt genau das Richtige.

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