03.06.2011 · Die Krise, in der die Kirche derzeit steckt, hat viele Gesichter. Eines ist offenbar ihre mangelnde Fähigkeit, die christliche Botschaft verständlich zu verkünden.
Von Stefan ToepferDer Frankfurter Theologieprofessor Knut Wenzel fordert von der Theologie und der Kirche „erhebliche Übersetzungsanstrengungen“, damit der christliche Glaube wieder verständlicher wird. Es gebe auch unter Theologiestudenten eine Distanz zur Binnensprache des Christentums, manchen von ihnen kämen christliche Texte „wie Fantasy-Literatur“ vor, sagte Wenzel im Haus am Dom in Frankfurt. Hingegen müsse deutlich werden, was beispielsweise die Rede von „Sünde“ oder „Gnade“ mit dem eigenen Leben zu tun habe, sagte der Dogmatiker und Fundamentaltheologe.
Wenzel diskutierte mit dem Soziologen Franz-Xaver Kaufmann, dem Politologen Bernhard Sutor und dem Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz über den Glaubensschwund in der Gesellschaft und Reformen in der Kirche. Auch Sutor hob hervor, dass die Kirche eine „neue Sprache“ finden müsse und verwies auf den Tübinger Religionspädagogen Albert Biesinger. Dieser hat mehrere Bücher entwickelt: für Kinder, zur Sprache religiöser Rituale in Familien und zur, wie er selbst sagt, „religiösen Alphabetisierung“ von Eltern von Erstkommunionkindern. Den Glauben jugendgerecht vermitteln – das will der neue katholische Jugendkatechismus „Youcat“, an dem Eltz maßgeblich mitgewirkt hat.
„Megatrend des Glaubensschwunds“
Wenzel sagte, es gebe in der Gesellschaft keinen „Megatrend des Glaubensschwunds“, sehr wohl aber eine Abkehr von den großen Religionsgemeinschaften und einen „diffusen Glauben“. Diesen müsse die Kirche mehr wertschätzen und so versuchen, Menschen auf den explizit christlichen Glauben anzusprechen. Die wichtigste Frage sei, wie die Kirche ihr Verhältnis zu einer pluralistischen, dynamischen Welt definiere. Das sieht auch Kaufmann so. Er kritisierte, dass die Kirche zu wenig darüber nachdenke, dass sie nicht nur einen überzeitlichen Charakter habe, sondern auch eine „soziale Größe“ sei.
Eltz hob hervor, dass die Kirche vor einem großen Traditionsabbruch stehe. Auch Kinder engagierter Katholiken setzten sich nicht mehr für die Kirche ein. „In der Kirche wird an vielen Stellen kein Stein mehr auf dem anderen bleiben“, urteilte er. „Damit müsste man sich intensiver befassen.“
„Nicht in Reizthemen festbeißen“
Nach Eltz’ Ansicht gehen die Reformvorschläge, die Theologieprofessoren im Februar in einem Memorandum geäußert haben, an dieser Entwicklung vorbei; den Ideen liege immer noch ein volkskirchliches Modell zugrunde. „Die Krise ist viel grundlegender.“ Gleichwohl plädierte Eltz dafür, über Vorschläge wie diese offen zu diskutieren. Er selbst hält es für möglich, das Diakonenamt für Frauen zu öffnen. Das Priesteramt hingegen solle Männern vorbehalten bleiben – aber nicht nur zölibatär lebenden.
Das Memorandum tritt für verheiratete Priester und Frauen im kirchlichen Amt ein. Wenzel gehört zu den mehr als 300 Professoren, die die Erklärung unterzeichnet haben. Ihm ist besonders eine neue kirchliche Rechtskultur wichtig, die transparenter werden muss, wie er sagte.
Sutor warnte davor, sich in dem vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, initiierten Dialogprozess in der Kirche in „Reizthemen“ wie der Diskussion über den Zölibat „festzubeißen“. Es drohe die Gefahr, dass der Dialog versande. Er warb dafür, bei den Katholiken in den Kerngemeinden anzusetzen und deren Engagement zu fördern. Das könne auf Dauer „subversiv“ wirken. Würden zum Beispiel Frauen die Chance nutzen, in Wortgottesdiensten zu predigen, könne das langsam auch zum Diakonenamt für Frauen führen.
Krise der Struktur und Glaubenskrise
Ähnlich argumentierte Wenzel, der sich mit Blick auf die Leitung kleiner Gemeinden durch Laien für eine „langsame Weiterentwicklung“ des kirchlichen Amtsverständnisses aussprach. Wenn alle Getauften und Gefirmten an den „Grundvollzügen der Kirche“ teilhätten, wie das Zweite Vatikanische Konzil festhalte, müsse sich dies auch strukturell niederschlagen.
Kaufmann sagte, die aktuelle Krise der Kirche äußere sich vierfach: im offenbar gewordenen vielfachen sexuellen Missbrauch, einer pastoralen Krise, einer Krise der Struktur und einer Glaubenskrise. „Diese beeinflussen sich gegenseitig.“ Allerdings hätten die Bischöfe die große Möglichkeit, Reformen anzustoßen – „wenn sie wollen“.
Jaja,.....
Emmel Emma (dieEmmie)
- 03.06.2011, 19:28 Uhr
Neue Sprache zwecklos!
kurt richard (kurtrichard)
- 03.06.2011, 21:26 Uhr
Quatsch
Torlin Monger (TMonger)
- 03.06.2011, 23:55 Uhr
Abnehmende Glaubensfähigkeit, hin zum Pantheismus
Walter Russell (fritzjosef)
- 04.06.2011, 02:25 Uhr
@kurt richard (kurtrichard)
Stefan Neudorfer (sttn)
- 04.06.2011, 02:32 Uhr