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Outplacement : Mit Coach zum neuen Job

„Ganz viele weinen hier erst mal“: Wenn SWP-Geschäftsführerin Gabriele Reiser Mandanten berät, geht es zunächst vor allem darum, deren Vertrauen zu gewinnen. Bild: Junker, Patrick

Wer kündigt oder den Arbeitsplatz verliert, bekommt immer öfter ein Angebot für ein „Outplacement“. Die Persönlichkeitsberatung soll helfen, sich beruflich neu zu orientieren.

          Unzufrieden war Sören Elbert schon lange gewesen. Zwölf-Stunden-Tage und Dauerstress in einer Branche, die auf kurzfristige Gewinnmaximierung getrimmt ist, hatten ihn zermürbt. Gut fünfzehn Jahre arbeitete Elbert als kaufmännischer Leiter in verschiedenen Frankfurter Firmen. Zunächst für Private-Equity-Unternehmen und zuletzt für einen amerikanischen Dienstleister, der mit Finanzdaten handelte. Als das Unternehmen verkauft werden sollte und Kündigungen bevorstanden, reichte es ihm. Elbert, ein kurzhaariger Mann Ende vierzig, ging auf seinen Arbeitgeber zu und kündigte an, das Unternehmen freiwillig zu verlassen, sofern man sich über die Art des Abgangs einig werde. Die Personalabteilung machte dem Rheinländer daraufhin gleich mehrere Angebote. Zusätzlich zu einer Abfindung und einer mehrmonatigen Freistellung versprach ihm das Unternehmen die kostenlose Teilnahme an einem Outplacementprogramm, einer Beratung zur beruflichen Neuorientierung. Elbert war zunächst skeptisch: „Ich wusste erst mal gar nicht, was das bringen soll.“

          Outplacement kommt aus den Vereinigten Staaten, hat sich längst aber auch in Deutschland etabliert. Immer mehr Unternehmen finanzieren ausscheidenden Mitarbeitern eine professionelle Unterstützung auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Im Gegenzug erwarten sie dafür die Unterschrift unter einen Auflösungsvertrag. Während sich eine solche Berufsberatung noch vor ein paar Jahren an Fach- und Führungskräfte richtete, ist das Phänomen inzwischen verbreitet. „Vor allem bei großen Umstrukturierungen greifen inzwischen viele Unternehmen auf Outplacement zurück“, sagt Manuela Richter. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität des Saarlandes und forscht zu dem Thema. „Outplacement wird in der Regel als Ergänzung oder Alternative zu Abfindungen angeboten.“ Sören Elbert gab sich eineinhalb Monaten nach der Freistellung einen Ruck.

          „Ganz viele weinen hier erst mal“

          Er suchte die Frankfurter Outplacementfirma SWP auf, bei der sein Arbeitgeber die Beratung gebucht hatte. Mit etwa 17.000 Euro lag die Leistung vom Preis her im Mittelfeld. Elberts Paket beinhaltete eine „Premiumbetreuung“ bis zum Ende der Probezeit in einem neuen Beschäftigungsverhältnis. Mit den Beratern feilte er an seinen Bewerbungsunterlagen und trainierte Vorstellungsgespräche. „Es war gut, einen Sparringpartner zu haben, aber ich war in dieser Hinsicht ein pflegeleichter Kandidat“, sagt Elbert. Menschen, die über Jahrzehnte hinweg für dasselbe Unternehmen tätig waren und gar nicht mehr wissen, worauf es im Bewerbungsverfahren ankommt, haben es da schwerer. Für Elbert waren andere Fragen wichtiger. „Es ging darum, was mir eigentlich im Leben wichtig ist“, erzählt er.

          Jahrelang sei er die Karriereleiter hinauf gestiegen und habe immer mehr Geld verdient. Mit jedem Schritt sei aber auch der Druck gewachsen. „Irgendwann habe ich den Lohn vor allem als Schmerzensgeld empfunden.“ Bedingungslos habe er nicht mehr Karriere machen wollen. „Das habe ich zwar schon vor dem Outplacement gespürt, aber es tat sehr gut, das noch mal mit Hilfe von Experten analytisch herauszuarbeiten.“ Die Sitzungen hätten ihm geholfen, die „Work-Life-Balance“ stärker in den Blick zu nehmen. Obwohl die Umbruchphase ein gewisses Risiko geborgen habe, sei er nie nervös geworden. „Ich wurde psychologisch bei der Stange gehalten.“ SWP-Geschäftsführerin Gabriele Reiser sieht darin eine Hauptaufgabe. Am Anfang gehe es oft darum, die Mandanten zu stabilisieren, sagt sie. Denn die große Mehrheit scheide, anders als Elbert, unfreiwillig aus dem Arbeitsverhältnis. „Ganz viele weinen hier erst mal.“ Da müsse Aufbauarbeit geleistet werden – in einzelnen Fällen grenze das an psychologische Betreuung.

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